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Medikamente: Rezeptfreie Schnupfenmittel

Verschnaufpause

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Konsument 11/2007 veröffentlicht: 17.10.2007

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Vorsicht vor Nasentropfen-Nase

Werden abschwellende Nasentropfen länger und häufiger eingesetzt, droht eine sogenannte Nasentropfen-Nase. Diese macht sich bemerkbar, sobald das Mittel abgesetzt wird. Dann schwillt die Schleimhaut wieder an und die Schnupfensymptome treten erneut auf. Der Patient glaubt, der Schnupfen sei noch nicht überstanden und verwendet das Medikament weiter. Langfristig wird dabei die Nasenschleimhaut angegriffen beziehungsweise zerstört. Unser Riechorgan wird dann erst recht anfällig für Erreger und entzündet sich ständig aufs Neue.

Gegenanzeigen

Nicht verwendet werden dürfen Alpha-Sympathomimetika bei Erkrankungen mit trockener Nasenschleimhaut. Patienten, die unter erhöhtem Augeninnendruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden oder bestimmte Antidepressiva (trizyklische Antidepressiva, MAO-Hemmer) einnehmen, sollten vor der ersten Anwendung vom Arzt eine Nutzen-Risiko-Abwägung vornehmen lassen.

Ohne Konservierungsmittel

Geeignet zur kurzfristigen Anwendung bei Schnupfen sind Alpha-Sympathomimetika ohne Konservierungsmittel. Das in einigen Präparaten zur Konservierung eingesetzte Benzalkoniumchlorid schränkt die Bewegungsfähigkeit der Flimmerhärchen ein und beeinträchtigt dadurch die Selbstreinigungsfähigkeit der Nase. Medikamente, die Benzalkoniumchlorid enthalten, werden deshalb nur mit „auch geeignet“ bewertet. Grundsätzlich vorzuziehen sind zudem Monopräparate. Ätherische Öle, Antihistaminika oder Antiseptika, wie Chlorhexidindigluconat, die einigen Präparaten zugesetzt werden, bringen keinen therapeutischen Vorteil. Derartige Mittel werden, je nach Zusammensetzung, als nur mit Einschränkung beziehungsweise wenig geeignet bewertet.

Wirkstoff im Blut

Mit „wenig geeignet“ schneiden auch Präparate ab, die Ephedrin enthalten (im Test nur Piniment Nasensalbe). Bei Ephedrin handelt es sich ebenfalls um einen die Blutgefäße verengenden Wirkstoff, der ein Abschwellen der Nasenschleimhäute verursacht. Im Gegensatz zu Alpha-Sympathomimetika wird diese Wirkung jedoch nicht nur lokal, sondern systemisch erzielt, da die Substanz zuerst in den Blutkreislauf aufgenommen werden muss. Dies kann besonders für Kinder und Kleinkinder sowie Personen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu Problemen führen. Auch der Nutzen der zugesetzten ätherischen Öle ist fraglich.

Antihistaminika wenig geeignet

Ebenfalls wenig geeignet sind Präparate, die Antihistaminika enthalten (im Test LUUF Naphazolin compositum Nasenspray). Antihistaminika sind nur bei allergischem Schnupfen wirksam, nicht aber bei viralen Erkältungskrankheiten. Die Kombination von Alpha-Sympathomimetika mit Antihistaminika ist daher nicht sinnvoll. Präparate ohne Konservierungsmittel sind zudem vorzuziehen. Der Zusatz von ätherischen Ölen ist ebenfalls nicht sinnvoll. Die Wirksamkeit der Kombination ist durch Studien bislang nicht belegt.

Nasenpflege

Einige Mittel dienen zur Befeuchtung und Pflege der Nasenschleimhaut. Als geeignet erwies sich im Test das aus Meerwasser und Dexpanthenol bestehende Präparat Marplus Nasenspray. Mit Einschränkung geeignet schneiden dagegen ölige Präparate ab, die neben Vitamin A und E auch ätherische Öle enthalten (Coldistop Nasenöl). Dass die Vitamine einen Beitrag zur Wirksamkeit des Mittels leisten, ist eher zweifelhaft. Das Öl kann zudem die Funktion der Flimmerhärchen einschränken und im Extremfall beim Einatmen des Öles zu einer sogenannten Lipidpneumonie (Öl-Lungenentzündung) führen.

Bewertung

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