Wo der starke Zinsfuß zutritt

Vorbeugende Bankenrettung

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 24.11.2016

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Wenn die Zinsen weiter fallen, dann wird unser Kopfpolster bald zur Bank. - "Kunde König", ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck.

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Wenn die Entwicklung der Zinsen fortschreitet wie bisher, könnte der Weltspartag in Zukunft so ablaufen: Wer was einzahlen will, muss der Bank kleine Geschenke überreichen, etwa ein Plüschtier und einen Kugelschreiber. Kommt jemand mit einem besonders fetten Sparschwein daher, sollte er zusätzlich eine Jause mitbringen.

"Schuldenfroh" für die Kinder

Damit schon die Kinder begreifen, worauf es ankommt, wird eine neue Werbefigur erfunden, der „Schuldenfroh“. Man kann ihn aufs Handy herunterladen und beim echt coolen Kontoüberzieher-Spiel lernen, dass ein Minus auf dem Konto viel spannender ist als ein stinkfades Guthaben. So, damit verlassen wir den scherzhaften Bereich und hoffen, dass sich manches zum Besseren wendet. Derzeit gibt es ja Zinsen, die diesen Titel gar nicht mehr verdienen, weil sie nur unter dem Mikroskop sichtbar sind. Immerhin ist es noch nicht zur Einführung von Strafzinsen gekommen.

Kopfpolster-Banden und Nachtkastlknacker

Ein Glück, sonst würde vermutlich halb Österreich die Ersparnisse unter dem Kopfpolster verstecken, was wiederum zum Aufblühen von spezialisierten Kopfpolster-Banden und Nachtkastlknackern führen würde. Wo es den starken Zinsfuß noch gibt, dort tut er weh, denn er tritt zu, teilweise mit zehn Prozent und darüber. Getreten werden die Leute, die ihr Konto überziehen, also sowieso schon zu wenig Geld haben. Ob Mitleid angebracht ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden, denn mancher bringt sich nicht aus Not, sondern aus Jux und Tollerei in diese Lage.

Höhere Supergehälter für Bosse

Sicher ist jedoch, dass diese Leute die Banken kräftig beim Verdienen unterstützen, was quasi eine vorbeugende Bankenrettung sein könnte. Davon haben alle was, weil kaputte Banken gern den Steuerzahlern zur Last fallen. Kann natürlich auch sein, dass es nur um höhere Supergehälter für die Bosse geht, doch sicherheitshalber rufen wir den Kontoüberziehern zu: Hut ab vor eurer Leistung! Und denen, die sich aus Jux und Tollerei hineinreiten: Viel Spaß im Weihnachtsgeschäft!

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