KONSUMENT.AT - Riquet Eierlikör - Österreich-Bezug: nicht zwingend nur heimische Zutaten

Riquet Eierlikör

Österreichischer Likör mit Eiern aus der EU

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veröffentlicht: 11.11.2021

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Was alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: Ein als österreichischer Eierlikör ausgelobtes Produkt sorgt mit Eiern aus EU-Landwirtschaft für Unmut. Außerdem enthält die angeblich traditionelle Rezeptur Aroma.

Das steht drauf: Riquet Eierlikör

Gekauft bei: HOFER

Das ist das Problem

Der Eierlikör von Riquet ärgert mich jedes Mal, wenn ich bei HOFER einkaufen bin“, schreibt uns eine Konsumentin. Woran das liegt? „Auf der Vorderseite ist eine rot-weiß-rote Schleife mit ‚Ein Produkt aus Österreich‘ zu sehen. Also nahm ich beim ersten Blick an, dass logischerweise auch die enthaltenen Eier aus Österreich sind. Auf der Rückseite kann man allerdings unterhalb eines Siegels lesen, dass die Eier aus ‚EU-Landwirtschaft‘ stammen“, fasst sie ihren Unmut über den Eierlikör zusammen.

Wir haben uns das Produkt angesehen. Auf der Vorderseite der Flasche ist am Etikett rund um eine Ei-Grafik „Nach traditioneller Rezeptur“ zu lesen. Die von der Konsumentin beschriebene rot-weiß-rote Schleife mit der Inschrift „Ein Produkt aus Österreich“ lobt den Eierlikör als heimisches Erzeugnis aus. Diesen Eindruck vermittelt auch der Hinweis „Hergestellt in Österreich“ mit rot-weiß-roter Fahne, die am Etikett auf der Rückseite der Flasche zu sehen ist. Laut Logo auf dem Etikett kontrolliert und zertifiziert die Firma agroVet die Herkunft der Eier.

Auf diesem Logo ist allerdings zu lesen, dass die Eier aus Bodenhaltung aus EU-Landwirtschaft stammen. Aufgrund der Aufmachung des Riquet Eierlikörs erwarten Konsumentinnen und Konsumenten aber, dass die enthaltenen Eier nicht aus irgendeinem EU-Land, sondern aus Österreich kommen.

Herkunftsangabe bei Spirituosen freiwillig

Seit 1. April 2020 unterliegt die geografische Herkunft eines Lebensmittels laut DVO (Durchführungsverordnung der EU-Lebensmittelinformationsverordnung) strengeren Vorschriften. Alle verpackten Produkte, die mit einem bestimmten Land werben, zum Beispiel mit einer österreichischen Flagge, müssen die Herkunft der „primären Zutat“ angeben, und zwar dann, wenn diese nicht aus dem beworbenen Land stammt. Spirituosen wie der Riquet Eierlikör fallen nicht in diese Regelung. Der Produzent muss die Herkunft der Eier nicht angeben. Auch dann nicht, wenn die Likörflasche eine österreichische Flagge trägt.

Damit argumentiert auch die Firma HOFER in ihrer Stellungnahme. Immerhin kennzeichnet HOFER die Herkunft der Eier freiwillig. Dennoch ist es für Konsumentinnen und Konsumenten ärgerlich, dass die namensgebende Hauptzutat des als österreichisch beworbenen Eierlikörs nicht ausschließlich aus Österreich stammt. Vor allem auch deswegen, weil frische Eier keine „exotische“ Zutat sind, sondern auch im Handel nahezu immer aus Österreich stammen.

Aroma in der „traditionellen Rezeptur“

Noch etwas ist der Konsumentin beim Riquet Eierlikör aufgefallen: In der Zutatenliste des Likörs steht an letzter Stelle „Aroma“. „Was hat Aroma in einer ‚traditionellen Rezeptur‘ zu suchen?“, fragt sie verärgert. Aroma, so die rechtlich korrekte Bezeichnung für Vanillin, sei eine im eigenen Haus hergestellte, „traditionelle“ Essenz zum Abrunden des Produkts, erfuhren wir von HOFER. Wird in einer Zutatenliste nur „Aroma“ ausgelobt, spricht dies meist für künstlich hergestellte Aromastoffe. Bei Getränken mit einem Alkoholgehalt von mehr als 1,2 Volumenprozent (außer Bier) muss kein Zutatenverzeichnis angegeben werden. Die freiwillige Angabe dieser Zutat sei eine konsumentenfreundliche Information, so HOFER. Es bleibt jedoch fraglich, wie traditionell eine Rezeptur mit vermutlich künstlich hergestelltem Aroma ist.

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