Trenitalia

Strafe trotz Ticket

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KONSUMENT 7/2017 veröffentlicht: 29.06.2017

Inhalt

"Vorsicht Falle": Wer in Italien einen Zug besteigt, sollte dies nur mit einem zuvor entwerteten Ticket tun. Einsprüche werden nicht anerkannt.

Die Geschichte ist ebenso ärgerlich wie rasch erzählt: Eine österreichische Reisende wollte mit dem Zug vom Bahnhof Rom Termini zum Flughafen Fiumicino fahren und kaufte sich kurz vor der Abfahrt am Schalter ein Ticket. Weder dort noch auf dem Weg zum Bahnsteig, wo ihr Ticket kontrolliert wurde, erhielt sie jene Information, die ihr später der Schaffner im Zug gab: Obwohl das Ticket nämlich die genauen Reisedaten enthielt, war es ohne Stempelaufdruck ungültig. Das heißt, die Reisende hätte vor dem Besteigen des Zuges darauf achten müssen, das Ticket am Automaten zu entwerten. Konsequenz aus dem Versäumnis: 50 Euro Strafe, die am betreffenden Tag gleich von mehreren Passagieren des Zuges bezahlt werden musste.

Aufdrucke auf Italienisch

Unser Europäisches Verbraucherzentrum hat diesbezüglich sogar mit den italienischen Kollegen Kontakt aufgenommen. Dort ist das Problem bekannt, doch die Aussicht auf eine zufriedenstellende Lösung für Betroffene tendiert gegen null. Tatsache ist nämlich, dass man auf den Tickets auf Italienisch die Aufdrucke „convalidare in basso“ („unten entwerten“) sowie „convalidare prima della partenza“ („Vor Fahrtantritt entwerten“) findet. Darauf sowie auf die entsprechende Passage in ihren Beförderungsbedingungen beruft sich die Eisenbahngesellschaft Trenitalia bei allen eingehenden Beschwerden.

Reklamationen zwecklos

Obendrein argumentiert sie damit, dass es allgemein bekannt sei, dass Tickets bei Trenitalia im Vorhinein entwertet werden müssten. Zumindest über Letzteres könnte man diskutieren, wenn es sich um ausländische Reisende handelt, die nicht ständig im Land unterwegs sind. Das ändert aber nichts daran, dass Reklamationen erfahrungsgemäß zwecklos sind. Uns bleibt hier also nichts anderes übrig, als eine Warnung auszusprechen: Zugfahren in Italien kann selbst mit gültigem, aber noch nicht entwertetem Ticket unerwartet teuer werden!

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Kommentare

  • Europäisches Verbraucherzentrum muss aktiv werden!
    von WalterK_im_TarifdschungelCamp am 07.08.2017 um 21:38
    An sich ist das genauso wie bei Fahrkarten einiger österr. Verkehrsverbünde. Sie müssen vor Fahrtantritt abgestempelt werden, was bei uns unlogischerweise "Entwerten" heißt, dabei werden sie durch den Zeitstempel erst für die Fahrt gültig. Nur: WISSEN MUSS MAN ES! -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Auf den Tickets von Trenitalia steht sogar auf englisch, dass sie "validiert" werden müssen – allerdings auf der Rückseite und in extrem kleiner Schrift. Heimtückischerweise sind auch die Pfeile, die hinweisen, wo zu stempeln ist, nicht auf der Vorderseite (wie bei uns), sondern auf der Rückseite aufgedruckt, sodass es nicht offensichtlich ist, dass die Fahrkarte entwertet werden muss. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Es gibt zwei Fahrkartenformate bei Trenitalia. Beim Großformat ist auf der Vorderseite ausreichend Platz für die Pfeile und ebenso, um die Texte "DA CONVALIDARE" und "VALE 4H DA CONVALIDA" daneben auch auf englisch aufzudrucken. Auch beim Kleinformat wäre es bei gutem Willen möglich, am Rand einen Hinweis aufzudrucken. Die derzeitige Gestaltung der Fahrkarten bzw. die fehlende Bereitschaft zu einer Veränderung legen in der Tat den Verdacht nahe, dass bei ausländischen Touristen abkassiert werden soll. -.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.-.- Diesbezüglich erwarte ich schon, dass das Europäische Verbraucherzentrum aktiv wird und Trenitalia zwingt, die entsprechenden Aufdrucke (Pfeile, englischer Text) auf der Vorderseite anzubringen.
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