Huawei-Smartphones: Neukauf verschieben

Künftig keine Google-Apps

Seite 1 von 1

veröffentlicht: 23.05.2019, aktualisiert: 03.06.2019

Inhalt

Steht der Neukauf eines Handys an und haben Sie an ein Huawei- oder Honor-Modell gedacht? Dann warten Sie – wenn möglich – noch ein bisschen. Eventuell hat eine politisch motivierte Entscheidung Auswirkungen auf sämtliche Geräte des chinesischen Herstellers.

Nachtrag vom 3. Juni 2019: Huawei Austria hat mittlerweile für die österreichischen Kunden die wichtigsten Informationen zusammengestellt: www.huaweimatters.com/at

Was dahintersteckt

Huawei hat sich mit seinen Smartphones innerhalb weniger Jahre auf den zweiten Platz hinter Samsung hochgearbeitet und auch seine Zweitmarke Honor gut positioniert. Zugleich gilt der Konzern als Lieferant mit dem günstigsten Preis-Leistungs-Verhältnis für jene Technologie, die für den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G notwendig ist. Während etwa Deutschland und Österreich keine Bedenken gegenüber Huawei haben, erheben die USA schon seit Längerem Spionagevorwürfe. Die Chinesen würden mithilfe der von ihnen gelieferten 5G-Ausrüstung westliche Staaten ausspionieren, heißt es, und von der chinesischen Regierung kontrolliert.

Beweise fehlen

Diese Verdächtigungen (denn handfeste Beweise fehlen bisher) und der schwelende Handelskonflikt mit China hat die US-Regierung dazu veranlasst, Maßnahmen gegen Huawei zu ergreifen. Die könnten nun nicht nur den Konzern und die chinesische Wirtschaft treffen, sondern indirekt alle Besitzer eines Huawei- oder Honor-Smartphones.

Nationaler Notstand

Präsident Donald Trump hat in der Telekommunikationsbranche den nationalen Notstand ausgerufen und die Nutzung von Technologien untersagt, welche die Sicherheit der USA gefährden könnten. Seither befindet sich Huawei auf einer schwarzen Liste des US-Handelsministeriums. Amerikanische Firmen dürfen den dort genannten Unternehmen nur noch mit Sondergenehmigung der Regierung Technologieprodukte abnehmen oder liefern. Auch der IT-Konzern Google hat rasch darauf reagiert und die Kooperation mit Huawei beendet.

Weitreichende Folgen

Das bedeutet: 

  • Huawei wird nicht mehr mit der von Google lizenzierten Version des Betriebssystems Android beliefert. 
  • Auf den Huawei-Smartphones laufen künftig keine Google-Apps (Chrome, Google Maps, Gmail, YouTube etc.) mehr.
  • Der Zugriff auf den Google Play Store wird nicht mehr möglich sein. 

Kurz: Zukünftige Huawei- und Honor-Modelle werden vieles von dem nicht mehr bieten können, was Millionen von Android-Nutzern schätzen und was den durchschlagenden Erfolg dieses Betriebssystems ausmacht.

Keine Einschränkungen, keine Ansprüche

Huawei-Smartphones, die bereits in Betrieb sind oder aktuell in den Geschäften liegen, sind von den Beschränkungen (noch) nicht betroffen. Soweit derzeit abschätzbar ist, können Kunden sie in vollem Umfang weiterverwenden und werden auch sicherheitsrelevante Updates erhalten. Wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind, werden Smartphone-Besitzer wohl auch keinen rechtlichen Anspruch haben, Ihre Huawei-Geräte zurückzugeben.

Betriebssystem-Update ungewiss

Allfälllige Updates des Betriebssystems (die aber immer schon nur für ausgewählte, meist höherpreisige Geräte zur Verfügung gestellt wurden) werden allerdings nicht mehr ausgeliefert werden können. Das stellt im Laufe der Zeit dann doch einen gewissen Nachteil dar, weil man etwa auf die kommende Android-Version 10, genannt „Q“, und ihre neuen Funktionen verzichten muss. Andererseits: Smartphones haben ohnehin eine beschränkte Lebensdauer. Das relativiert die Sache etwas. Die USA haben die Maßnahmen gegen Huawei insofern gelockert, als das Unternehmen noch bis 19. August Zeit hat, die aktuell in Betrieb befindlichen Smartphones mit Updates zu versorgen. Dadurch besteht sogar noch die Chance, dass zumindest einige Modelle mit Android Q versorgt werden.

Gut überlegen …

Trotzdem scheint ein Neukauf derzeit nicht ratsam. Falls doch muss man sich der genannten Update-Einschränkungen bewusst sein. Bei den neu aus der Huawei-Fabrik gelieferten Modellen wird es irgendwann einen Schnitt geben. Ab einem noch nicht genau bekannten Zeitpunkt (möglicherweise im Herbst 2019) wird Huawei dann eine eigene, auf dem frei verfügbaren Android basierende Version des Betriebssystems vorinstallieren, der aber sämtliche Google-Dienste und der Play-Store-Zugang fehlen. Zwar gibt es alternative App-Stores bzw. könnte Huawei selbst sein App-Angebot ausweiten, für die durch Vielfalt und Komfort von Google verwöhnten europäischen Nutzer ist dies allerdings nur zweite Wahl. Denn dort sind weit verbreitete Apps wie Facebook oder WhatsApp gleichfalls nicht erhältlich.

… oder abwarten

Andere Möglichkeiten für den Smartphone-Kauf sind klarerweise die Entscheidung für einen anderen Hersteller oder das Abwarten. Denn die amerikanischen Maßnahmen gegen ein bedeutendes Unternehmen werden von China wohl nicht auf Dauer ohne Reaktion bleiben. Von der unberechenbaren Sprunghaftigkeit der Trump-Regierung ganz zu schweigen.

Lesen Sie auch: Handys im Test

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
3 Stimmen
KONSUMENT-Probe-Abo