Altersmedizin: Fragwürdige Behandlungen

Mehr Schaden, viele Nachteile

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KONSUMENT 3/2019 veröffentlicht: 28.02.2019

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In Spitälern und Pflege­heimen werden immer wieder Unter­suchungen und Therapien veranlasst, die den Patienten mehr schaden als nutzen. Die österreichische Ärzte-Initiative "gemeinsam gut entscheiden“ (gge) hat sich das Ziel gesetzt, entbehrliche medizinische Interventionen zu verhindern.

Durch Früherkennungsuntersuchungen, auch Screening-Untersuchungen genannt, sollen ­Tumore möglichst früh, in einem heilbaren Sta­dium, erkannt und so die Lebenserwartung erhöht werden. Die Mammographie, die Darmspiegelung oder die Prostatauntersuchung gehören dazu. Gerade langsam entstehende Tumoren wie Dickdarmkrebs können so rechtzeitig entdeckt werden.

Untersuchungen mit Risiken

Derartige Untersuchungen sind allerdings auch mit Risiken verbunden. Der ­Körper wird durch Strahlung oder Narkosemitteln belastet, und wenn die Unter­suchungen falsche Ergebnisse liefern, führt dies zu Verunsicherung. Gar nicht so selten folgen auf sogenannte "falsch positive" Ergebnisse auch unnötige Biopsien und Operationen.

Im Zuge der Krebs-Früherkennungsuntersuchungen werden auch Tumore entdeckt und behandelt, die nie zu Beschwerden geführt hätten. Eine Therapie kann die Lebensqualität erheblich einschränken, deshalb sollten Vor- und Nachteile ­einer Früherkennungsuntersuchung in jedem ­einzelnen Fall sorgfältig abgewogen werden.

Prostatakrebs-Früherkennung

Eine wissenschaftliche Studie über 13 Jahre hinweg hat gezeigt, dass mit Früherkennungsuntersuchung pro Jahr 4 von 10.000 Männern am Prostata­krebs selbst starben, ohne Früherkennungsuntersuchung waren es 5 von 10.000. Insgesamt verstarben pro Jahr aber gleich viele ­Männer (19 pro 10.000), egal, ob sie untersucht wurden oder nicht. Es gab also etwas weniger Todesfälle durch Krebs, möglicherweise führten aber Komplikationen durch Biopsien und Ope­rationen schlussendlich zur gleichen Zahl von Todesfällen. In der Gruppe der Männer über 70 starben trotz Früherkennungsuntersuchung ­etwa gleich viele an Prostatakrebs wie ohne Untersuchung.

Andere Studien zeigen, dass bei etwa 160 von 1.000 Männern die Tastuntersuchung der Prostata und eine Messung des PSA-Wertes ein auffälliges Ergebnis lieferte, obwohl die Pros­tata gesund war. Die nachfolgende Biopsie war unnötig. 20 Männer wurden einer Krebsbehandlung unterzogen, obwohl sie nicht an einem fortschreitenden Tumor litten.

Brustkrebs-Früherkennung

Bei Teilnahme an einem Brustkrebsfrüherkennungsprogramm versterben während elf Jahren 4 von 1.000 Frauen über 50 an Brustkrebs, ohne Untersuchung sind es 5 von 1.000. Mammographien zeigen bei 100 von 1.000 Frauen über 50 Jahren Auffällig­keiten, wo gar keine sind. 5 von 1.000 Frauen werden aufgrund eines Tumors operiert, der ­keine Beschwerden verursacht hätte.

Darmkrebs-Früherkennung

Von 1.000 Frauen im Alter von 65 Jahren, die eine Darmspiegelung hatten, sterben innerhalb von zehn Jahren 2 bis 4 Frauen an Darmkrebs. Ohne Untersuchung sind es 5 von 1.000 Frauen. Bei Männern sterben mit Darmspiegelung 3 bis 6 von 1.000 Untersuchten innerhalb von zehn Jahren, ohne Darmspiegelung sind es 9 von 1.000 Männern. Bei 2 bis 3 von 1.000 Darmspiegelungen treten Komplikationen auf.

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