Kontowechsel: Weg von der BAWAG

Erleichterung?

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KONSUMENT 2/2017 veröffentlicht: 26.01.2017

Inhalt

Eine Bank bietet sehr gute Konditionen für ein Gehaltskonto, ich entschließe mich zum Wechsel. Es war hart. - Ein "Aufgespießt" von Konsument-Redakteur Bernhard Matuschak.

Bernhard Matuschak (Bild: U. Romstorfer/VKI)
E-Mail: Redakteur
Bernhard Matuschak

Mit entscheidend ist, dass sich seit September 2016 die Banken um die Umstellung von Lastschriften und Daueraufträgen kümmern müssen.

Neues Konto rasch eröffnet

Das neue Konto ist rasch eröffnet. Die Formulare, die meine neue Bank für den Wechsel benötigt, sind schnell ausgefüllt. Am 21. November erteile ich den Wechselauftrag. Meine alte Bank ist die Sparda-Bank Wien, eine Tochter der Bawag P.S.K.

Laut Gesetz müsste sie meiner neuen Bank binnen fünf Tagen alle Unterlagen zukommen lassen. Damit das Ganze stressfrei abläuft, habe ich die Kontokündigung vorsichtshalber auf den 31. Dezember datiert. Ich fühle mich entspannt. Am 10. Dezember erhalte ich einen Anruf meiner neuen Bank. Die Mitarbeiterin klingt besorgt: Man warte trotz mehrfacher Urgenz immer noch auf die Unterlagen der Bawag. Damit sich das alles noch ausgehe, möge ich doch sicherheitshalber selbst noch einmal urgieren.

"Dort kann man nicht anrufen"

Ich rufe bei der Bawag an. Die Hotline-Mitarbeiterin verspricht mir, die Sache weiterzuleiten; ich würde zurückgerufen. Zwei Stunden später läutet das Telefon. Es ist der Kundenbetreuer meiner Bawag-Filiale. Er sagt, dass er mir Auskünfte zum Konto geben könne, nicht jedoch zum Kontowechsel. Meine Bitte, mir eine Telefonnummer der zuständigen Kollegen zu geben, lehnt er ab. Man könne dort nicht anrufen, nicht einmal er selber habe die Nummer. Ich schreibe eine Mail an die Bawag, in der ich um Übermittlung der Daten an die neue Bank ersuche.

Intervention bei der BAWAG PSK

Am 14. Dezember wende ich mich an die Rechtsabteilung des VKI, die bei der Bawag interveniert und der Bank eine Frist bis 21. Dezember setzt. Am 23. Dezember hat die Bawag noch immer nicht reagiert. Ich gebe die Daueraufträge von Hand ein, kontaktiere die Einzieher aller Lastschriften. Und ich frage mich einmal mehr, wozu Gesetze taugen, die sich nicht durchsetzen lassen.

"Kein Auftrag zur Kontoschließung"

PS: Am 27.12. teilt mir die Bawag mit, dass sie nie einen Auftrag zur Kontoschließung erhalten habe. Am 30.12. wird mein Konto geschlossen.

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Kommentare

  • Zwischen beiden (Bank)Sesseln sitzen
    von Dunkelsteinerwald am 11.04.2017 um 13:27
    Beim Bankenwechsel gibt es eine Kostenfalle : das Konto bei der ersten Bank ist geschlossen, jedoch wurden noch nicht alle Konto-Einzugsberechtigten verständigt. Obwohl er dafür überhaupt nichts kann, muss der Kunde dafür die entsprechende Gebühr zahlen. Ca. 7€ dafür, dass die Bank nichts tut. Die Bank handelt fehlerhaft / zu langsam ... und kassiert dafür auch noch vom Kunden.
  • Kontenwechsel - eine schwierige Entscheidung
    von ling am 31.03.2017 um 19:59
    Danke für den Beitrag, er spricht aus was wahrscheinlich tatsächlich passiert. Ich bin zwar bereits seit fast 40 (in Worten vierzig) Jahren bei der PSK (genauer P.S.K. - wer immer auch für diese dämliche Abkürzung mit den Punkten verantwortlich ist), doch mit jeder Meldung die in diese Richtung geht denke ich intensiver über einen Wechsel der Kontoverbindung nach. Nicht, weil die Zeit so schlecht war, im Gegenteil - ich war bis dato ganz zufrieden. Als Bundesbediensteter genoss man die Valutierung des Bezugs bereits eine Woche vor dem tatsächlichen Termin - bei Kreditrückzahlungen sehr von Vorteil. Die gelben Kuverts zur Auftragserteilung, portofreie Kontoauszüge - anfangs nach jeder Buchung, später wochen- und monatsweise. Kein Besuch einer Filiale (damals war das noch das Postamt bzw die PSK-Bank). Alles war beinahe so wie heute vom Schreibtisch aus möglich, heute geht es eben digital. Doch dann ging es bergab. Übernahme durch die BAWAG, dann hat die Gewerkschaft alles verhunzt. Verkauf, mittlerweile hält meines Wissens ein ausländischer Fonds die Mehrheit (alleine das erzeugt schon ein mulmiges Gefühl). Es wurde alles zusammengestrichen, die portofreien Kontoauszüge sang- und klanglos eingestellt. Entweder digitaler Kontoauszug oder wieder der Weg in die Filiale und den Drucker konsultieren (falls er überhaupt vorhanden ist). Die Hotline ist ein Witz. Ruft man dort an, erhält man nicht wie erwartet Auskunft, man gelangt in eine Werbewarteschleife, in der Produkte angeboten werden. Man hat den Eindruck, dass die Bank einen Exklusivvertrag mit der Telekom hat. Kontomodelle wurden bzw werden immer unattraktiver für die Kunden, mittlerweile wird für vieles etwas verrechnet, das früher gratis war, weil man auf die großzügige Kontobox umgestiegen ist. Ein Mindestsaldo von 800 Euro ist für viele Menschen auch nicht gerade wenig und die Bank kann damit arbeiten. Dass man jedoch Opfer der "Schattenarbeit" geworden ist und die selbst erbrachten Leistungen (man führt sich quasi sein Konto selbst) sich nicht in den Gebühren niederschlagen, wird offenbar in der Kalkulation der Kontengebühren nicht berücksichtigt. Die Haben-Verzinsung ist erwartungsgemäß extrem niedrig, doch die Sollzinsen sind trotz aktuellem Niedrigstzinsniveau erschreckend hoch im zweistelligen Prozentrahmen. Gottseidank gibt es den VKI, der gegen Pseudo-Nötigungen wie den Umstieg auf ein anderes Kontomodell bei Kündigungsalternative mit Verbandsklagen vorgeht und auch Recht bekommt. Ein wahrer Hohn ist, dass diese Bank noch hohe Gewinne hinausposaunt, jedoch quasi im gleichen Atemzug obige Aktionen hinsichtlich der Konten setzt. Um noch einmal auf den Servicebereich zurückzukommen: Benötigt man etwas von der Bank, dann ist es gut, wenn man ein bisschen Ahnung von der Materie hat, denn manche Fragen beantwortet man sich besser selbst und die Auskunft ist umso befriedigender. Umgekehrt - wenn man einen etwas höheren Betrag auf dem Konto hat, dann wird man plötzlich eifrigst per Telefon kontaktiert, man möge doch einen Termin vereinbaren, um seine Finanzen überprüfen zu lassen bzw sich über die neuen Produkte und Möglichkeiten der Bank zu informieren. Doch welche Alternativen hat man bei einem Kontenwechsel? Nimmt man nur als Beispiel die easyBank, dann ist so gut wie alles gratis (bei normalem Gebrauch - Extras kosten dafür sehr viel), doch weit gefehlt, hier würde man ja hinsichtlich der Eigentümerverhältnisse vom Regen in die Traufe fallen, denn diese Bank ist ja nur eine Tochter der BAWAG/PSK...
Bild: VKI