Schattenarbeit: Kunde, do it yourself

Alle arbeiten mit

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KONSUMENT 1/2016 veröffentlicht: 23.12.2015, aktualisiert: 23.06.2016

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Wir schrauben selbst Möbel zusammen, zahlen per Onlinebanking und drucken Gebrauchsanleitungen selbst aus. Arbeiten, die früher Unternehmen erbrachten, erledigt nun der Kunde. Unbezahlt.

Am Anfang war‘s noch cool. Möbel selbst heimtransportieren und mit Freunden zusammenbauen – das festigt Freundschaften und vertieft die Markentreue. Seit aber die ÖBB Fahrkartenautomaten einsetzen, helfen freundliche Bahnreisende geduldig Mitreisenden, die sich nicht auskennen; führen sie am Automaten durch das Menü, helfen beim Zahlen und ersetzen so ganz nebenbei den Mitarbeiter am ÖBB-Schalter. Ähnlich das Bild bei den Banken: Filialen zu, Mitarbeiter raus und Automaten rein. Wer als Kunde den Weg zum Automaten scheut, macht zu Hause Onlinebanking. - Lesen Sie auch Kunde König: Schattenarbeit - Do it yourself 1/2016

Arbeiten, die früher das Unternehmen geleistet hat, erledigt nun der Kunde - gratis. Hier ein Beispiel von IKEA  (Bild: M.Tacha/VKI)

Arbeiten für Bank und Fast-Food-Kette

Noch gibt es keinen anerkannten Begriff für diesen Trend. Crowdsourcing, Crowdfunding sind freiwillig und treffen es nicht; Crowdworking passt schon eher, ist aber ungebräuchlich. Dieses neue Do-it-yourself sickert wie eine große, stille Flut in viele Lebensbereiche der Kunden. Egal ob Banken, Fast-Food-Ketten, Institutionen des Gesundheitswesens, Transport- und Reiseunternehmen – allerorten darf, soll, ja muss sich der Kunde an Automaten, Hotlines oder mit Video-Tutorials abmühen, sich durch FAQ ackern und in Foren informieren. Nicht zu vergessen die Selbsthilfegruppen im Gesundheitssystem. Er lernt: Mach es selbst, es hilft dir keiner. Oder er muss für Leistungen bezahlen, die früher inkludiert waren.

Schattenarbeit und Zeitfresser

Der amerikanische Autor Craig Lambert hat ein Buch verfasst mit dem Titel " Shadow Work – the unpaid, unseen jobs that fill your day “. Darin beschreibt er, wie in den USA zunehmend diverse Zusatzjobs dem Kunden die Freizeit verkürzen. Der Titel der deutschen Übersetzung ist noch schärfer formuliert: " Zeitfresser: Wie uns die Industrie zu ihren Sklaven macht ." Es geht aber nicht allein um die Industrie; der Trend betrifft viele Wirtschaftsbereiche, Firmen und Organisationen.

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Kommentare

  • IRRSINN - immer mehr zum Arbeitslosenstaat unterwegs
    von acpweg37 am 10.09.2016 um 17:02
    Schön dass sich hier auch Personen die als "Berater" auftreten zu Worte melden und alles gutheißen. Gerade diese Berufsgruppe hilft meist den unfähigsten Unpraktikern (ehemals Chefs) die Nursparpolitik (= Personalpolitik)in Unternehmen zu implementieren. Keine Arbeitsfähigen = keine Steuererbringer = NUR mehr Arbeitslose- wofür dann Führungskräfte? Braucht heute schon nicht wirklich wer da die meisten echte Blindgänger sind und sich für die kleinsten Fehlentescheidungen einen "Berater" ( mit OHNE Verantwortung)nehmen um jemanden zu haben auf den sie alles schieben können. Berater sind meistens auch "Randerscheinungen" in Unternehmen und haben meistens es selbst zu nichts gebracht ( = von Nutzen für die Volkswirtschaft). Diese "Sternschnuppen- Beratertätigkeiten" werden bei immer schlechteren Wirtschaftsdaten auch alsbaldigst entsorgt werden, da zu teuer und kaum effizient.
  • Es wird ja immer schlimmer!!!
    von Deutschefrau am 03.04.2016 um 03:24
    Der Trend komm ja sicherlich aus der army land .. leider müssen wir alle auf solchen system mit machen müssen...um tägliche lebenkosten zusparen ..Ob Handy vertrag , Flugticket .oder eine Bank Konto eröffnen solltest/müsstest du heutzutage mehrmal in den AGB von der Unternehmen gutdurchlesen ( studieren) damit du keine Fehler macht..wenn schon ..auch wenn du bei Buchungen ausversehnt eine Fehler mach kostet dir sowieso den Hotline anzurufen wenn du wirklich dringend Hilfe brauchst .. so behandelt man ein/e König/königin als Kunde im 21J hundert..
  • es beginnt im kleinen . . .
    von der besserwisser am 16.02.2016 um 21:21
    wenn ich in einem supermarkt (nicht nur lebensmittel) eine/n mitarbeiter/in nach einem bestimmten artikel frage, dann bekomme ich meist die (oder eine ähnliche) antwort: "übernächster gang" evtl. mit dem zusatz "auf der linken seite". die regale sind in der regel lang ich irre also entlang und schau - sicherheitshalber auf beiden seiten - bis ich draufkomme, dass der/die verkäufer/in die verkaufstische in der mitte mitgezählt hat und ich somit im falschen gang suche. dies ist nur ein! beispiel dafür, dass ich mir die ware im supermarkt - manches mal mühsam - selbst zusammensuchen muss. damit fängt die abwälzung der verkaufsarbeit auf den kunden an!! an das aus- und einschlichten an der kassa haben wir uns ja schon lange gewöhnt - dazu kommt noch, dass man nach der kassa oft keines der kleinen wagerln (wenn ich nur wenig einkaufe) benützen darf - man muss sie davor abgeben - ich muss also ganz flink die - oft sehr kleine - fläche nach der kassa blitzartig freimachen, da schon die ware des nächsten kunden hingeschoben wird! usw. man könnte den einkauf im supermarkt mit der arbeitsübergabe an den kunden noch weiter ausschmücken. und das ist nur eines von vielen beispielen!
  • rechnungen
    von 156469 am 17.01.2016 um 19:19

    bei a1 schenken sie dir 500 mobilpunkte damit ich mir meine rechnungen selbst ausdrücke,und sie sparen sich 12 postsendungen im jahr. super vergleich.

    +++

    A1 schickte uns zu diesem Kommentar folgende Stellungnahme:

    "Derzeit sind etwa 2,4 Millionen KundInnen von den Vorteilen der A1 Online-Rechnung überzeugt. Im Vergleich mit der Papierrechnung hat die A1 Online Rechnung jede Menge Vorteile: 

    - Alle Rechnungen der letzten 18 Monate auf einen Blick
    - Als PDF herunterladen und abspeichern
    - Übersichtliche Einzelverbindungsnachweise – für bis zu 6 Monate rückwirkend abrufen
    - Kosten- und Freieinheiten abfragen
    - Sofort nach Rechnungserstellung erhalten Kunden eine Nachricht per SMS oder E-Mail
    - Verfügbarkeit der Rechnung ab dem Tag der Erstellung – keine langen Postwege
    - Uneingeschränkte Akzeptanz vom österreichischen Finanzamt beim Vorsteuerabzug
     
    Mit der Online-Rechnung leisten Kunden und A1 außerdem einen Beitrag zum Schutz der Umwelt. Weil sich die Kunden für die Online Rechnung entschieden haben, konnten wir im Jahr 2015 die Co2 Emissionen 2015 um 46.109 kg CO2 senken und so 0,46 Hektar Wald (fast ein ganzes Fußballfeld) retten. Natürlich gibt es auch weiterhin die Möglichkeit, die Papierrechnung zu erhalten."

    Anm. der Redaktion:
    Wir baten A1 am 4.4.2016 auch noch folgende Frage zu beantworten: Wie hoch sind die Einsparungen pro Jahr, die das Unternehmen durch den Wegfall von Porto, Papier und Arbeitsaufwand erwirtschaftet?

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