KONSUMENT.AT - Zimt bei Diabetes - Gesundheitsschädliches Cumarin

Zimt bei Diabetes

Senkt Zimt den Blutzuckerspiegel?

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KONSUMENT 12/2018 veröffentlicht: 22.11.2018

Inhalt

Unterstützt Zimt bei Diabetikerinnen und Diabetikern eine "natürliche" Blutzuckerregulierung?

Beweislage: niedrig. Die zusammengefassten Ergebnisse bisheriger Studien zeigen, dass Zimt den Blutzuckerspiegel bei Diabetikerinnen und Diabetikern wahrscheinlich nicht beeinflusst. 

KONSUMENT Fakten-Check Medizin: wissenschaftliche Beweislage niedrig (Bild: VKI)

Zimt und Zucker – sie veredeln Zimtsterne und Glühwein genauso wie Apfelstrudel und Grießbrei. Doch manche denken bei der Kombination aus Zimt und Zucker nicht nur an süß-aromatische Speisen und Getränke. Zimt soll Diabetikern helfen, den Blutzuckerspiegel zu senken. Das behaupten zumindest viele Internetseiten, die Zimtkapseln als gesundheitsförderndes Nahrungsergänzungsmittel für eine „natürliche“ Blutzuckerregulierung bewerben. 

Langfristige Wirkung: nicht untersucht

Insgesamt konnten wir elf einigermaßen aussagekräftige Studien zum Thema finden, die wir analysiert haben. Ergebnis: Zimt kann den Blutzuckerspiegel von Diabetes-Betroffenen wahrscheinlich nicht günstig beeinflussen, sprich: senken. Die Studien haben qualitative Mängel und liefern zudem nur Daten über eine Dauer von zwei bis vier Monaten. Eine langfristigere Wirkung von Zimt wurde bisher nicht untersucht. Es lässt sich also nicht völlig ausschließen, dass Zimt über einen längeren Zeitraum doch noch eine gewisse Wirkung zeigen könnte. Ebenfalls keine Daten gibt es zu möglichen unerwünschten Wirkungen, die durch die regelmäßige Einnahme von Zimt entstehen könnten. 

Zimt: nur in Maßen

Cassia-Zimt ist die bei uns am häufigsten erhältliche Zimtart. Sie enthält gesundheitsschädliches Cumarin. Dieser Stoff kann in höheren Mengen Leberschäden verursachen. Fachleuten des Bundesinstituts für Risikoforschung in Deutschland zufolge sollte eine erwachsene Person mit 60 Kilo auf Dauer nicht mehr als zwei Gramm Cassia-Zimt pro Tag essen. Das entspricht etwa einem gestrichenen Teelöffel Zimtpulver.
Blutzucker und Zimt - Wie ist die Beweislage? (Bild: Snowbelle/shutterstock.com)
Für eine 90 Kilo schwere Person wäre demnach eine tägliche Menge von bis zu drei Gramm unbedenklich. Die in den Studien untersuchte Zimt-Dosis reicht von 0,5 bis 6 Gramm pro Tag, übersteigt teilweise also den als sicher geltenden Grenzwert für die Langzeitaufnahme deutlich. Für Kinder ist im Übrigen bereits eine deutlich geringere Zimtmenge bedenklich. Bei einem Kleinkind mit 15 Kilo wäre die tägliche Obergrenze bereits bei 0,5 Gramm erreicht. Der teurere Ceylon-Zimt enthält im Gegensatz zu Cassia-Zimt kaum Cumarin. 

Diabetes: Risiken und Folgen

Diabetes ist eine häufige Stoffwechselkrankheit. Sie führt dazu, dass der Blutzuckerspiegel erhöht ist. Etwa 9 von 10 Betroffenen haben Diabetes vom Typ 2. Diese Diabetesart wird auch als „Altersdiabetes“ bezeichnet, sie kann aber genauso in jungen Jahren auftreten. Es gibt mehrere Faktoren, die das Risiko erhöhen, an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Dazu gehören unter anderem Übergewicht und zu wenig Bewegung, Rauchen und eine einseitige Ernährung. 

Der seltenere Typ-1-Diabetes hingegen tritt meist schon in der Kindheit oder Jugend auf und hat andere Ursachen. Eine Diabetes-Erkrankung kann gravierende Folgen haben. Sie reichen von schwer heilenden Wunden an den Beinen bis zu Nervenschäden und Nierenproblemen. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall ist erhöht.

Lesen Sie mehr: Zimt: Wirkung gegen Diabetes unwahrscheinlich

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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