KONSUMENT.AT - Retouren beim Onlineshopping - Besonders häufig: Schuhe und Kleidungsstücke

Retouren beim Onlineshopping

Grüße aus Moskau

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KONSUMENT 1/2021 veröffentlicht: 17.12.2020

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Wissenschaftler haben den CO2-Fußabdruck von Onlineshopping-Retouren berechnet. Und ziehen dabei einen Vergleich, der bis in die russische Hauptstadt reicht.

Nicht zuletzt die Corona-Krise beschert dem Onlinehandel atemberaubende Höhenflüge. So konnte beispielsweise der deutsche Online-Modehändler Zalando im 3. Quartal 2020 fast ein Viertel mehr Bestellungen verbuchen als im Vergleichszeitraum vor einem Jahr. Auch heimische Daten für den Paketversand belegen den Trend: Um rund 20 Prozent mehr Pakete wurden im 1. Quartal 2020 hierzulande verschickt.

532 Retouren pro Minute

Wenn häufiger im Internet bestellt wird, häufen sich naheliegenderweise auch die Probleme beim Versand. Mehr Sicherheit sollen Käuferschutzprogramme bieten; lesen Sie dazu unseren Artikel auf Seite 38. Wenn häufiger im Internet bestellt wird, häufen sich allerdings auch die Retouren. Und das hat negative Effekte auf die Umwelt. Dem Thema widmen sich die Wissenschaftler der Forschungsgruppe Retourenmanagement der Universität Bamberg bereits seit einigen Jahren. Sie haben berechnet, dass in Deutschland rund 280 Millionen Pakete an Onlinehändler zurückgeschickt wurden, das waren 532 Retouren pro Minute – und zwar im Jahr 2018.

Seither ist, wie bereits erwähnt, das Onlinegeschäft stark weitergewachsen. Besonders häufig werden übrigens Schuhe und Kleidungsstücke zurückgeschickt. Sie machen fast die Hälfte der Retouren aus. Die Rücksendungen verursachen rund 238.000 Tonnen CO2-Äquivalente, berechneten die Forscher für 2018. Das entspricht in etwa der Umweltwirkung von täglich 2.200 Autofahrten von Hamburg nach Moskau (rund 4,6 Millionen Kilometer).

Und in Österreich?

Konkrete Berechnungen gibt es nicht. Allerdings ist unser Einkaufsverhalten durchaus mit jenem der Deutschen vergleichbar. Zieht man den gerne verwendeten Faktor 10 heran (Deutschland hat in etwa 10-mal so viele Einwohner wie Österreich), würde das bedeuten: Auf die heimischen Retouren entfallen negative Umwelteffekte von täglich rund 220 Autofahrten von Hamburg nach Moskau (rund 460.000 Kilometer).

Übrigens: Retouren kosten Geld. Geld, das nicht die Händler, sondern wir Konsumenten zahlen. Laut Björn Asdecker von der Uni Bamberg verursacht ein retournierter Artikel im Durchschnitt Kosten in Höhe von rund 11 Euro. „Dieses Geld ist bereits im Verkaufspreis mit einkalkuliert. Der Käufer bezahlt somit die Retouren der anderen.“

Die Dosis macht das Gift

Die Möglichkeit, sich via Internet mit Waren zu versorgen, ist gerade in Pandemiezeiten selbstredend ein Segen. Dennoch sollte jede Bestellung vor dem Hintergrund der anderen Krise, die es zu meistern gilt, der Klimakrise, auf ihre Notwendigkeit geprüft werden. Insbesondere Kleidungs- und Schuhlieferungen, mehr aus Langeweile denn aus Dringlichkeit in Auftrag gegeben, sollten von jedem von uns zweimal hinterfragt werden.

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