Kuhmilch nichts für Babys

Weniger Allergien?

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KONSUMENT 8/2015 veröffentlicht: 25.06.2015

Inhalt

Senkt eine Ernährung mit Kuhmilch im ersten Lebensjahr die Wahrscheinlichkeit für allergische Erkrankungen im späteren Leben?

Wir sagen: Es gibt keine Beweise dafür, dass Kuhmilch in der Lage ist, das Immunsystem von Säuglingen und Babys zu stärken und damit die Wahrscheinlichkeit für spätere allergische Erkrankungen zu senken.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend


Kuhmilch eher ungeeignet

Mütter, die nicht stillen können oder wollen, sind auf teure Ersatz-Milchpulver-Produkte angewiesen. Viele greifen aber auch gerne auf die deutlich günstigere Kuhmilch zurück. Der tierischen Milch wird dabei immer wieder nachgesagt, dass ein Konsum im Babyalter Vorteile mit sich bringe, da man später besser vor Allergien oder Asthma geschützt sei. Wissenschaftlich lässt sich dies allerdings bislang nicht belegen. Im Gegenteil: Kuhmilch erscheint für Säuglinge eher ungeeignet. Sie enthält etwa dreimal so viel Protein wie Muttermilch.

Der hohe Eiweißgehalt kann die Nieren des Säuglings belasten. Die tierische Milch ist auch deutlich eisenärmer als Muttermilch. Das Eisen kann vom Säugling zudem nur schlecht verwertet werden, da die ebenfalls enthaltenen Proteine (Kasein) und Kalzium die Eisenaufnahme hemmen.

Defizit an Spurenelementen?

Studien deuten darauf hin, dass ein Viertel bis ein Drittel aller Babys, die ab der Geburt beziehungsweise einem Alter von sechs Monaten Kuhmilch erhalten, ein Defizit an dem Spurenelement aufweisen. Bei Kindern, die mit meist eisenangereicherten Folgemilch-Spezialprodukten gefüttert wurden, waren es beinahe viermal weniger.

Die Arbeiten sind allerdings von mäßiger Qualität und müssen noch durch besser gemachte Studien bestätigt werden. Eisenmangel kann für Babys mitunter dramatische Konsequenzen haben und etwa die geistige und körperliche Entwicklung des Kindes beeinträchtigen.

Diabetes, Wachstum und Entwicklung

Betroffene Babys sind zudem häufiger müde. Zu lesen ist auch immer wieder, dass Kuhmilchkonsum im Babyalter, die Wahrscheinlichkeit für Diabetes vom Typ 1 erhöht, sich negativ auf Wachstum und Entwicklung auswirkt oder für einen erhöhten Anteil von Blut im Stuhl verantwortlich ist. Bisherige Studien können diese Behauptungen jedoch nicht stützen.

Muttermilch: perfekte Allround-Nahrung

Prinzipiell ist Muttermilch die perfekte Allround-Nahrung für Säuglinge. Sie enthält alle Nährstoffe, die das Baby für eine gesunde Entwicklung braucht. Bis ungefähr zum sechsten Lebensmonat ist die Milch der Mutter als einzige Nahrungsquelle ausreichend.

Kuhmilch im ersten Lebensjahr nur in kleinen Mengen

Danach benötigt das Kind, zusätzlich feste Nahrung (Brei). Experten empfehlen Kuhmilch nicht vor dem sechsten Lebensmonat zu verabreichen und auch danach nur in kleinen Mengen einzusetzen, etwa um Brei zuzubereiten. Als Getränk für das Baby eignet sie sich im ersten Lebensjahr nicht.

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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