Kosmetika: Mineralöl

Verzichtbar

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KONSUMENT 7/2015 veröffentlicht: 27.05.2015, aktualisiert: 25.06.2015

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Mineralöl dient häufig als Ausgangsstoff von Kosmetika. Die fertigen Produkte können giftige Substanzen enthalten. Wir raten zur Vorsicht. Insbesondere für die Lippen sollte man Präparate ohne Mineralöl verwenden.

Unsere Partnerorganisation Stiftung Warentest hat die Belastung von 25 verschiedenen Kosmetika untersucht, die auf Mineralöl basieren. Das Ergebnis ist alles andere als erfreulich: Alle Produkte waren mit kritischen Substanzen belastet, von denen einige sogar als potenziell krebserregend gelten. Gefunden wurden aromatische Kohlenwasserstoffe (MOAH). Die Gehalte waren so hoch, dass es sich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht um Verunreinigungen handelt, sondern der Ausgangsstoff selbst Ursache des Übels sein muss. Lesen Sie mehr auf test.de: Mineralöl in Kosmetika .

Gefährliche Lippenprodukte

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) bewertet die Aufnahme von MOAH durch die Nahrung als "potenziell besorgniserregend“. Wir sollten also alles daransetzen, eine MOAH-Aufnahme über die Nahrung zu vermeiden. Wir raten deshalb um Verzicht auf Lippenpflege (Stifte, Vaseline) beziehungsweise Lippenkosmetikprodukten auf Mineralölbasis. Lippenprodukte werden zwangsläufig abgeleckt und geschluckt.

Der Wissenschaftliche Ausschuss für Verbrauchersicherheit der EU-Kommission (SCCS) schätzt, dass Verbraucher im Schnitt rund sechsmal täglich Lippenprodukte auftragen und vollständig aufnehmen, was ungefähr einer Menge von 57 Milligramm entspricht. Erkennbar sind derartige Präparate durch folgende Deklarationen:

  • Mineral Oil
  • Cera Microcristallina (CM)
  • Ozokerite (O)
  • Paraffin (P)
  • Paraffinum Liquidum (PL) und/oder
  • Petrolatum (Ptr).

Auf dem Markt sind mineralölfreie Produkte erhältlich, zum Beispiel Naturkosmetika.

Aufnahme über die Haut

Auch über die Haut könnten Minaeralölbestandteile theoretisch aufgenommen werden. Wie viele und welche dies sind, lässt sich derzeit jedoch nicht eindeutig sagen. Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung konstatierte Ende 2010: „Es wurde auch der Nachweis erbracht, dass alkylierte polyzyklische Aromaten (MOAH) bei direktem Kontakt in die Haut migrieren und daher ebenfalls zu einem gesundheitlichen Risiko beitragen können.“

Mineralöl in der Produktion

Der Einsatz von Mineralöl als Bestandteil von Kosmetikarezepturen geschieht aus mehreren Gründen. Derartige Produkte sind länger haltbar. Ausserdem verursacht Mineralöl keine Allergien, vor allem aber ist es vergleichsweise preisgünstig. Im Herstellungsprozess wird es in mehreren Schritten gereinigt, dabei sollten die gefährlichen aromatischen Kohlenwasserstoffe eigentlich beseitigt werden.

Die Stiftung Warentest hat ein neues Verfahren entwickelt, mit dem sich MOAH-Rückstände nachweisen lassen. Dabei zeigte sich, dass offenbar viele Kosmetika erheblich belastet sind, am stärksten Vaselineprodukte. Hier wurden vor allem hohe Gehalte an gesättigten Kohlenwasserstoffen – Mineral Oil Saturated Hydrocarbons (MOSH) gefunden. Die gelten zwar nicht als krebserregend, sind aber auch nicht unkritisch: Gelangen sie in den Körper, können sich einige davon im menschlichen Gewebe einlagern, mit unabsehbaren gesundheitlichen Folgen.
 

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