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Laudamotion: unzulässige Check-in-Gebühr

55 € für den Check-in am Flughafen sind zu viel

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KONSUMENT 4/2019 veröffentlicht: 26.02.2019, aktualisiert: 03.07.2019

Inhalt

Laudamotion verrechnet beim Standard-Tarif 55 Euro für den Flughafen-Check-in. Wir klagten. Erste und zweite Instanz erklären diese Gebühr für unzulässig. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Laudamotion: 55 € sind zuviel - wir klagten wegen der Check-in-Gebühr am Flughafen (Foto: Laudamotion/Presse)

Bei einigen Tarifen der Laudamotion GmbH, beispielsweise dem Standard-Tarif, müssen Kunden den Check-in am Flughafen extra bezahlen. Zwar ist der Online-Check-in zwischen zwei Tagen und zwei Stunden vor jedem Flug kostenlos möglich, für den Flughafen-Check-in sind 55 Euro zu zahlen.

Gezielt Gebühr erfragen

Ärgerlich: Während der gesamten Buchung zeigte Laudamotion die Höhe des Tarifs für den Flughafen-Check-in nicht automatisch an. Kunden müssen vielmehr die Tarifinformation aktiv anklicken und so die Höhe der Gebühr erfragen. Versäumen Kunden das Zeitfenster für den Online-Check-in oder mangelt es ihnen an den technischen Voraussetzungen, dieses Zeitfenster zu nutzen (z.B. kein Online-Zugang), sind sie gezwungen, den Flughafen-Check-in in Anspruch zu nehmen. 

Ungewöhnliche Extra-Kosten

Erste und zweite Instanz beurteilten diese Extra-Kosten als ungewöhnlich. Sie seien für den Kunden überraschend. Der Kunde, so meinte das Erstgericht, müsse nicht davon ausgehen, dass eine Gebühr in dieser Höhe zu erwarten sei. Vielmehr werde hier eine Gebühr für eine Nebenleistung verrechnet, die auf einfache und schnelle Weise erbracht werden könne.

VKI-Juristin Dr. Beate Gelbmann (Bild: A.Thörisch/VKI) "Gebühr in exorbitanter Höhe“

"Das Landesgericht Korneuburg spricht von einer Gebühr in exorbitanter Höhe“, ergänzt Beate Gelbmann, Leiterin der Abteilung Klagen im VKI. "Für die Kunden ist eine solche Gebühr nicht nur überraschend. Es ist für sie auch schwer nachvollziehbar, dass sie für den Check-in am Flughafen unter Umständen mehr zahlen müssen, als der Flug einer Billigfluglinie selbst kostet."

Wozu in Irland?

Die zweite Instanz, das Oberlandesgericht Wien, hat einen Abschnitt in der AGB vom als gesetzwidrig eingestuft, nach der irische Gerichte bei Streitigkeiten zwischen Laudamotion und Kunden zuständig seien. Die Klausel enthielt nach Ansicht des Gerichts mehrere unbestimmte Begriffe, die für den Durchschnittsverbraucher nicht klar verständlich sind. Ebenso wurde eine Klausel als unzulässig beurteilt, nach der irisches Recht für die Verträge zwischen Laudamotion und ihren Kunden hätte gelten sollen, falls einschlägige Gesetze nichts anderes vorschreiben.

Hier ein Auszug aus dem Kleingedruckten im Original-Wortlaut:

"Alle Passagiere müssen auf https://www.ryanair.com  / online einchecken und die Bordkarte ausdrücken und mitführen, außerhalb die Flexi Plus Tickets, die den kostenlosen Flughafen-Check In auch enthalten, bis Sie einen Mobil Bordkarte benutzen (Sie mussen die Kriteriumen einhalten, fur die Benutzung der Mobil Bordkarten, klicken Sie hier für die Bedingungen). Der Online Check-in öffnet 60 Tage vor jedem gebuchten Abflug und es schliesst 2 Stunden vor jedem gebuchten Abflug, wenn Sie Sitzplätze reservieren und bezahlen. (?) Aber wenn Sie keine Sitzplätze bezahlen möchten, können Sie den Online Check-in kostenlos zwischen 2 Tagen und 2 Stunden vor jedem Flug machen. Jede Bordkarte muss auf einer eigenen A4-Seite ausgedruckt werde oder erreichbar sein auf der Ryanair App auf dem Handy. Passagieren, die es nicht schaffen innerhalb der vorgegebenen Fristen einzuchecken (außerhalb Flexi Plus Kunden), wird die Gebühr für den Flughafen Check-in zu dem in unserer Gebührentabelle angeführten Preis verrechnet
Gebühr für den Flughafen Check-In
Nach der Buchung/ Flughafen  EUR 55
Es ist kostenlos für Business Plus Ticket."

Das Urteil gibt es im Volltext auf www.verbraucherrecht.at .

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Kommentare

  • Flugbuchung - Beweisproblem - Screenshot
    von REDAKTION am 28.03.2019 um 16:20
    Wir verstehen das so: Sie haben einen Code für ein Sonderangebot. Das Buchungssystem hat den Code nicht genommen und Ihnen den normalen Tarif verrechnet. Sie werden Ihre Ansicht nur durchsetzen können, wenn Sie beweisen können, dass Sie den Code eingegeben haben, bevor Sie auf "Buchen" klickten. Daher fordert Level einen Screenshot. Ohne Screenshot haben Sie ein Beweisproblem.

    Wir bedauern keine befriedigendere Antwort geben zu können.
    Lesen Sie mehr: http://europakonsument.at/de/content/flugreisen
    Ihr KONSUMENT-Team
  • Kreative "Nebenkosten" der Airlines
    von multitude am 25.03.2019 um 10:41
    Nicht nur Laudamotion befleissigt sich dieser "geheimen" Kosten. Ich habe vor einigen Tagen bei "Level" einen Flug gebucht. Auf der Portalseite wurde ausdrücklich mit "levelfreebag" - d. h. zum Preis bei dem man normal nur mit Handgepäck reisen kann, ist ein Aufgabe-Gepäckstück von 23kg inbegriffen. Dummer Weise nahm das Buchungssystem im Netz den Code gar nicht an und ich hätte zwar einen Koffer hinnzufgen können, das aber - entgegen der Werbung - kostenpflichtig. Seit einer Woche telefoniere bzw. korrespondiere ich mit "Level" dort weiß man von nicht und hat bereits das 3.Mal Screenshots von mir verlangt. Der Flug soll am 2. April 2019 stattfinden. Ausgang offen ....
    Was tun?