Lebensmittelallergie bei Babys

Allergieauslösende Nahrungsmittel

Seite 1 von 1

KONSUMENT 6/2016 veröffentlicht: 25.05.2016

Inhalt

Sinkt das Risiko für eine Lebensmittelallergie, wenn Babys potenziell allergieauslösende Nahrungsmittel (Kuhmilch, Erdnüsse, Hühnereier) möglichst spät zum ersten Mal gefüttert bekommen?

Wir sagen: Bislang konnte nicht gezeigt werden, dass das Risiko für eine Lebensmittelallergie durch möglichst späte Gabe dieser Nahrungsmittel sinkt.
 

KONSUMENT Fakten-Check Medizin: wissenschaftliche Beweislage mittel (Bild: VKI)

 

Lebensmittelallergien kommen bei Kindern relativ häufig vor. Einer US-amerikanischen Untersuchung zufolge leiden Kinder heute etwas öfter an einer Lebensmittelallergie als noch Ende der 1990er-Jahre. In den meisten Fällen macht sich die Allergie bereits vor dem zweiten Geburtstag bemerkbar. Einer Theorie zufolge lässt sich eine solche Allergie verhindern, wenn Kinder bekannte Auslöser wie Erdnüsse, Kuhmilch, Hühnereier oder Weizen möglichst spät bekommen.

Erdnüsse: Frühes Füttern reduzierte Allergierisiko

Über Jahrzehnte haben Fachleute genau das empfohlen. Die Zunahme von Lebensmittelallergien konnten diese Empfehlung nicht verhindern. Im Gegenteil: So litten Kinder, die erdnusshaltige Lebensmittel schon vor dem 11. Lebensmonat bekommen hatten, mit 5 Jahren seltener unter einer Erdnussallergie als Kinder, denen Erdnüsse bis zum 5. Geburtstag vorenthalten wurden. Das frühe Füttern von babygerecht zubereiteten Erdnüssen scheint das Risiko also zu verringern.

Kuhmilch, Hühnereier: Nichtfüttern bringt nichts

Was für Erdnüsse gilt, muss allerdings nicht auf andere allergieauslösende Lebensmittel zutreffen. Weitere Studien zu Nahrungsmittelallergien bei Kuhmilch und Hühnereiern zeigen aber zumindest, dass es nichts bringt, milch- und eihaltige Lebensmittel nicht zu füttern. Das Allergierisiko sinkt dadurch wahrscheinlich nicht. Säuglingsersatznahrung und Folgemilch-Produkte werden häufig aus Kuhmilch hergestellt.

Im Handel sind auch Milchpulver-Produkte mit aufgespaltenem Milchprotein, die angeblich Allergien vorbeugen. Bisherige Studien zeigen jedoch, dass diese Spezialprodukte wahrscheinlich wenig nützen. Kinder scheinen nicht seltener auf Kuhmilch allergisch zu werden, wenn sie mit hydrolysierten Milchprotein-Produkten gefüttert werden. Auch wenn Babys in der allerersten Zeit kleine Mengen an Kuhmilch bekommen, erhöht das offenbar das Risiko nicht.

Fisch, Sesam, Weizen: Kein höheres Risiko

Und wie sieht es bezüglich Fisch, Sesam und Weizen aus? Bekamen Kinder in einer Studie bereits im Alter von drei Monaten diese Lebensmittel, hatten sie kein höheres Risiko für eine Nahrungsmittelallergie als Kinder, die damit erst im Alter von sechs Monaten gefüttert wurden. Diese Ergebnisse sind jedoch noch nicht gut gesichert und müssen erst in weiteren Studien bestätigt werden.

Keine Rolle scheint auch die Ernährung der Mutter in Schwangerschaft und Stillzeit zu spielen. Versucht die Mutter in dieser Zeit, potenziell allergieauslösende Lebensmittel zu vermeiden, verringert sie das Allergierisiko ihres Kindes damit nicht.  

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

Lesen Sie mehr auf www.medizin-transparent.at

 

Bewertung

Wertung: 0 von 5 Sternen
KONSUMENT-Probe-Abo