KONSUMENT.AT - Rabattaktionen im Supermarkt - "Rabattitis": Langzeit-Analyse von 11 Supermarkt-Produkten

Rabattaktionen im Supermarkt

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KONSUMENT 9/2020 veröffentlicht: 24.08.2020, aktualisiert: 19.11.2020

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Unsere Langzeit-Erhebung zeigt: Rabatte und Sonderangebote suggerieren günstige Preise, verleiten aber oft bloß zum vermehrten Zugreifen. Wirklich sparen lässt sich nur durch penibles Vergleichen.

Manchmal kann es schon ein wenig nervös machen, all die guten Gelegenheiten ungenützt verstreichen zu lassen: dort eine 25-%-Aktion auf alle Bio-Produkte, da Statt-Preise für das gesamte Einkoch-Sortiment, Tiefkühlgemüse zum Schleuderpreis, jedes dritte Knabbergebäck gratis. Und Bier erst – unschlagbar günstig! So mancher fragt sich dennoch im permanenten Rabattrausch, ob da nicht irgendwo ein Haken drinsteckt.

Nebenwirkungen der Rabattitis

Die Skepsis ist berechtigt. Nachlässe auf bald ablaufende Lebensmittel sind zwar durchaus sinnvoll, die ständige Rabattitis hat aber unangenehme Nebenwirkungen. Erstens erschwert sie die Vergleichbarkeit von Preisen und hemmt somit den Wettbewerb. Zweitens – und das wiegt noch schwerer – sind Rabatte genau genommen künstliche Preisaufschläge: Um einen Nachlass gewähren zu können und trotzdem einen positiven Deckungsbeitrag zu generieren, muss der reguläre Preis (oft auch als Statt-Preis oder wissenschaftlich als Mondpreis bezeichnet) von vornherein höher angesetzt werden. Ein mieser Trick.

Zehnmonatige Marktbeobachtung

Wir haben insgesamt zehn Monate lang Flugblätter von Supermärkten ausgewertet und mit den Aktions- und Rabattangeboten in den Supermärkten vor Ort abgeglichen. Zum besseren Vergleich wurden ausschließlich Markenartikel analysiert, die bei Billa, Merkur, Penny (REWE-Konzern) und Interspar angeboten wurden. Lidl und Hofer waren auch mit im Rennen, durch das beschränkte Angebot an Markenartikeln aber nicht bei jedem Produkt.

Bei folgenden Produkten haben wir die Aktions- und Rabattangebote der Supermärkte verglichen:

  • Unsere Langzeit-Erhebung zeigt: Rabatte und Sonderangebote suggerieren günstige Preise, verleiten aber oft bloß zum vermehrten Zugreifen. Wirklich sparen lässt sich nur durch penibles Vergleichen. (Bild: Alexandra Konstantinouidi/VKI) Bier
  • Felix Ketchup
  • Iglo Fischstäbchen
  • Iglo-Gemüse (Zarte Mischung)
  • Kelly's Chips
  • Knorr Goldaugen Rindsuppe
  • Manner-Schnitten
  • Milka-Schokolade
  • Nutella
  • Nudeln (Barilla Pasta)
  • Uncle Ben's Reis

 

Alles andere als nachhaltig: Allein die wöchentlichen Postwurfsendungen von Billa, Merkur, Penny, (Inter-)Spar, Hofer und Lidl an rund 2 Millionen Haushalte ergeben jedes Jahr einen Papierturm in Höhe von rund 1.000 Kilometern.


Auch in der Langzeitanalyse dieser elf Produkten hat sich bestätigt: So manches Produkt mit Rabattpreis ist nicht günstiger als regulär bei der Konkurrenz oder nur dann, wenn man mindestens zwei Stück davon nimmt. Das führt genauso wie die 25-%- Aktionen oft dazu, dass bei Weitem mehr gekauft wird als geplant. „Mission erfüllt“, denken sich die Marketing-Strategen der Supermarktketten.

 

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Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
22 Stimmen

Kommentare

  • Ergänzung
    von Moik am 12.12.2020 um 09:27
    Andere (so wie beim Spar) Aktionen deshalb zu ignorieren, wäre schade fürs Geldbörserl. Es ist immer eine Sache des Umgangs. Einer will es, eine Andere braucht es, wieder jemand anderer interessiert es nicht, ... .
  • Rabatt ist nicht gleich Rabatt
    von Moik am 12.12.2020 um 09:23
    Die 25% Rabattpickerl sind wirklich angenehm, weil flexibel (außer der Zeitraum, aber dann gibt es ja wieder welche) einsetzbar.
    Die meisten Rabattaktionen verleiten (oder wollen verleiten) zu Mehrkäufen oder anderem. Sich von diesen Aktionen los zu sagen, ist meiner Meinung nach empfehlenswert, weil sie meist zu unnötigen Käufen verleiten und Stress machen.
    Ander
  • Rabattschlacht
    von - Observer - am 16.10.2020 um 12:28
    Das ist doch ein uralter Schmäh, die Preise entsprechend zu erhöhen, um entsprechend hohe Rabatte zu bekommen. Viele Leute bewerten Produkte nicht nach dem Endpreis, sondern nach der Höhe des Rabattes.
    Ich hatte einmal einen Kunden, der fragte nicht nach dem Preis, sondern nach dem Rabatt. Auf meine Antwort, dass er sich den aussuchen könne, reagierte er verblüfft Ich erklärte ihm, dass er mir den Rabatt sagen soll und ich sage im dann, was das Gerät brutto kostet.
    Oder ein Einkäufer einer renommierten Firma auf dem Gebiet Gabelstapler erklärte mir, dass er unter 20% Rabatt prinzipiell nicht kauft.
    Aber wie man sieht, es scheint zu funktionieren!
  • Völlig losgesagt - ein gute Gefühl
    von Moik am 18.09.2020 um 07:03
    Durch die ständigen Manipulationversuch - nicht nur der Lebensmittelverkaufsketten - habe ich beschlossen, auf die meisten Rabatte bzw.Rabattkartenz zu verzichten. Es füllt sich gut an! Ich "muss" nicht ständig schauen, wann und wo es Aktionen gibt und mit selbst damit stressen. Ich denke auch, dass ich mir dadurch viel an Geld erspare, weil ich meist nur das kaufe, was ich brauche. Sogar der Kauf des Grillkamins ohne Rabatt, der dadurch um € 10-15 Euro mehr gekostet hat, ist mir inzwischen fast egal. Die Freiheit, Einzukaufen wann, wo und wieviel ich will, erfüllt mich mit einem angenehmen Gefühl.
  • Kein Problem mit Werbesendungen
    von asbachuralt am 30.08.2020 um 12:23
    Einfach in die Robinsonliste eintragen lassen und einen Aufkleber auf den Postkasten kleben - fertig. Ich habe schon seit Jahren Ruhe vor der unerwünschten Reklameflut!