Wechseljahr-Beschwerden

Hitzewallungen

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KONSUMENT 9/2015 veröffentlicht: 27.08.2015

Inhalt

Haben pflanzliche Hormone auf Anzahl und Intensität von Hitzewallungen während der Wechseljahre einen günstigen Einfluss?

Wir sagen: Es ist unklar, ob pflanzliche Hormone (Phytoöstrogene) bei Hitzewallungen helfen können. Vorliegende Studien sind oft von bescheidener Qualität und lassen kein Urteil zu.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Hitzewallungen

Mit Hitzewallungen machen die meisten Frauen während der Wechseljahre Bekanntschaft. Sie breiten sich ausgehend von Brust, Gesicht oder Nacken über den Körper aus. Die Beschwerden können sich auch als nächtliche Schweißausbrüche äußern und den Schlaf empfindlich stören. Die Schübe können sehr intensiv sein und häufig wiederkehren. Kein Wunder, dass sie von vielen betroffenen Frauen als einschränkend und belastend empfunden werden.

Nebenwirkungen der Hormonersatztherapie

Lange Zeit galten vom Arzt verschriebene synthetische Hormone als Mittel der Wahl gegen Hitzewallungen. Auch wenn diese sogenannte Hormonersatztherapie gut wirkt, aufgrund ihrer Nebenwirkungen ist sie umstritten. Künstliche Hormone erhöhen das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken oder einen Herzinfarkt zu erleiden.

Pflanzliche Mittel meist ohne Nebenwirkungen

Viele Frauen greifen zur Linderung von Hitzewallungen deshalb auf pflanzliche Mittel zurück. Diese Phytoöstrogene kommen zum Beispiel in Sojabohnen und anderen essbaren Pflanzen wie Rotklee und Traubensilberkerze vor. In konzentrierter Form stecken die Pflanzensubstanzen auch in Nahrungsergänzungsmitteln, entweder einzeln oder kombiniert mit anderen Substanzen. Die rezeptfreien Präparate gelten als sicher, sanft und frei von Nebenwirkungen. Diese Pflanzensubstanzen lösen ähnliche Effekte aus wie die vom menschlichen Körper produzierten Hormone. Allerdings wirken sie deutlich schwächer.

Widersprüchliche Studienlage zu Phytoöstrogenen

Fraglich ist, ob beziehungsweise ab welcher Dosis und Therapiedauer sie überhaupt eine spürbare Wirkung hervorrufen können. Hinzu kommt, dass Wirksamkeit und Sicherheit der nicht unbedingt preisgünstigen Präparate nicht besonders gut erforscht sind. Auf Basis der aktuellen und teilweise widersprüchlichen Studienlage lässt sich nicht sagen, ob Phytoöstrogene die Häufigkeit und Intensität von Hitzewallungen und Schweißausbrüchen reduzieren können. Einzig für Genistein, ein Phytoöstrogen aus der Gruppe der Isoflavone, liegen bessere Daten vor. In höherer Dosierung scheint Genistein die Häufigkeit von Hitzewallungen günstig zu beeinflussen.

Soja-Substanzen können Gesundheitsrisiko darstellen

Frauen, die an einer Brustkrebserkrankung leiden oder litten, wird von einer Einnahme der pflanzlichen Hormone abgeraten. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) steht der Einnahme von isolierten und hoch dosierten Phytoöstrogenen aus Soja kritisch gegenüber. Die Experten schlossen in einer Stellungnahme von 2007 nicht aus, dass isolierte und hoch dosierte Soja-Substanzen unter Umständen ein gewisses Gesundheitsrisiko darstellen und möglicherweise etwa Brustkrebs fördern können.

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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