Antibiotika

Zu schnell verordnet

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KONSUMENT 3/2018 veröffentlicht: 22.02.2018

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Überflüssige Therapien, Medikamente und Untersuchungen können für Patienten schädliche Folgen haben. Das Projekt "Gemeinsam gut entscheiden" soll für eine bessere medizinische Versorgung in Österreich sorgen.

"Hilft‘s nix, so schadet‘s nix." Dieser Spruch aus dem Volksmund wird in medizinischen Angelegenheiten häufig strapaziert. Leider ist er so falsch wie gefährlich. Überflüssige Medikamente, Therapien und Untersuchungen, die Patientinnen und Patienten von Ärzten zugemutet werden, sind bestenfalls unwirksam. Nicht selten sind sie jedoch belastend und für die Betroffenen mit Risiken verbunden, etwa, weil es zu unerwünschten Wirkungen kommen kann. Medizinische Fachgesellschaften weisen seit Langem auf diese Problematik hin.

Unnötige Behandlungen

Im Jahr 2012 initiierte die US-amerikanische ABIM Foundation (Stiftung des American Board of Internal Medicine, des Verbandes für Innere Medizin) das Projekt "Choosing Wisely". Behandlungen und ­medizinische Tests, die immer wieder un­nötigerweise verordnet werden, sollten identifiziert und Maßnahmen entwickelt werden, wie sich diese Fehler künftig vermeiden lassen. In den USA wurden bislang rund 400 entsprechende Empfehlungen veröffentlicht.

Projekt "Gemeinsam gut entscheiden"

Inzwischen ist die Idee auch in euro­päischen Ländern, darunter Österreich, ­angekommen. 2015 startete das Institut für Allgemeinmedizin und evidenzbasierte Versorgungsforschung (IAMEV) an der ­Medizinischen Universität Graz in Koope­ration mit dem Department für Evidenz­basierte Medizin und Klinische Epidemio­logie der Donau-Universität Krems das Projekt "Gemeinsam gut entscheiden".

Ziel ist, die für Österreich relevanten Empfehlungen zu erarbeiten. In erster Linie sollen unnötige Behandlungen und Tests reduziert und ­somit die Gesundheit der Patientinnen und Patienten geschützt ­werden. Darüber ­hinaus geht es darum, unnötige Kosten für die Krankenkassen zu ver­meiden. Wir werden das Projekt "Gemeinsam gut entscheiden" in den kommenden Ausgaben von KONSUMENT begleiten und die ­wichtigsten Empfeh­lungen vor­stellen. Den ­Anfang macht das Thema Antibiotika.

Antibiotika gegen Viren machtlos

Obwohl seit Jahrzehnten bekannt ist, dass Antibiotika gegen "Erkältungen" – also an sich unkomplizierte Infekte der oberen Luftwege – nutzlos sind, werden sie von Ärzten immer wieder als vermeintliche Allzweckwaffe verschrieben. Sogenannte Verkühlungen werden in der Regel von Viren verursacht. Gegen Viren sind Anti­biotika machtlos. Antibiotika helfen nur, wenn sich Bakterien in den Atem­wegen ausbreiten. Dies kann etwa dann vorkommen, wenn Schleim aus den Bronchien nicht abgehustet werden kann und im Krankheitsverlauf zum Nährboden für ­Bakterien wird.

Häufige Verschreibung fördert Resistenzen

Sonst ist die Einnahme von Antibiotika sinnlos und kann sogar schädliche Folgen haben. Bei etwa einer von zehn Personen, die Antibiotika einnehmen, kommt es zu unerwünschten Wirkungen wie Übelkeit, Durchfällen oder Hautausschlägen. Eine häufige Verschreibung von Antibiotika begünstigt, dass Bakterien sich so verändern, dass sie den Wirkstoffen gegenüber unempfindlich werden. Kommt es zu einer Infektion mit derartigen Erregern, sind ­Antibiotika wirkungslos.


Die Informationen in unserem Artikel dienen ausschließlich als Grundlage für das Gespräch mit ihrem Arzt, sie können keinesfalls eine Konsultation ersetzen.

Weitere Informationen finden Sie auf www.gemeinsam-gut-entscheiden.at .

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