Obsoleszenz: Reparatur verhindert

Kommentar von Peter Blazek

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KONSUMENT 1/2016 veröffentlicht: 23.12.2015

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Peter Blazek (Bild: U. Romstorfer/VKI)
Mail: Peter Blazek

Die meisten hochpreisigen Waschmaschinen überstehen die Dauerprüfung ohne gröbere Mängel, das hat sich auch in diesem Test gezeigt ( Test: Waschmaschinen 1/2016 ). Doch ist deshalb alles paletti? Nein, denn immer wieder fallen auch Modelle von Premium-Marken im Lebensdauertest durch.

20 Jahre Lebensdauer

Eine vom Öko-Institut Freiburg durchgeführte Studie belegt, dass Waschmaschinen bei Berücksichtigung der gesamten durch Produktion, Betrieb und Entsorgung verursachten Umweltbelastung erst nach 20 Jahren ausgetauscht werden sollten. Das überstehen jedoch selbst die teuersten Modelle nur in Ausnahmefällen.

Keine Service-Dokumentation

Eine typische Ausprägung geplanter Obsoleszenz, also der absichtlichen Verkürzung der Lebensdauer eines Produktes, besteht darin, dass Reparaturen verunmöglicht werden. Und eine kürzlich vom Reparatur- und Service- Zentrum R.U.S.Z durchgeführte Untersuchung kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: Bis auf eine Ausnahme war von keinem einzigen der zwölf überprüften Hersteller eine vollwertige Service-Dokumentation zu bekommen. Und nicht einmal einer stellte einen unbeschränkten Zugang zur Software zur Verfügung – was notwendig wäre, damit freie Werkstätten einen diagnostizierten Fehler auch wirklich beheben können.

"Betriebsgeheimnis"

Die Hersteller rechtfertigen dies mit dem Wahren von Betriebsgeheimnissen oder dem Argument, dass nur die eigenen Vertragswerkstätten in der Lage seien, Reparaturen fachgerecht durchzuführen.

Alte Leier

Schon wieder die alte Leier. Wir kennen sie aus der Automobilbranche. Allzu lange haben sich die Autoproduzenten dagegen gewehrt, dass Ersatzteile von unabhängigen Produzenten nachgebaut werden dürfen und dass Reparatursoftware auch freien Werkstätten zur Verfügung steht.

Autobranche zum Wettbewerb gezwungen

Heute ist dies dank endlich durchgesetzter gesetzlicher Bestimmungen Vergangenheit, und wenn es (Teilen) der Autobranche heute nicht ganz so gut geht, ist sicher nicht der erzwungene freie Wettbewerb daran schuld.

Wie es scheint, wird es wohl auch in der Haushaltsgerätebranche nicht ohne konsequenten Druck seitens des Gesetzgebers gehen.


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Kommentare

  • Obsoleszenz längest in den Köpfen verankert
    von 7112910 am 19.01.2016 um 09:36
    Gerade am Beispiel Auto sieht man gut, wie geplante Obsoleszenz bereits in unseren Köpfen verankert ist. Wer denkt heute noch daran, dass man Autos auch leicht für 20 Jahre Lebensdauer konstruieren könnte? Wie bei der Waschmaschine rechnet ja schon keiner mehr mit solchen Lebenszeiten. Ein Auto, eine Waschmaschine gilt mit 10 Jahren als alt und (bald) wertlos. Die Listenpreise von Autos sind übrigens ein gutes Abbild dieses Phänomens, obwohl man wenigstens da noch daran denkt, dass das Auto vielleicht doch etwas mehr wert sein könnte. In unserer Wegwerfgesellschaft ist ein Umdenken schwierig. Meiner Meinung nach sollte es Produkte geben, die man auf bestimmte Lebenszeit kauft (alle Reparaturen zu Hause inklusive!), also ein Auto, eine Waschmaschine für beispielsweise 15 Jahre. Leider kann es auch da passieren, dass das Unternehmen pleite geht - und für diese Kaufmöglichkeit eine Reparaturgarantie Rücklagen zu bilden ist gesetzlich bis dato nicht verankert. Auch der Gesetzgeber könnte also für dieses Modell etwas leisten. Er könnte auch das Herausrücken von Betriebsgeheimnissen zur Reparatur durch Dritte erzwingen. Im Gegenzug müsste er allerdings die Entwicklungskosten abgelten, sonst werden Firmen sich betrogen fühlen.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo