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Viagogo: teure Ticketplattform

Karten-Nepp

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KONSUMENT 6/2018 veröffentlicht: 18.05.2018

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Ganz ähnlich die Erfahrung von DI  Andreas W. „Ich habe  über die Plattform www.viagogo.at zwei Konzertkarten als Geburtstagsgeschenk für meine Tochter für das Sunrise Avenue Konzert auf der Burg Clam erworben. Zu Beginn der Buchung wurde ein Ticketpreis von je € 86,- (ohne Liefergebühr, MwSt. und Buchungsgebühr) angezeigt. Erst nach Bezahlung mit Kreditkarte musste ich allerdings feststellen, dass zu diesem Preis ein „Nennwert“ von je € 61,- hinzugerechnet wurde“

Horrende Aufpreise

Auch Lucas L. hat mit den Praktiken von Viagogo Bekanntschaft gemacht. 189 Euro sollte zunächst ein Ticket für ein Ringo Star-Konzert kosten, im Lauf des Bezahlprozesses verteuerte sich der Endpreis für zwei Tickets schließlich auf insgesamt 550 Euro. Die Höhe der Mehrkosten blieb bis zuletzt intransparent. Auch eine Kontaktaufnahme mit dem Unternehmen brachte keine Klarheit in die Angelegenheit. Mag. Maria Ecker, Leiterin des VKI-Beratungszentrums, sind solche Schilderungen wohlbekannt. „Die an uns herangetragenen Fälle ähneln einander sehr, Viagogo reagiert auch auf unsere Anfragen üblicherweise nicht.“ 

Ärger am Hahnenkamm 

Auch Veranstalter haben mit der Ticket-Plattform anscheinend ihre liebe Not. Der Anwalt des Kitzbüheler Skiclubs, Ausrichter der legendären Hahnenkammrennen, berichtet von großem Unmut von Gästen, die über Viagogo Tickets erworben haben und sich letztlich beim Veranstalter über von Viagogo nicht eingehaltene Zusagen („uneingeschränkte Sicht“, „inklusive VIP-Pass“, „Restaurant-Paket“) und überzogene Preise beschweren. Der Kitzbüheler Skiclub hat die Ticket-Plattform aufgefordert, unrichtige Tatsachen von der Website zu entfernen und irreführende Geschäftspraktiken künftig zu unterlassen. Auf eine Reaktion warten die Kitzbüheler bis heute.

Bayern München auf Distanz

Der deutsche Fußball-Rekordmeister FC Bayern München – bis 2013 noch in einer Sponsor-Partnerschaft -  geht ebenfalls auf Distanz zur Viagogo.  Die Zusammenarbeit wurde beendet. Klipp und klar teilt uns die Pressestelle mit: „ Wir stehen in keinem Kooperationsverhältnis mit Viagogo.“ Letzte Zweifel räumt die Antwort auf die Frage aus, ob Bayern Fans über Viagogo Tickets kaufen sollten. „Nein, wir raten klar davon ab.“

Künstler gegen Schwarzmarkt

Auch vom Kartennepp betroffene Künstler setzen sich mittlerweile zur Wehr. Das Kabarettistenduo Viktor Gernot und Monika Gruber hat Klage gegen Viagogo eingebracht.  "Der zentrale Vorwurf ist, dass Viagogo im Internet einen Dienst bereitstellt, wo registrierte User den Schwarzmarkt mit Karten bedienen und Viagogo eine hohe Provisionsgebühr dafür erhält", fasst deren Anwalt den Vorwurf zusammen. Auf Viagogo.at würde bis zum Fünffachen des normalen Kartenpreises verlangt. Der Anwalt vertritt die Künstleragentur Agentur Stage, die beiden Künstler und den Wettbewerbschutzverband. 

Konsumentschützer warnen

Im Umgang mit Klagen und negativer Berichterstattung hat die Ticketplattform schon Routine: Die Praktiken von Viagogo sind Konsumentenorganisationen in mehreren Ländern ein Dorn im Auge. Deutsche Verbraucherzentralen, die Stiftung Warentest, die britischen Konsumentenschützer von „Which?“ und die australische Konsumentenorganisation haben Viagogo im Visier. Gemeinsamer Nenner: Finger weg von Viagogo.
 

Mag. Maria Ecker: Lassen Sie sich nicht drängen. Sie können vom Kauf nicht zurücktreten (Foto: A.Thörisch)

Maria Ecker: "Für die meisten Onlinegeschäfte gibt es nach dem FAGG (Fern-und Auswärtsgeschäftegesetz) zwar ein Rücktrittsrecht. Doch Freizeitdienstleistungen, wie der Kauf von Veranstaltungskarten sind vom Rücktrittrecht ausgenommen. Mein Tipp: Lassen Sie sich nicht drängen. Eine Rückgabe der Karten ist nicht möglich. Eintrittskarten am besten beim jeweiligen Veranstalter kaufen. Bei Kauf über einen Kartenvermittler allenfalls vorher Preisvergleiche anstellen, da Vermittler für Ihre Tätigkeit Bearbeitungsgebühren in Rechnung stellen."

Bei Problemen wenden Sie sich bitte an: VKI-Beratung

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Kommentare

  • personalisierte Karten von Monika Gruber, Stadthalle Wien, Viagogo
    von Zuckerbäcker am 02.01.2019 um 23:47
    Hallo,
    wir sind auch "reingefallen" auf die Plattform Viagogo, und haben für 4 Tickets Monika Gruber in der Stadthalle 1368,85 € per Visa bezahlt.
    Sonst waren die Tickets ausverkauft, jedoch natürlich viel günstiger zu haben. Die Seite ist doch recht unübersichtlich u. pushend aufgebaut, dass "uns" - der Endpreis dann nicht richtig aufgefallen ist, und der Preis im Bestellverlauf etwas undurchsichtig aufgebaut wurde. (d.h. für geübte Onlineshop Käufer die sich Zeit nehmen, kein Problem, last minute Shopper ohne viel Erfahrung können da schon einmal drauf reinfallen)

    Alle Versuche, da wieder rauszukommen scheiterten - zuerst.

    Lt. Ö-Ticket wurde uns bestätigt, dass es sich um personalisierte Tickets handelt, und uns voraussichltlich kein Einlass gewährt wird, da die auf Viagogo gehandelten Tickets nicht auf uns ausgestellt sein können.

    Das wurde von uns auf der Plattform Viagogo über das Kontaktformular weitergeleitet,
    jedoch lehnte Viagogo den Rücktritt noch immer ab.

    Schlussendlich half uns jedoch das neue Datenschutzgesetz.
    Viagogo wollte nun, dass wir uns mit dem Verkäufer vor Ort vor der Veranstalltung treffen sollen,
    damit dieser uns den Einlass ermöglichen kann.
    Das wurde von unserer Seite jedoch abgelehnt, mit dem Hinweiß, daß wir die Datenweitergabe nicht erlauben. Und wirklich, die Sache wurde per Mail bestätigt, und das Geld wieder auf meine Visa Karte gutgeschrieben.

    Vielleicht hilft das noch jemanden, der so einen ähnlichen Fall hat.