KONSUMENT.AT - Smart Meter - Preise nach Nutzungsintensität

Smart Meter

Intelligente Stromzähler?

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 25.01.2019, aktualisiert: 25.04.2019

Inhalt

Herr Eigenbauer, Ihre Behörde will in den nächsten 2 Jahren eine Neugestaltung der Netzentgelte verordnen. Konsumenten, die gleichmäßig Strom beziehen, sollen ihn billiger bekommen, diejenigen mit Lastspitzen teurer. 

Eigenbauer: Bis jetzt haben wir im Haushaltsbereich eine Systematik, die, anders als in Industrie und Gewerbe, zwischen Leistung und Energie nicht unterscheidet. Leistung bedeutet: Wie schnell zieht man Energie in einem Zeitfenster aus dem Netz. Es ist nicht irrelevant, ob man die gleiche Menge Energie innerhalb von einer halben Stunde oder 24 Stunden bezieht.

Strempfl: Eine Schnellladestation fürs E-Auto ist das beste Beispiel. Hier ist die Netzinanspruchnahme deutlich höher, als wenn ich das E-Auto langsam, über mehrere Stunden belade – bei unterm Strich gleicher Energiemenge.

Eigenbauer: Eine Schnellladestation zieht gleich viel Leistung wie fünf Haushalte. Es braucht im künftigen Zusammenspiel von den Millionen Einspeisern und Beziehern eine zweite Preiskomponente, die die Netzauslastung reflektiert. Derjenige, der schnell zieht, hat einen höheren Netzinfrastrukturbedarf, und soll auch entsprechend mehr bezahlen. Hintergrund ist, dass es sich so lange wie möglich mit dem bestehenden Netzsystem und Trafostationen ausgehen soll. 

Der Kunde muss sich künftig also eingehender mit seiner Art und Weise, wie er Strom verbraucht, auseinandersetzen.

Eigenbauer: Der Kunde kommt jetzt an einen spannenden Punkt. Er hat plötzlich zwei Informationen. Was beziehe ich an Menge und was ziehe ich an Leistung. Das kann er jetzt einfach nehmen und bezahlen. Aber, weil er ja wirtschaftlich optimiert, wird er sich wohl insbesondere auch damit beschäftigen, wie schnell er Strom aus dem Netz zieht. Wir versuchen denjenigen, der rasch sehr große Mengen aus dem Netz zieht, etwas zu bremsen.

Strempfl: Wir haben zurzeit ein ungerechtes System. Das, was mit der neuen Tarifstruktur erreicht werden soll, ist, dass jeder beiträgt, im Ausmaß seiner Inanspruchnahme des Netzes. Übervorteilt soll niemand werden. Wir müssen aber mit der Veränderung des Verbrauchsverhaltens inklusive der Rückspeisung ins Netz mitgehen. Und da reden wir bei weitem nicht nur von der E-Mobility. In Österreich werden immens viele Wärmepumpen installiert, es werden immer mehr Klimaanlagen in Betrieb genommen. Und wenn zudem 14 Terawattstunden Photovoltaik installiert werden sollen bis 2030, dann ändert sich physikalisch der Stromfluss massiv. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

20 bis 30 Euro pro Jahr auf oder ab soll das für den einzelnen Stromkunden bedeuten, rechnet die E-Control vor.

Eigenbauer: Korrekt. Aber für jemanden, der regelmäßig seinen Tesla mit Schnellladestation auflädt, stimmen diese Werte nicht. Da sind wir bei anderen Zahlen ...

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Kommentare

  • Sauna
    von kellnka am 15.04.2019 um 11:01
    Ich habe seit Jahrzehnten eine Sauna, mit der ich mit der vereinbarten Netzbereitstellung mit Netz NÖ von 4 kW vollkommen das Auslangen finde. Nun soll ich aufgrund des Smart Meters dafür 50 €/ J mehr zahlen, obwohl sich NICHTS an meiner Abnahme ändert und ich keinerlei Netzausbau verursache..Sollte das so sein, werde ich den Smart Meter ablehnen.
  • Datenübertragung Smartmeter
    von poetzi am 01.04.2019 um 08:20
    Wir haben so ein gerät schon seit Jänner: Die Daten werden nicht im 1/4-Stunden Takt übertragen sondern nur im 1/4-Stunden Takt erfasst, d.h die Messwerte werden meist erst in der Nacht oder am nächsten Tag gesendet, manchmal dauert es sogar mehrere Tage. Wenn man seine Zustimmung zu den 1/4-Stunden Werten nicht gibt, dann gibt es nur Tageswerte (was die Standardeinstellung ist!). Eine Datenübertragung alle 15 Minuten wäre für die Netzanbieter wohl ein unnötiger Aufwand, das Interesse an einem einzelnen Haushalt ist zu gering, außerdem können sie an jedem Verteiler sowieso mitmessen, wenn sie wollen. Ich sehe für mich den Vorteil, dass ich jetzt mit dem geeigneten Anbieter meinen Strompreis jede Stunde angepasst bekomme und somit den Strom zu günstigen Zeiten beziehen kann.
  • Smart Meter
    von hergey am 27.03.2019 um 12:09
    Am 11.01.2019 erschien der Rechnungshofbericht zum Smart Meter.
    Ihr Tischgespräch ist mit 25.01.2019 datiert. Warum wird der RH-Bericht dabei mit keinem Wort erwähnt? Auch seither keine Silbe darüber im VKI-Magazin. Staatlich verordnete Obsoleszenz für Millionen Ferraris-Zähler!
  • Eigenen Datensatz auslesen?
    von Gloxer am 02.02.2019 um 14:56
    Ich nehme an es funktioniert, aber wie???

    ich möchte aus der Ferne meinen Energieverbrauch (inkl. Historie) auslesen können, graphische Darstellung (App?)

    Wäre auch schön, wenn ich einen Alarmschwellwert setzen könnte, z.B.:

    Ein frei wählbarer Leistungsschwellwert wird über eine frei wählbare Dauer hinweg überschritten (z.B. Dachrinnenheizung oder Frostschutzheizung schaltet sich nicht ab, etc.)

    Nur unter solchen oder ähnlichen Voraussetzungen kann ich mir vorstellen, damit auch Energie einsparen zu können, bitte gerne andere Beispiele nennen!
  • Geringer Stromverbrauch vs Wohnungsbedürfnis
    von ling am 01.02.2019 um 11:22
    @Fogerty:
    "Bekanntlich kann man seine Wohnung verlieren, wenn kein dringendes Wohnungsbedürfnis besteht. Hat jemand einen sehr geringen Stromverbrauch, kann das in diese Richtung interpretiert werden."

    So einfach ist das nicht. Dann müssen Sie (bzw der Wohnungseigentümer) mir zuerst erklären, worin die Diskrepanz zwischen einem (sehr) geringen Stromverbrauch und einem dringenden Wohnungsbedürfnis bestehen soll. Nur beispielhaft:

    Heizung (nicht unbedingt Strom)
    Körperpflege (berufsbedingt nicht unbedingt zu Hause) - viele Dienstnehmer haben die Möglichkeit dies am Arbeitsplatz zu erledigen und tun es auch
    Mahlzeiten einnehmen (ich muss in der eigenen Wohnung weder frühstücken, zu Mittag/Abend essen und verbrauche daher zur Zubereitung keinen Strom)
    Auch die Beleuchtung kann ich auf das Notwendigste beschränken, bei den heutigen Leuchtmitteln fallen überdies nur geringe Kosten an
    TV/Radio/PC/Notebook - auch wenn Sie es nicht für möglich halten, es gibt immer noch Menschen ohne diese Geräte in der Wohnung. Auch Bücher kann man noch kaufen...