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Wandern von einem Geschäft zum andern

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KONSUMENT 9/2016 veröffentlicht: 25.08.2016

Inhalt

Warum es nicht klug ist, für ein Schnäppchen von Supermarkt zu Supermarkt zu pilgern. - "Kunde König", ein satirischer Kommentar von Alois Grasböck

KONSUMENT-Kolumnist Alois Grasböck
Alois Grasböck

Es gilt nicht als vernünftig, mit dem Auto 30 Kilometer Umweg zu fahren, weil man sich bei der billigsten Tankstelle 1,20 Euro ersparen will. In eine ähnliche Situation käme man, wollte man beim täglichen Einkauf gnadenlos sparen. Denn die billigste Zahnpasta gibt es im Supermarkt eins, die billigsten Knacker bei einem Diskonter, den billigsten Senf im Supermarkt zwei usw.

Trendsportart "Shopping Walking"

Das dürfte nur in Einzelfällen vorkommen: Kunden, bei denen schon ein kleinerer Einkauf zur Halbtagsbeschäftigung wird, indem sie zehn Kilometer von Geschäft zu Geschäft wandern. Weil mit dem Auto das Risiko besteht, dass für 50 Cent Ersparnis ein Euro Benzingeld draufgeht. Das Wandern wäre zweifellos gut für die Fitness, und vielleicht wird’s eines Tages schick, sobald jemand die Trendsportart „Shopping Walking“ erfindet. Derzeit sparen die Österreicher allerdings nicht so hart, und vielen würde sowieso die Zeit fehlen. Das weiß auch der Handel, weshalb die alte Regel gilt: Was du dir beim Fleisch sparst, kann mit einem unvorsichtigen Shampoo-Kauf sofort wieder verloren sein.

Außenseiter ohne Kundenkarte

Um den Kunden trotzdem das Gefühl zu geben, dass sie viel sparen können, gibt es die Kundenkarten. Wer nicht mitmacht, ist fast ein Außenseiter und hat es nicht leicht. Dann steht man mit einem verbilligten Artikel an der Kasse und soll trotzdem den vollen Preis zahlen, weil man den Hinweis „Nur für Card-Besitzer“ oder so ähnlich übersehen hat. Selbstverständlich wird sofort eine Kundenkarte angeboten, was dem Außenseiter Gelegenheit gibt, sich für den Ärger mit einem kleinen Scherz zu rächen. Aber Vorsicht! Der Scherz „Ich will keine Kundenkarte, weil ich ein internationaler Terrorist bin und keine Spuren hinterlassen möchte“ ließ das Personal zwar zuverlässig verblüfft zurück, ist jedoch nicht mehr zu empfehlen. Heute wäre es verständlich, wenn man alsbald ein Spezialkommando auf den Fersen hätte. Schlimme Zeiten. Denken wir uns also etwas Harmloseres aus, denn vermiesen lassen wollen wir uns das Scherzen nicht.

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Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo