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Ahnenforschung: Lebendige Geschichte - Details aus dem Leben erfahren

Irgendwann reicht die Suche nach Daten nicht mehr, man will Details aus dem Leben der Vorfahren wissen. Ein KONSUMENT-Buch begleitet Sie dabei.

 

Bild: Steve-Allen / Shutterstock.com

Wer bin ich, woher komme ich und wohin gehe ich? Diese Fragen stellt sich wohl jede und jeder im Laufe des Lebens. Wie sind wir zu dem Menschen geworden, der wir heute sind? So manches Detail erschließt sich erst durch die intensive Beschäftigung mit den Vorfahren.

Herkunft, Lebensweise und Schicksal unserer Ahnen halten Antworten auf viele Fragen bereit. Stammbäume wachsen schnell in Breite und Höhe, gehen oft bis in weit vergangene Jahrzehnte zurück.

Fakten und Emotionen

Doch das reine Datensammeln ist irgendwann zu wenig, meint der Hobby- Ahnenforscher Stefan K.: "Man hat ein Geburtsdatum, eine Adresse, vielleicht noch den Beruf, dann eben Taufe, Heirat, Tod. Das sind die Hard Facts. Was fehlt, sind die Emotionen." Und so wollen viele Ahnenforscher mehr über das Leben ihrer Vorfahren herausfinden.

In so manchen Dokumenten finden sich Informationen, die auf verschlungene Lebenswege schließen lassen. Wer der tatsächlichen Geschichte der Menschen auf der Spur ist, füllt die letzten Lücken im Familiennarrativ, entdeckt die faszinierende Welt der Vorfahren und ihre spannenden Lebenswege.

Lebensgeschichten entdecken

In Fotoalben entdecken wir in den Gesichtern der Ahnen Züge, die irgendwie an uns selbst erinnern; in Tagebüchern ist von Leidenschaften zu lesen, denen wir selbst frönen; in Lebensgeschichten der Ahnen sehen wir Parallelen zum eigenen Leben.

Doch was bringt es, zu wissen, wie im Gestern gelebt wurde? Wie sehr haben die Ahnen die folgenden Generationen geprägt? Je mehr geforscht wird, je mehr Quellen sich auftun, je mehr Fragen gestellt werden, desto mehr Daten, Informationen und Antworten bekommen Ahnenforscher.

Spurensuche, Erinnerungsorte, Biografien

Von Daten zu Biografien

Von den trockenen Lebensdaten der Ahnen geht es schließlich hinein in die Biografien der Menschen. Umfangreiche, oftmals mühsame Recherchen sind notwendig, um Details zu sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen der Ahnen zu finden. Die Lebensgeschichten der Menschen erschließen sich nur im historischen und gesellschaftlichen Kontext: Die Stellung der Frau in den vergangenen Jahrhunderten gilt es genauso zu beachten wie die hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit, aber auch Konflikte, Kriege, Flucht und Exil haben gravierende Auswirkungen auf die Familienerzählung.

Briefe, Tagebücher, Taschenkalender

Neben Dokumenten, die die grundsätzlichen Lebensdaten (Geburt, Taufe, Heirat, Tod) und eventuelle zusätzliche Informationen (Religionszugehörigkeit, Adresse, Beruf) verraten, sind zahlreiche weitere persönliche Unterlagen von unschätzbarem Wert: Stammbücher, Briefe, (Kriegs-)Tagebücher oder Taschenkalender. Diese privaten Notizen sagen oft mehr aus als jedes andere Dokument und öffnen sozusagen ein Zeitfenster in die Vergangenheit.

Reisen in die Vergangenheit

Für viele Menschen, die sich mit Ahnenforschung beschäftigen, gehören Reisen an Orte, an denen Eltern, Großeltern oder Urgroßeltern geboren wurden oder gelebt haben, ganz selbstverständlich dazu. Es ist ein ganz spezielles Erlebnis, nach langer Recherche tatsächlich im Zug nach Norddeutschland oder im Auto in Richtung Mühlviertel zu sitzen, um den Hof, das Dorf, die Stadt oder zumindest die Gegend zu besuchen, wo die Vorfahren gewirkt haben. Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen – auch wenn er eine Reise in die Vergangenheit tut.

Österreichische Biografien führen nicht selten in die früheren Kronländer, denn vor allem in tschechischen Archiven finden sich oft verschollen geglaubte Dokumente. Eine Reise dorthin lohnt sich im Zuge einer Familienforschung auf jeden Fall, denn im ehemaligen Böhmen und Mähren finden sich noch heute zahlreiche Hinweise auf die deutschsprachige Vergangenheit. Vielleicht steht das Haus der Urgroßeltern noch, möglicherweise kann es sogar besichtigt werden. Mitunter ist aber auch rein gar nichts übrig, das an frühere Bewohner erinnert, doch dann finden Sie vielleicht auf dem Friedhof Hinweise.

Erinnerungsorte und neue Bande

Das Schöne an diesen Reisen in die Vergangenheit ist, dass man letztlich in der Gegenwart ankommt. Man sieht, wie der Ort, an dem einst Familienleben stattgefunden hat, heute ausschaut. Egal ob noch etwas übrig ist oder nur noch vage Hinweise zu erkennen sind: Die Suchenden erobern diese Erinnerungsorte und fügen ihre eigenen Erfahrungen hinzu. Und manchmal werden neue Bande geknüpft – dann nämlich, wenn weit entfernte Verwandtschaft immer noch an diesem Ort zu finden ist.

Spurensuche in Bibliotheken

Wer tiefer in die Biografien seiner Ahnen eintaucht, wird an einem umfassenden und gründlichen Literaturstudium nicht vorbeikommen. Auch wenn man mittlerweile das Gefühl hat, dass jedes kleinste Detail im Internet zu finden ist, so ist der Besuch einer Bibliothek manchmal der erste Schritt zu eines Rätsels Lösung. Die Hobby-Ahnenforscherin Marion B. erfuhr zum Beispiel im Laufe der Recherche, dass ihr Großvater in elfter Generation, ein katholischer Pfarrer, etliche uneheliche Kinder legitimierte und damit zu seinen Erben machte.

Sie besuchte Museen und blätterte in alten Büchern, beschäftigte sich mit dem Leben von Pfarrern in der Renaissance, fand einen Briefwechsel, der Licht in die Sache brachte: "Der Erzbischof war nicht so sehr begeistert, dass das Vermögen meines Vorfahren an seine Kinder ging und nicht zu einhundert Prozent an die römisch-katholische Kirche. Das ist dann schon sehr spannend, weil man die Zeit, in der diese Menschen gelebt haben, mit anderen Augen sieht."

Geschichte und gesellschaftliche Phänomene

Manche Fragen bleiben unbeantwortet

Doch manche Fragen bleiben vielleicht für immer unbeantwortet. Je weiter zurück in die Vergangenheit die neugierigen Ahnenforscher gehen, desto weniger Informationen sind zu finden. Als die Hobby-Ahnenforscherin Petra K. vor ein paar Jahren ein Haus besuchte, in dem frühere Generationen ihrer Familie gelebt hatten, entdeckte sie an der Außenmauer des Bauernhofes ein außergewöhnliches Gemälde, das darstellt, wie der Vierfach-Urgroßvater erdolcht wird.

In einem Erklärtext ist zu lesen, dass sich die Tragödie im Jahr 1832 zugetragen haben soll. Der Täter sei ein "unbändiger, jähzorniger Mann" gewesen. Petra K. wollte mehr über den Vorfall wissen: "In der Sterbeurkunde ist zwar vermerkt, dass der Mann an den Folgen einer Stichwunde starb; ich habe auch versucht, herauszufinden, ob der Mörder gefasst wurde und was die Hintergründe waren. Leider bin ich bei dieser Recherche gescheitert."

Adelige Familienchroniken

In früheren Zeiten haben vor allem Adelige ihre Familiengeschichten aufgeschrieben – oder aufschreiben lassen. Sie verfügten über ausreichend Bildung und die Mittel, um kunstvoll gestaltete Familienchroniken in Auftrag zu geben. Diese Bücher erzählen die Geschichte des jeweiligen Adelsgeschlechts. Sie enthalten Daten, Namen und wichtige Lebensereignisse.

Heute sind sie eine wichtige Quelle für Historiker wie auch für Hobby-Ahnenforscher. Von den "einfachen Leuten" existieren solche Aufzeichnungen eher selten. Forscher müssen in kirchlichen Quellen oder behördlichen Dokumenten nach Antworten suchen.

Mündliche Überlieferung hat Grenzen

Die mündliche Überlieferung innerhalb der Familie hat ihre Grenzen, ist von Gefühlen oder Ängsten beeinflusst. Oft werden gerade die heiklen – und vermutlich besonders interessanten – Ereignisse ausgeklammert. Viele "Gschichtln" oder Familienmythen können nur durch intensive Quellenrecherche in Archiven – vor Ort oder online – überprüft werden.

"Geschichte von unten" heißt es in der Wissenschaft, wenn es um das Leben der sogenannten kleinen Leute geht – jener Menschen, die als Bauern, Handwerker oder Händler ein "ganz normales" Leben gelebt haben. Es muss keine Berühmtheiten, Kaiser, Erfinder oder Entdecker in der eigenen Familie geben, egal ob Adel oder Bauernschaft – wer sich mit der eigenen Familiengeschichte auseinandersetzt, bekommt nicht nur ein kompletteres Bild der Verwandtschaft, sondern lernt auch sich selbst ein bisschen besser kennen.

Geschichte und gesellschaftliche Phänomene

Die Ahnenforschung sorgt für eine Betrachtung von Geschichte und gesellschaftlichen Phänomenen aus einem anderen – persönlicheren – Blickwinkel. Welche Schlüsse jemand aus der Ahnenforschung zieht und wie mit den Ergebnissen umgegangen wird, ist von Fall zu Fall verschieden.

Manche Ahnenforscher machen ihre Recherchen öffentlich, andere verschließen die Schachteln mit den Familienerinnerungen wieder und verstauen sie an einem geschützten Ort. Die Beschäftigung mit der eigenen Familiengeschichte schärft auf jeden Fall den Blick, macht uns offener für gesellschaftspolitische Fragen und erweitert den (historischen) Horizont.

Weit verzweigte Stammbäume

Der weit verzweigte Stammbaum ist ein schönes Symbol für die Verästelung der Familie. Als eine weit verwandte Großtante des Hobby-Ahnenforschers Michael E. starb, fand er im Nachlass eine Schachtel mit Fotografien. Auf den ersten Blick war ihm niemand bekannt. So stellte er einige Bilder ins Internet und wartete.

Schließlich kam eine Mail von einer jungen Frau aus Deutschland: Das sei ihre Familie, die man da auf den Fotografien sehen könne, schrieb sie. Es folgte ein Treffen in Wien, die Übergabe der Fotoschachtel und schließlich die verwandtschaftliche Klärung: "Also das ist ganz einfach – der Bruder von Nadjas Urururgroßvater heiratete die Schwester des Vaters der Stieftochter des Cousins meines Urgroßvaters."

Buchtipp: Ahnenforschung

KONSUMENT-Buch Ahnenforschung

Die Suche nach den eigenen Wurzeln kann Spaß machen.

  • Woher stammt der Familienname?
  • Wo haben die Vorfahren gelebt?
  • Was waren ihre Berufe?
  • Wie finde ich Verwandte, die ich bisher gar nicht kannte?
  • Gibt es dunkle Kapitel in der Familiengeschichte?

So viele spannende Fragen, die dank Internet leichter zu erforschen sind als je zuvor. Das Buch zeigt traditionelle und neue Recherchemethoden, nennt nützliche Websites und hilft bei der Spurensuche mit praktischen Tipps. Wo beginne ich am besten mit der Suche? Sie werden sehen: Wenn der erste Schritt getan ist, kommen die weiteren fast von selbst.

Leseprobe im Shop: https://konsument.at/ahnenforschung

160 Seiten, Flexcover
19,90 Euro

 

 

Leserreaktionen: Abo-Falle MyHeritage.at

Abo-Falle MyHeritage.at

Mir hat die Ahnenforschung sehr viel Spaß gemacht und auch interessante neue Erkenntnisse gebracht, bis ich dann auf MyHeritage.at in die Abo-Falle getappt bin. Auf dieser Webseite war es für mich völlig unklar, was für Kosten da auf mich zukommen.

Immer wieder kam die Meldung, dass ich diese Abfrage nur mit Abo machen kann, das mich im 1. Jahr 139 Euro kostet. Das war es mir wert, und ich habe dann ein Abo abgeschlossen. Danach kam aber dann schon wieder diese Meldung, und ich bin davon ausgegangen, dass das mit dem Abo nicht funktioniert hat, und habe noch einmal das Abo abgeschlossen. Preis 139 Euro für das erste Jahr. Abgebucht wurden mir dann 2 x 166,80 Euro.

Zuerst hielt ich das für einen Irrtum, wurde dann jedoch darüber aufgeklärt, dass es sich um 2 unterschiedliche Abos handelt (Familien-Seite-Abo und Daten-Abo) und dass der angegebene Preis excl. USt. ist (wieso darf ein Preis in Österreich für Verbraucher ohne USt. angegeben werden?). Was für mich beides nicht ersichtlich war. Ich habe die Abos sofort wieder storniert, aber das Geld ist natürlich schon weg. Wenigstens bin ich jetzt um eine Erfahrung reicher.

User "Nimue"
(aus KONSUMENT 11/2020)

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