KONSUMENT.AT - Jö-Bonusclub: Unerlaubte Datennutzung? - Profiling bei JÖ-Teilnehmern?

Jö-Bonusclub: Unerlaubte Datennutzung?

"Profiling" für Werbezwecke

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veröffentlicht: 03.08.2021

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Die österreichische Datenschutzbehörde sieht einen Verstoß gegen die Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). 2,3 Millionen Kunden sind betroffen, eine Millionenstrafe steht im Raum. Wer gehen will, kann das freilich jetzt schon tun.

Eine Strafzahlung in Höhe von zwei Millionen Euro verlangt die Datenschutzbehörde in einem noch nicht rechtskräftigen Urteil vom Jö-Bonusclub. Dies berichtet die Tageszeitung „Der Standard“ in ihrer Ausgabe vom 3. August. Der Grund liegt in einem vermuteten Verstoß gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO). 2,3 der rund 4 Millionen Jö-Mitglieder hätten via Folder oder online einer sehr weitreichenden Nutzung ihrer Daten zum sogenannten „Profiling“ für Werbezwecke zugestimmt.

Mai 2019 bis März 2020

Dies geschah im Zeitraum Mai 2019 bis März 2020. Danach sei die unklar gestaltete Einwilligungserklärung zwar für Neukunden geändert worden. Die Daten der 2,3 Millionen Betroffenen seien aber, so der Vorwurf der Behörde, trotzdem ungefragt weiterverwendet worden. Wie die APA berichtet, hat Jö mittlerweile beim Bundesverwaltungsgericht gegen den Bescheid Berufung eingelegt.

Konsequenzen

Reagiert hat Jö inzwischen auch in der Form, dass die weitere Auswertung der besagten 2,3 Millionen Kundendaten ausgesetzt wurde. Laut APA bedeutet dies, dass diese Kunden zwar weiterhin Bonuspunkte sammeln und einlösen könnten, darüber hinaus aber vorerst keine auf ihrem Einkaufsverhalten basierenden, persönlichen Angebote erhalten würden. Nicht davon betroffen sind laut APA jene Jö-Mitglieder, die sich über die App oder digital bei den Rewe-Partnern angemeldet hätten.

Auskunftspflicht

VKI-Datenschutzexperte Wolfgang Schmitt verweist auf das in der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) festgeschriebene Recht auf Auskunft. Ein formloses Schreiben bzw. E-Mail genügt, um Informationen über die beim jeweiligen Unternehmen gespeicherten persönlichen Daten zu erhalten. So kann man auch überprüfen, ob man selbst die betreffende Einwilligung zum Profiling erteilt hat. Die entsprechende (E-Mail-)Adresse findet man in der Datenschutzerklärung des Jö-Bonusclubs. Genauso hat jeder, der eine Jö-Bonuskarte besitzt, das Recht, eine bereits erteilte Einwilligung zur Datenverarbeitung zu widerrufen. Dies hat auf die Verwendbarkeit der Karte keinen Einfluss.

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Kommentare

  • @Grouper
    von Mnemosyne am 15.08.2021 um 17:07
    Fundierte Kritik ihrerseits, Respekt!

    Zum zweiten Punkt: Ja, tue ich. Habe ein custom rom installiert.
  • @Mnemosyne
    von Grouper am 14.08.2021 um 07:19
    Viel Meinung aus dem Bereich Gschichtlerzählen, wenig Fakten. Mit dieser Art von "Kritik" bringt man Niemanden dazu, auf derartige Karten zu verzichten.

    Hoffentlich passen Sie bei der Verwendung Ihres Smartphones auch so gut auf, daß Ihre Daten nicht mißbräuchlich verwendet werden.
  • Und der Himmel ist blau
    von Mnemosyne am 04.08.2021 um 21:29
    Man muss sich schon wundern, dass erst nach über einem Jahr die Kritik an der Überwachungsclubkarte wächst. Die Datenschutzaktivistin Katherine Albrecht hat in ihren 2004 erschienen Vorträgen bereits darauf hingewiesen, wie alt das Konzept der Vorteilskarten schon ist und zu dem Zeitpunkt war bereits bekannt, wie invasiv die Überwachung des Konsumverhaltens mit solchen Karten möglich ist. Anders als es der Name suggeriert, können diese aber potenziell zum Nachteil des Besitzers werden. Beispielsweise können Kunden, die häufig preisreduzierte Waren kaufen (-50%, -25%) mittels Profiling mit Attributen versehen werden (geizig, geringes Einkommen) und ihnen auf diese Art Boni vorenthalten werden.

    Die Erfahrung hat gezeigt, dass die Unternehmen mit dem, was sich hinter den Kulissen abspielt, nicht sonderlich offen umgehen. Man wartet also einfach auf den nächsten Skandal, bis derlei Taktiken zutage treten. Mit wem die Daten übrigens geteilt werden, ist immer noch nicht eindeutig klar.

    Hinter dem euphemistischen Namen der "Vorteilsclubkarte" verbirgt sich in Wahrheit eine Zwei-Klassen-Behandlung: Wer es ablehnt, dass seine Daten vom Supermarkt verarbeitet werden, bekommt schlichtweg einen TEUREREN Preis. Die Kunden mit einer Karte erhalten hingegen den Normalpreis der Ware und nicht etwa besonders günstige Angebote.

    Von einer ehemaligen Supermarktangestellten habe ich erfahren, wie die "Geschenke" für Stammkunden gestaltet werden. Bei einer gewissen Supermarktkette wurden über Stickersammelheftchen Gratisprodukte als Lockmittel angeboten. Diese waren bei näherer Betrachtung Ladenhüter oder mit einem knappen Verfallsdatum versehen und allesamt im niedrigsten Preisniveau angesiedelt. Die Kundenbindung und die Verfallsdauer der Heftchen, die oft einen knappen Zeitrahmen und einen hohen Mindestumsatz voraussetzen, machen diese niedrigpreisigen "Geschenke" als Tribut für den Supermarkt vernachlässigbar.

    Auch im KONSUMENT Magazin wurde bereits festgestellt, dass Rabattaktionen im Grunde keinerlei Vorteil für den Kunden schaffen.

    Die breitflächige Integrierung von "Vorteilspreisen" ('gilt nur für Besitzer einer jÖ-Card') ist im Grunde die aggressivste Taktik, um den Preis von Produkten künstlich zu erhöhen und die Kunden zur Anschaffung einer solcher Tracking-Card zu zwingen. Was im Grunde als Zwang entlarvt werden kann, wird so nach den besten Regeln der Werbung als "Vorteilsbonus" verschleiert.

    Unter dem Begriff Marketing verstehe ich inzwischen nur noch eine offene Kriegserklärung gegen den Konsumenten. Wer im Marketing groß werden will, der verabschiedet sich von Ethik, Moral und Empathie.