Proteinpulver zum Muskelaufbau

Hilfreich oder nicht?

Seite 1 von 1

KONSUMENT 10/2016 veröffentlicht: 29.09.2016

Inhalt

Helfen Proteinzusätze beim Muskelaufbau?

Wir sagen: Es gibt viele Studien zu Proteinpräparaten, sie weisen jedoch oft methodische Mängel auf und liefern widersprüchliche Ergebnisse. Es ist deshalb unklar, ob und in welcher Form diese Mittel beim Muskelaufbau hilfreich sind.

KONSUMENT Fakten-Check Medizin: wissenschaftliche Beweislage mittel (Bild: VKI)

 

Normaler Eiweißbedarf ...

Ernährungsleitlinien sehen vor, dass erwachsene Frauen und Männer täglich 0,8 Gramm Protein (Eiweiß) pro Kilogramm Körpergewicht zu sich nehmen sollten. Eine 60 Kilogramm schwere Frau müsste demnach 48 Gramm Eiweiß pro Tag konsumieren. Laut Österreichischem Ernährungsbericht sind es hierzulande täglich ungefähr 0,9 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht.

... und erhöhter Proteinbedarf

Einen höheren Eiweißbedarf als die Normalbevölkerung haben neben Schwangeren und Stillenden auch Sportler. Verschiedene ernährungswissenschaftliche Institutionen empfehlen Menschen, die sehr intensiv trainieren, etwa 1,5 bis 2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht zu sich zu nehmen. Viele Sportler greifen deshalb zu proteinbasierten Nahrungsergänzungsmitteln (Pulver, Riegel, Getränke). Allein im Jahr 2013 machten die Hersteller nach Angaben des Statistikportals Statista weltweit mehr als 7,2 Milliarden US-Dollar Umsatz.

Zunahme der Muskelkraft untersucht

Doch wie sinnvoll sind die Präparate, um "Muskelaufbauhilfe" zu betreiben? Forscher aus den Niederlanden haben die Ergebnisse bisher veröffentlichter Studien zusammengefasst.

Die Teilnehmer in diesen Studien hatten mehrwöchige Krafttraining-Programme absolviert; eine Gruppe erhielt Proteinpulver oder Lebensmittel mit hohem Proteinanteil, die Teilnehmer aus der Vergleichsgruppe erhielten Schein-Muskelaufbaupräparate ohne Protein bzw. Lebensmittel mit geringem Proteinanteil.

Bei den Teilnehmern aus der Proteingruppe zeigte sich eine Zunahme der Muskelkraft. Sie konnten nach den Trainingsprogrammen ein deutlich höheres Gewicht stemmen als die Probanden der Vergleichsgruppe.

Pulver oder "normale" Lebensmittel

Aufgrund der geringen Probandenzahl und der fragwürdigen Qualität der Studien ist deren Aussagekraft allerdings begrenzt. Die niederländischen Wissenschaftler haben in ihrer Studienzusammenfassung zudem Ergebnisse zu Sportler-Proteinprodukten mit solchen vermischt, bei denen die Teilnehmer ihre Extraportion Eiweiß über proteinreiche Lebensmittel wie Joghurt oder Milch zu sich genommen hatten. Es ist also unklar, ob es teures Proteinpulver sein muss oder ob es auch reicht, mehr Milch und Joghurt zu essen.

Der Mensch baut im Laufe seines Lebens kontinuierlich Muskelmasse ab. Etwa ab 60 beschleunigt sich dieser Prozess und kann zu Gebrechlichkeit führen. Deshalb wären solide Forschungsergebnisse, inwieweit Proteinpräparaten dem Verfall der Skelettmuskulatur entgegenwirken könnten, äußerst sinnvoll.

Lesen Sie mehr auf  www.medizin-transparent.at/proteinpulver

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich (www.medizin-transparent.at). Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

 

Bewertung

Wertung: 3 von 5 Sternen
2 Stimmen
KONSUMENT-Probe-Abo