Chlorhexidin gegen Karies?

Mundspülungen und Zahngele

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KONSUMENT 4/2018 veröffentlicht: 22.03.2018

Inhalt

Wirken Mundspülungen und Zahngele mit Chlorhexidin gegen Karies? Es gibt keine aussagekräftigen Studien, die eine Anti-Karies-Wirkung belegen.

Die bisherigen Studien reichen nicht aus, um die Anti-Karies-Wirksamkeit von Mundspüllösungen und Zahngelen mit Chlorhexidin zu belegen.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

Wie Karies entsteht

Mindestens zweimal täglich Zähne putzen – so empfehlen es Zahnärztinnen und Zahnärzte. Wer auf eine ordentliche Zahnpflege achtet, senkt sein Kariesrisiko deutlich. In Österreich leidet praktisch jeder Erwach­sene und jedes dritte Kind unter Karies. Regelmäßiges Zähneputzen schützt vor Karies. Dabei werden Zahnbeläge entfernt. Diese entstehen dadurch, dass Bakterien im Speichel zuckerhaltige Nahrungsreste zersetzen. Während dieses Prozesses werden Säuren produziert, die den Zahnschmelz angreifen. So kommt es zu den gefürchteten Löchern (Karies) in den Zähnen.

Chlorhexidin wirkt gegen Entzündungen

Neben Zahnbürste und Zahncreme werden zur Kariesprophylaxe in Drogerien und Apotheken auch Mundspülungen oder Zahngele mit Chlorhexidin angeboten. Den Wirkstoff gibt es auch als Lack, den Zahnärztinnen und Zahnärzte direkt auf die ­Zähne auftragen.

Chlorhexidin wirkt gegen Entzündungen und hemmt das Wachstum von Bakterien. Es wirkt unter anderem gegen Strepto­coccus mutans, der als einer der Haupt­erreger der Karies gilt. Damit erscheint es zumindest theoretisch möglich, dass die zusätzliche Verwendung von Chlorhexidin in verschiedenen Formen das Kariesrisiko weiter senken könnte. Doch ist dies auch wissenschaftlich bewiesen?

Schutz vor Karies fragwürdig

Wir fanden keine Studien, in denen die ­Heimanwendung von Chlorhexidin-Mundspülungen und Chlorhexidin-Gelen untersucht wurde. Wissenschaftliche Arbeiten liegen ausschließlich zu Chlorhexidin-­Lacken vor, wie sie in ärztlichen Ordina­tionen zum Einsatz kommen. Sie deuten darauf hin, dass Chlorhexidin bei Erwachsenen entweder gar nicht oder nur in einem sehr geringen Maß vor Karies schützt.

Für die Anwendung von Chlorhexidin-Pro­dukten bei Kindern ist die Datenlage noch schlechter als bei Erwachsenen. Es gibt zwar ­mehrere Studien, in denen Chlorhexidin-Gel und -Lack zur Kariesvermeidung erforscht wurde, diese sind aber durchweg von schlechter Qualität und kommen zu ­widersprüchlichen Ergebnissen.

Unerwünschte Wirkungen kaum erforscht

Auch mögliche unerwünschte Wirkungen derartiger Präparate sind kaum erforscht. Bekannt ist, dass eine vorübergehende Verfärbung der Zähne und der Zunge auftritt. Darüber hinaus kann es zu Geschmacks­störungen sowie zu einem Abschuppen und zu Entzündungen der Mundschleimhaut kommen. In sehr seltenen Fällen sind auch allergische Reaktionen auf Chlor­hexidin möglich.

­Fluorid, Xylit und Hydroxylapatit

Außer Chlorhexidin gibt es noch weitere Substanzen, die als Wirkstoffe in Zahncremen, Gelen, Mundspülungen und anderen Produkten gegen Karies enthalten sind. Während der Anti-Karies-Nutzen bei ­Fluorid gut belegt ist, ist er für Xylit und Hydroxylapatit fraglich.

Lesen Sie mehr unter:  www.medizin-transparent.at/chlorhexidin-karies

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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