KONSUMENT.AT - Onlineshopping - Hausarrest für Erwachsene

Onlineshopping

Lieferung mit Hindernissen

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KONSUMENT 12/2021 veröffentlicht: 18.11.2021

Inhalt

Lieferung nachmittags statt vormittags, ein Paket statt zwei Pakete. - Da schau her: Ein satirischer Kommentar von Michael Hufnagl.

KONSUMENT-Kolumnist Michael Hufnagl (Foto: Ela Angerer) Ich war da, war dort, war überall. Aber nirgendwo fand ich Kasterl und Tisch, die meiner Idee entsprachen. „Du musst das online bestellen“, haben sie gesagt. Also bin ich meinen Prinzipien untreu geworden und habe mich durch ein (tatsächlich erstaunliches) Kasterl- und Tisch-Sortiment geklickt. Und beides bestellt.

Ein paar Tage nach meiner Warenkorb-Befüllung erhielt ich eine Mail, wo mir die Zustellung für den Folgetag zwischen 14 und 18 Uhr in Aussicht gestellt wurde. Da ich allerdings einem Beruf nachgehe, der es mir eher nicht erlaubt, für ein paar Stunden das Büro zu verlassen, um mich daheim auf die Möbel-Lauer zu legen, vereinbarte ich nach einem Telefonat (und ausgiebiger Musikberauschung in der Warteschleife) ein Zeitfenster von 7 bis 11 Uhr. Die Verhandlungen über eine Begrenzung auf zumindest zwei Stunden scheiterten kläglich.

Hausarrest für Erwachsene

Und so saß ich um 7 Uhr in Position. Um 8.45 Uhr war noch niemand da … außer einer neuerlichen Mail. In der zu lesen war: „Lieber Paket-Empfänger!“ Was ich als Anrede sehr berührend fand. „Ihr Paket wird heute voraussichtlich zwischen 13.15 und 17.15 Uhr geliefert.“

Das war freilich nicht jene Ankündigung, die mir ein fröhliches Liedchen auf die Lippen zauberte. Erstens irritierte mich das lapidare „voraussichtlich“ – aber was ist schon fix im Leben? Und zweitens die Uhrzeit, die ich im Geschäftsgespräch adaptiert hatte. Ich wusste, was das bedeutet: Warteschleifenmusik. Aber während ich den quälenden Klängen lauschte, läutete es an der Tür. Dass ich kurz darauf mit Kasterl, aber ohne Tisch im Wohnzimmer stand, muss ich (jöö, Warteschleifenmusik!) klären. Bis dahin werde ich einatmen und ausatmen und einatmen und ausatmen. Obwohl ich es ahnen hätte müssen – immerhin stand dort „Paket-Empfänger“. Und nicht „Pakete-Empfänger“.

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