KONSUMENT.AT - Vitamin D gegen Autismus - Wenig aussagekräftige Studien

Vitamin D gegen Autismus

Weniger Symptome bei Kindern?

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KONSUMENT 7/2021 veröffentlicht: 24.06.2021

Inhalt

Lindert Vitamin D Autismus-Symptome bei Kindern?

Beweislage: unzureichend. Studien zum Thema sind spärlich und wenig aussagekräftig. Auch wenn in einzelnen Studien positive Effekte beobachtet wurden, sind die Ergebnisse doch unklar und widersprüchlich. Eine starke Besserung der Autismus-Symptome zeigte sich in keiner der vorliegenden Studien.

KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Entwicklungsstörung

Autismus ist eine Entwicklungsstörung. Be­troffene Kinder haben Kommunikationspro­bleme. Sie meiden etwa direkten Blickkon­takt, spielen am liebsten allein oder reagieren nicht, wenn man sie anspricht. Manche Kin­der sind stark beeinträchtigt, andere wenig. Der Großteil ist allerdings genauso intelligent wie andere Kinder, manche Autisten sind so­gar hochbegabt.

Schätzungen zufolge sind zwischen 2 und 25 von 1.000 Kindern von Autismus betroffen – Buben drei- bis viermal häufiger als Mädchen. Eine Heilung gibt es nicht, auch die Ursachen sind nicht gut er­forscht. Forscherinnen und Forscher gehen davon aus, dass die Entwicklungsstörung zu­mindest teilweise genetische Wurzeln hat.

Ein Hersteller von Nahrungsergänzungsmit­teln, die Firma HG Pharma, bewirbt ein Vitamin-D-haltiges Präparat mit dem Namen „ImmunoD ATSM“ zur Behandlung von Autismus. Vier Ampullen dieses Mittels kosten 440 Euro. Neben Vitamin D enthält es weitere Inhaltstoffe (Carnosin, Magnesium, die Zucker Galaktose und Trehalose sowie 2-Oxoglutarat).

Keine stichhaltigen Belege

Unsere Kooperationspartner von medizin-transparent.at haben Studiendatenbanken durchforstet, um die Wirksamkeits-Behaup­tungen zu überprüfen, doch sie konnten kei­ne stichhaltigen Belege finden. In den bes­ten verfügbaren Studien zu Vitamin D haben gerade einmal 149 Kinder teilgenommen. Das ist viel zu wenig für eine aussagekräfti­ge Einschätzung. Zudem sind die Ergebnisse unklar und widersprüchlich. Eine starke Bes­serung der typisch autistischen Verhaltens­weisen zeigte sich in keiner der Arbeiten.

Eine Studie wurde sogar von der wissen­schaftlichen Zeitschrift, in der sie zuerst ver­öffentlicht worden war, zurückgezogen. Die berichteten positiven Ergebnisse hatten sich als fehlerhaft und nicht nachvollziehbar erwiesen. Häufig verweisen Internetseiten dennoch auf diese Studie und schüren damit falsche Hoffnung bei Familien mit autistischen Kindern. Auch für andere in „ImmunoD ATSM“ enthaltene Stoffe fehlt jeglicher Hinweis auf eine Wirksamkeit.

Nicht überdosieren!

Bei der Einnahme von Vitamin-D-Präparaten ist grundsätzlich darauf zu achten, dass es zu keiner Überdosierung kommt. Nehmen Kinder (oder auch Erwachsene) deutlich mehr als die empfohlene Tagesdosis, drohen ernste Nebenwirkungen.

Unsere Haut kann Vitamin D in ausreichenden Mengen herstellen. Dazu benötigt sie lediglich Sonnenlicht. Einen kleinen Teil des benötigten Vitamin D holt sich der Körper auch aus der Nahrung, aus Fisch, Eiern oder Leber. Wer in Mitteleuropa öfter im Freien unterwegs ist und sich ausgewogen ernährt, braucht sich vor einem gesundheitsschädlichen Vitamin-D-Mangel nicht zu fürchten.

Täglich in die Sonne

Um gut versorgt zu sein, reicht es aus, sich etwa 5 bis 15 Minuten pro Tag in der Sonne aufzuhalten, im Frühling und Herbst etwas länger. Wenn Gesicht und Hände unbedeckt sind, bildet sich in der Haut genügend Vitamin D. Im Winter deckt der Körper seinen Bedarf an Vitamin D zum Großteil aus gespeicherten Vorräten.

 

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin" finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheitsagentur gefördert.

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