Alzheimer: Aktueller Forschungsstand

Interview: "Die große Herausforderung"

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KONSUMENT 4/2018 veröffentlicht: 22.03.2018

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Ein Gespräch mit Univ.-Prof. Dr. Peter Dal-Bianco, Präsident der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft und Co-Autor unseres Buches "Alzheimer", über den Stand der Forschung, die Behandlung und pflegende Angehörige.

Herr Professor, in regelmäßigen Abständen ist in den Zeitungen zu lesen, dass ein Durchbruch in der Alzheimertherapie kurz bevorstünde. Doch bisher ist der ausgeblieben. Wie ist der aktuelle Stand der Forschung?

Die Forschung konzentriert sich im Augenblick auf die Entwicklung einer Immun­therapie, und zwar einer Impfung, die schon im Frühstadium der Erkrankung dem Betroffenen verabreicht wird. Wir dürfen nicht vergessen: Wenn sich Alzheimer ­klinisch manifestiert, mit Vergesslichkeit, Orientierungsschwäche, Hilflosigkeit usw., befindet sich der Betroffene bereits im letzten Viertel seiner Erkrankung. Was zugleich heißt, dass es zu diesem Zeitpunkt bereits zu neurostrukturellen, neuropathologischen und neurochemischen Veränderungen gekommen ist.

Gegen diese Veränderungen, speziell gegen kleine Eiweißfäden, Amy­loid-beta genannt, und das Taueiweiß richtet sich die Impfung. Die Studien sind bereits weit fortgeschritten. Die große Frage ist: Wem und wann im Verlauf der Alz­heimer­erkrankung werden wir die Impfung geben? Wer wird davon profitieren? Und dies ist zugleich die Frage: Wer wird an Alzheimer erkranken? Das können wir heute noch nicht mit Sicherheit sagen, denn noch fehlen uns die Biomarker, die eine Degeneration eindeutig anzeigen.

Wo setzt die Forschung dabei an?

Der Fokus der Forscher richtet sich momentan auf sogenannte Alzheimerfamilien, auf Familien, in denen die Erkrankung vererbt wird. Die betroffenen Familienmitglieder sind presenilin 1-positiv, das heißt, sie weisen eine Veränderung am Chromosom 14 auf.

Die Forscher interessieren sich insbesondere für die heute 18- bis 25-Jährigen, deren ­Väter vergesslich und deren Großväter ­bereits hilfsbedürftig sind. Diese jungen Erwachsenen schaffen im Augenblick den Alltag ohne Probleme, doch sie wissen, dass sie mit 50-prozentiger Wahrscheinlichkeit an Alzheimer erkranken werden, einfach aufgrund der mendelschen Vererbungsgesetze.

Es handelt sich hier um eine sehr homogene Gruppe, die nun prospektiv untersucht wird. Man schaut, welche spe­zifischen Hirnveränderungen bei diesen Personen auftreten. Handelt es sich dabei um eine Abnahme der Synapsenanzahl oder der Transmitterkonzentration? Und wie ­erfolgreich ist bei ihnen die Impfung?


Univ.-Prof. Dr. med. Peter Dal-Bianco

Univ.-Prof. für Klinische Neurologie. Aufbau der ersten österreichischen Spezialambulanz für Gedächtnisstörungen am AKH Wien.

Aufgrund seiner klinischen Studienergebnisse 1996 Zulassung von Galantamin (erstes Alzheimer-Medikament in Österreich). Mitglied nationaler und internationaler Fach­gesellschaften, Publikationen in nationalen und internationalen Fachzeitschriften. Präsident der Österreichischen Alzheimer Gesellschaft (www.dal-bianco.at).

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Kommentare

  • Diabetes 3
    von eNTi am 17.04.2018 um 16:28
    Es gibt Hinweise darauf, dass Alzheimer eine Art Insulinresistenz ist, die wie so viele "westliche Volkskrankheiten" auf übermäßigen Zuckerkonsum zurückzuführen ist. Leider wird in der Forschung oft nur Symptombekämpfung in Betracht gezogen, weil sich damit Medikamente verkaufen lassen.

    https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC2769828/
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