Freie Marktwirtschaft: Unbeliebt

Kommentar von M. Tacha

Seite 1 von 2

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 5/2016 veröffentlicht: 28.04.2016

Inhalt

Wir von KONSUMENT hätten die freie Marktwirtschaft nicht verstanden, meinen zwei Leser. Das sehen wir anders. - Ein "Aufgespießt" von KONSUMENT-Redakteur Manfred Tacha.

Manfred Tacha (Bild: U. Romstorfer/VKI)
E-Mail an Redakteur
Dr. Manfred Tacha

Leser Caspar F. schreibt zum Thema "Schattenarbeit“: "Zuweilen gewinnt man bei KONSUMENT und seinen Lesern den Eindruck, sie hätten die freie Marktwirtschaft nicht verstanden.“ Und Leser Günther Lettan empfiehlt: "Die Freiheit des Kunden besteht darin, bei Unternehmen, die nicht nach seinem Geschmack sind, nicht zu kaufen. Dies ist den Leuten scheinbar nicht bekannt." (Lesen Sie mehr unter Schattenarbeit: Leser berichten 5/2016 .)

Tests fördern Marktwirtschaft

Wir von KONSUMENT haben die freie Marktwirtschaft verstanden; wir sind für die freie und soziale Marktwirtschaft. Gerade wir fördern sie ganz besonders. Freie Marktwirtschaft beruht unter anderem darauf, dass Informationen zu Preis und Qualität für alle zugänglich sind, also auch für die kleinen Kunden. Mit unseren Artikeln, Tabellen und vergleichenden Warentests geben wir Kunden harte Fakten, damit sie die besten Anbieter am Markt ausfindig machen können. Diese Veröffentlichungen mögen aber viele Unternehmen gar nicht (Testsieger ausgenommen). Gerade weil wir mit unserer Aktion Energiekosten-Stop für mehr Wettbewerb und niedrigere Preise bei Strom und Gas sorgten, bekamen wir massiv Ärger.

Unternehmen mögen Marktwirtschaft nicht

Die freie Marktwirtschaft findet in der Praxis nicht so statt, wie die Theorie es vorsieht. Viele Unternehmen treten die freie Marktwirtschaft mit Füßen. Anders wären etwa die vielen illegalen Preisabsprachen nicht erklärbar ( Kartelle: Preisabsprachen 4/2015 ). Anders wäre die mangelhafte Grundpreisauszeichnung nicht erklärbar ( Grundpreisauszeichnung 5/2016 ). - Freie Marktwirtschaft bedeutet auch, dass Firmen Einsparungen an die Kunden weitergeben.

Wer profitiert von der Arbeit des Kunden?

Die Gratisarbeit der Kunden im Selbstbedienungsrestaurant, die Gratisarbeit der Kunden am Bank-Automaten, beim Selbst-Check-in am Flughafen, das Ausdrucken von Rechnungen und Gebrauchsanleitungen am privaten Drucker der Kunden – wer profitiert vom Wert dieser Arbeit? Geht dieses Geld an die Mitarbeiter durch höhere Gehälter? An die Lieferanten durch bessere Preise? An Aktionäre, Eigentümer oder Finanzminister? Oder zurück an die Kunden durch niedrigere Preise?

Kunden sagen: "Billiger wird nichts"

Unsere Leser sagen: Banken, Post und Bahn vergattern Kunden zur Gratisarbeit und "billiger wird nichts“. Bleibt nur, den Anbieter zu wechseln. Aber wo ist die Bank, die mehr persönliches Service zu geringerem Entgelt anbietet?

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
4 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Freie Marktwirtschaft und Konsumenten
    von Malowan80 am 01.06.2016 um 15:13
    Freie Marktwirtschaft wird vom Grundsatz nie zu verbesserten Bedingungen für Arbeitnehmer und zu Vorteilen für Konsumenten führen. Es gelten zwei Ziele, die unerreichbar sind und daher nie zu Zufriedenheit führen (können). 1.) wird es nie schnell genug sein können bei Prozessen betreffend Arbeitnehmer, 2.) Gewinne, bzw. Profite können nie hoch genug sein. Das ist die Realität und wir sollten sie uns immer wieder in Erinnerung rufen. Norbert Hüttel
  • Kunsumverweigerung - gerne, aber wie?
    von ling am 10.05.2016 um 07:24
    @Retro: Theoretisch haben Sie Recht, praktisch hätte ich gerne ein Beispiel, an dem Sie "Konsumverweigerung" praktisch darlegen könnten. Solange "billig" vor "preiswert" kommt und grundsätzlich das Einkommen kaufentscheindend ist, wird sich das nicht realisieren lassen. Der Durchschnittshaushalt verfügt eben nicht über Managereinkünfte. Warum boomen Bioprodukte? Bestimmt nicht, weil sie sooo gesund sind und "kontrolliert" hergestellt werden, sondern sie sind einfach erschwinglich geworden. Und warum? Weil es sie mittlerweile in Massen gibt... Das Beispiel mit dem Bankkonto hinkt auch etwas. Natürlich kann man - globale - Bankomatgebühren nicht vermeiden (außer man hortet das Geld zuhause), doch bei den Bankgebühren sieht es schon besser aus. Wer Vertrauen zum Internet hat, kann bei einigen Anbietern praktisch kostenlos seine Geschäfte abwickeln. Vielfach scheitert ein Bankwechsel einfach an purer Bequemlichkeit, das gilt auch für Energieanbieter. Ein anderes Beispiel: Kunststoffflaschen und Flaschenmilch. Warum gibt es überwiegend Flaschen aus Kunststoff und nicht aus Glas? Milch in Flaschen habe ich schon "ewig" nicht mehr gesehen - ich meine richtige Glasflaschen und keinen Kunststoff. Hier wäre ein Umdenken auch eine Art Konsumverweigerung. Warum passiert hier nichts? Die Antwort überlasse ich Ihnen...
  • Freie Marktwirtschaft
    von Retro am 01.05.2016 um 17:28
    Auf den Punkt gebracht! Wie leider schon immer erfolgt eine stetige Umverteilung von unten nach oben. Der Kunde sitzt am kürzeren Ast und hat sehr sehr oft nicht die Wahl, sich in der freien Marktwirtschaft nach Alternativen umzusehen. Welcher Bankkunde hat z. B. schon die Möglichkeit von einem Konto Abstand zu nehmen, keine (geplanten) Bankomatgebühren zu zahlen bzw. die billigsten Anbieter herauszufinden? Und so geht es mit nahezu jedem Produkt. Die Alternative ist im Prinzip Konsumverweigerung. Vielleicht sollte die Masse endlich damit punkten!
KONSUMENT-Probe-Abo