KONSUMENT.AT - Demenz-Prävention: Strategien - Sport, geistige Anstrengung und soziale Kontakte

Demenz-Prävention: Strategien

Auf zum Tanz!

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KONSUMENT 6/2015 veröffentlicht: 28.05.2015

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Alter ist der größte Risikofaktor

Nur in dem einen Punkt scheinen sich die Experten einig zu sein: „Der stärkste Risikofaktor für Alzheimer ist das Alter.“ Das sagt Prof. Dr. Peter Dal-Bianco, Leiter der Spezial­ambulanz für Gedächtnisstörungen und ­Demenzerkrankungen/Universitätsklinik für Neurologie/MedUni Wien und Co-Autor ­unseres Buches „Alzheimer“.

Jeder dritte über 90-Jährige bekommt Alzheimer, so die Statistik. Doch die Statistik wird dem Einzelfall nicht immer gerecht. Führen wir noch einmal einen früheren ­Regierungschef an, Helmut Schmidt: Der vormalige deutsche Kanzler geht mittlerweile auf die Hundert zu. Trotzdem oder gerade deswegen ist er häufig Gast in politischen Sendungen. Er sitzt im Fernsehstudio, zieht genüsslich an einer Zigarette und äußert ­seine Ansichten – so klar und bestimmt, wie wir es oft genug bei Politikern vermissen.

Große Unsicherheit

Dieser Mann ist topfit im Kopf. Was macht er anders als seine Altersgenossen? Liegt es am Rauchen? Vielleicht. Wer den Zusammenhang googelt, stößt auf eine HEUTE-Nachrichtensendung des ZDF, die von einer Studie berichtet, die nachweisen konnte, dass es Alzheimer-Patienten nach der Applikation von Nikotinpflastern merklich besser ging. Es finden sich allerdings auch Studien mit der genau gegenteiligen Aussage: Demnach erhöht Rauchen das Alzheimer-Risiko. Wir wollen hier keine Diskussion über das Rauchen anzetteln – keiner wird bestreiten, dass die Negativa überwiegen. Dieses Beispiel führen wir nur an, um zu zeigen, dass erstens große Unsicherheit rund um Alzheimer herrscht und dass es zweitens nicht schwierig ist, für jede These eine Studie zu finden, die sie bestätigt.

Bewegung für Körper und Kopf

Welche Gegenstrategien sind üblich? Wie versuchen Menschen, dem kognitiven Abbau vorzubeugen? Ein Ansatz zielt auf gesunde Lebensführung: Mens sana in corpore sano; ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper, hieß es bei den Römern. Bewegung tut dem Menschen gut – und ­offenbar insbesondere seinem Kopf. Einigen Untersuchungen zufolge kann man der Alzheimererkrankung regelrecht davonlaufen. Erklärt wird das damit, dass eine gute ­Durchblutung hilft, zelluläre Abfallprodukte zu entsorgen, mehr schützende Substanzen zur Verfügung zu stellen und Regenerationsprozesse durch neu entstehende Nerven­zellen zu unterstützen.

Das ist eine Erklärung, die physiologische. Sie allein wird dem Phänomen aber nicht gerecht. Es scheint ein größerer Zusammenhang zu bestehen. Vieles spricht dafür, dass körperliche Bewegung dem Geist gleichsam auf die Sprünge zu helfen vermag. Das ­ergaben Beobachtungsstudien.

Sport und geistige Anstrengung kombinieren

Dal-Bianco formuliert es vorsichtig: „Es scheint sinnvoll, aufgrund des generell positiven ­gesundheitlichen Effekts von regelmäßiger Bewegung, ältere Menschen zu körperlicher Aktivität zu motivieren.“ Noch besser sei es, sagt er, wenn im Sinne der Alzheimer-Prävention sportliche Betätigung mit geistiger Anstrengung und geselligem Zusammensein gekoppelt werde. Der Experte bricht in diesem Zusammenhang eine Lanze für das Tanzen. In seinen Augen ist es eine gute Übung für Körper und Geist. Schrittkombinationen und Figurenfolgen werden einstudiert, Gleichgewichts- und Orientierungssinn trainiert. Nicht zu vergessen: Zur Anstrengung kommt der Spaß. Und das Gemeinschafts­erlebnis. Warum einsam sporteln, wenn es auch gemeinsam geht?

Denksport fürs Gehirn

Hilft es, jeden Tag Kreuzworträtsel zu lösen? Vielleicht. Wer es gerne macht, sollte es ­weiterhin tun. Warum nicht? Zugrunde liegt die Überlegung, dass der Kopf gleich einem Muskel regelmäßig trainiert werden sollte. Getreu dem Motto: Use it or lose it; gebrauche deine geistigen Fähigkeiten, oder du büßt sie ein.

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