Geldanlage: Cost-Average-Effekt

Einstandspreis soll gesenkt werden

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KONSUMENT 6/2013 veröffentlicht: 29.05.2013

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Wenn man Geld, das aktuell nicht benötigt wird, jeden Monat in einen Fonds steckt, ist das durchaus sinnvoll. Doch der viel propagierte Cost-Average-Effekt ist ein Mythos.

"Günstiger durch Cost-Average-Effekt": Das liest man in vielen Angeboten für Fondssparpläne, fondsgebundene Lebensversicherungen oder andere Anlageformen.

Durchschnittlicher Einstandspreis sinkt

Gemeint ist mit dem Cost-Average-Effekt Folgendes: Wer jeden Monat (oder jedes Quartal oder Jahr) um einen bestimmten Betrag Wertpapiere (Fondsanteile, Aktien usw.) kauft, bekommt dafür nicht immer gleich viele Anteile. Liegt der aktuelle Kurs niedrig, erhält man mehr Anteile ums selbe Geld als bei hohem Kurs. Über die Zeit gerechnet sinkt also der durchschnittliche Einstandspreis.

Zwei Anlage-Strategien: Cost-Average oder identische Stückzahl

Man kann auch jedes Mal die gleiche (identische) Stückzahl von Wertpapieren kaufen und je nach Kurs dafür mehr oder weniger bezahlen. Das heißt IS-Strategie. Verfechter der CA-(Cost-Average-)Strategie meinen nun, diese sei aufgrund des durchschnittlichen günstigeren Einstandspreises der IS-Strategie überlegen.

Marktentwicklung entscheidet!

Aber stimmt das auch? Machen wir anhand eines einfachen Beispiels die Probe aufs Exempel: Ein Jahr lang werden jeden Monat Fondsanteile gekauft. Der angenommene Kurs beträgt von Jänner bis März 5 Euro, von April bis Juni 10 Euro, von Juli bis September 15 Euro, im Oktober und November 20 Euro und im Dezember 25 Euro. Gemäß der CA-Strategie investieren wir monatlich einen fixen Betrag (50 Euro). Nach der IS-Strategie kaufen wir jeden Monat die gleiche Menge Fondsanteile, nämlich 7,5.

Nach Ablauf des Jahres haben wir mit der Cost-Average-Strategie 600 Euro investiert und dafür 62 Fondsanteile gekauft. Unser Portfolio ist zum Kurs am Jahresende 1.550 Euro wert, zweieinhalb Mal so viel, wie angelegt wurde. Mit der IS-Strategie haben wir 1.162,50 Euro in 90 Fondsanteile investiert und 2.250 Euro Ertrag erreicht. Unser Einsatz hat sich also "nur" verdoppelt.

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Kommentare

  • Dichtung und Wahrheit
    von REDAKTION am 05.06.2013 um 09:05
    Wahr ist, dass der Cost-Average-Effekt nichts über die Rendite und das Risiko von Veranlagungen aussagt, sondern lediglich über Kaufpreise. In der Praxis (Beratungsgespräche, Verkaufsunterlagen...) kommt aber häufig das Argument, der Cost-Average-Effekt würde zu höheren Renditen führen. Das ist falsch. Wir haben Extrembeispiele angeführt. Es gibt aber auch Beispiele ohne Kursverluste, die denen deutlich wird, dass der Cost-Average-Effekt gegenüber der "identische-Stückzahl"-Strategie schlechter abschneidet. Ihr KONSUMENT-Team
  • Dichtung und Wahrheit
    von strak am 29.05.2013 um 10:00
    In diesem Artikel wird behauptet, dass der Cost-Average-Effekt bei der Veranlagung in Fonds ein Mythos ist, zum Beweis ein Vergleich zwischen fixem monatlichen Anlagebetrag (Variante A) und fixer monatlicher Anlagestückzahl (Variante B) angestellt und der durch Äußerung eines Experten untermauerte Schluss gezogen, dass Variante A (Cost-Average) gegenüber der Variante B (fixe Stückzahl) keinen Renditevorteil liefert. Ich halte die von ihnen getroffene Aussage für grundfalsch. Als interessierter Laie würde ich bei einem solchen Vergleich von folgenden Grundsätzen ausgehen: * Ich veranlage mein Geld nur dann in Fonds, wenn ich mir nach der Behaltedauer einen Gewinn und keinen Verlust erwarte. * Als Anleger beachte ich die minimale Behaltedauer, die bei Misch- oder Aktienfonds üblicherweise bei 5 bis 10 Jahren liegt - schließlich will ich mein Geld anlegen und nicht spekulieren. Um Ihre Rechenbeispiele herzunehmen: Sie kaufen im ersten Beispiel bei Variante A 62 Anteile um 600 €, also um durchschnittlich 9,68 € pro Stück, bei Variante B 90 Anteile um 1162,50 €, also durchschnittlich 12,92 €. Im zweiten Beispiel kaufen Sie nach Variante A 68,67 Anteile um 600 €, also um durchschnittlich 8,74 € pro Stück, nach Variante B 24 Anteile um 290 €, das sind durchschnittlich 12,08 €. Der Kaufpreis pro Anteil ist bei Variante B ist im ersten Beispiel um 33 %, im zweiten Beispiel um 38 % höher als bei Variante A. Das schlägt auf die Rendite bei einem Verkauf nach beispielsweise 5 Jahren mit einer jährlichen Differenz von mehr als sechs Prozent durch, oder, anders ausgedrückt, die jährliche Rendite meiner Anlage ist bei Kauf der Anteile nach dem Cost-Average-Prinzip (Variante A) um gut sechs Prozent höher als beim monatlichen Kauf einer fixen Anzahl von Anteilen (Variante B). Dass sich durch die Art der Veranlagung nicht die künftige Kursentwicklung vorhersagen lässt, ist klar. Ebenso sollte nach diesem Vergleich klar sein, dass sich bei monatlicher Veranlagung kleiner Beträge nach dem Cost-Average-Prinzip die Rendite und damit auch die Wahrscheinlichkeit, eher im Gewinn- als im Verlustbereich zu landen, erhöhen lässt. Natürlich verspielt man beim Fondsparen mit fixen Beträgen die Chance, zu einem günstigen Zeitpunkt billig zu kaufen, und der Effekt kommt nur bei stark schwankenden Kursen während der Zeit, in der man investiert, zum Tragen. Insgesamt ist der Artikel jedenfalls - gelinde gesagt - irreführend, und ich würde auf eine Beratung durch Ihren Interviewpartner in finanziellen Angelegenheiten eher verzichten.
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