Alzheimer

Aus Partnerschaft wird Pflege

Seite 1 von 6

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 3/2016 veröffentlicht: 25.02.2016, aktualisiert: 21.06.2017

Inhalt

Das Leben mit einem an Alzheimer erkrankten ­Menschen muss nicht in ­monotones Pflegen münden. Es kann daraus auch eine ­innige Beziehung entstehen.

Vor zehn Jahren begann es, erzählt Frau Schmidt, die gerne bereit ist, über die Alz­heimererkrankung ihres Mannes zu berichten. Es war Sommer, ihr Mann und sie fuhren nach Italien, in die geliebte Toskana. Ihr Mann steuerte das Fahrzeug, wie immer, und wie immer machte er seine Sache gut. Aber seltsam: Dauernd war er auf der Suche nach irgendwelchen Dingen, etwa seiner Brille – dabei lag sie direkt vor ihm auf dem Tisch.

Diagnose Alzheimer

Eine Schusseligkeit, wir werden eben alt, dachte sich Frau Schmidt anfangs. Als ihr Ehemann jedoch auch zu Hause Dinge vergaß und verlegte, ging sie mit ihm zu einem Neurologen. Zur genaueren Abklärung. Die Untersuchung ergab, dass er Alzheimer hat. Die Diagnose war ein Schock, für sie nicht weniger als für ihn.

Wut und Ohnmacht

Von nun an würde es also nur noch bergab gehen, dachte sie, denn es handelt sich hierbei um eine Krankheit ohne Aussicht auf Heilung. Ihre gemeinsamen Zukunfts­pläne, die würden sie in den Wind schreiben können. Was wollten sie in der Pension nicht alles machen! Viel verreisen und fremde Kulturen kennen lernen! Daran war nun nicht mehr zu denken. Wut und Ohnmacht kamen in Frau Schmidt hoch, beides zusammen. Wut, weil ihr Mann zunehmend alles vergaß. Und ­Ohnmacht, weil gegen den progredienten (fortschreitenden) Verlauf der Krankheit ­offensichtlich nichts zu machen war.

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
5 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Naja ...
    von anna89 am 25.02.2016 um 20:32
    Der Autor hat offensichtlich einen positiven, losgelösten Vater erlebt - ein Glück. Alzheimer Familienmitglieder zu pflegen als positive Erfahrung darzustellen, ist schon ein bemerkenswerter Blickwinkel. Denn im Artikel wird ein ganz essentieller Aspekt der Erkrankung ausgespart: die permanente Unruhe, die viele Erkrankte mehr und mehr erfasst, oft auch in Verbindung mit gesteigerter Ungeduld bis hin zur Boshaftigkeit. Nicht das Vergessen bringt die Pflegenden zur Verzweiflung, sondern diese Unruhe, permanent unterwegs, ständig etwas wollen, keine Minute Ruhe für die Pflegerinnen. Argumente greifen lediglich wenige Minuten, wenn überhaupt. Die Verantwortung und Belastung bringt die meisten, die ihre Angehörigen nicht ins Heim abschieben wollen - über Jahre - an ihre körperlichen und seelischen Grenzen - trotz 24-Stunden Pflege.
KONSUMENT-Probe-Abo