KONSUMENT-Greenwashing Klimaneutrales Gas vom Verbund 5/2021 Taschenspielertrick CO2-Kompensation

Greenwashing: Klimaneutrales Gas vom Verbund

Flüchtiges Versprechen

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KONSUMENT 6/2021 veröffentlicht: 27.05.2021

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Greenwashing: klineutrales Gas Verbund (Screenshot: Verbund 25.5.2021)

 

Was uns stutzig gemacht hat. Ein Konsument schickte uns seine Verbund-­Gasabrechnung. Dort hatte er folgenden Hinweis gefunden: „Wir freuen uns, dass Sie sich für Verbund entschieden haben und damit für klimaneutrales Gas.“ Was bitte, fragte sich der Konsument, ist am fossilen Energieträger Gas klimaneutral? Und wir fragten uns das auch - siehe auch Verbund: klimaneutrales Gas?

Taschenspielertrick CO2-Kompensation

Der Check: Wie macht der Verbund aus einem fossilen Brennstoff einen vermeint­lichen Klimaretter? Mit einem Taschenspielertrick genannt CO2-Kompensation. Das beworbene Gas ist kein erneuerbares Gas, für dessen Erzeugung z.B. Abfälle der Land- und Forstwirtschaft genutzt werden. Nein, es ist ganz normales Erdgas, aus Russland oder sonst woher, das deshalb klimaneutral sein soll, weil die klimaschädlichen Emissionen ­andernorts ausgeglichen werden. Und zwar durch „Förderung und den Ausbau erneuerbarer Energien“, wie der Verbund kommuniziert. Grundsätzlich legal. Grundsätzlich bekannt, z.B. bei Flugreisen. Aber kritisch zu hinterfragen.

Moderner Ablasshandel

Moderner Ablasshandel wird die CO2-Kompensation bisweilen genannt. Um Bedenken zu zerstreuen, verweist der Verbund auf eine Zertifizierung durch den TÜV. Die Kompensations-Pro­jekte, die der Verbund ins Treffen führt: fünf Wasserkraftwerke und die Errichtung eines Windparks. Besonders prominent wird der Bau des Wasserkraftwerks Astha in Alba­nien beworben. Aber Moment? Will der Verbund damit suggerieren, dass er dieses ­Projekt nur deshalb initiiert hat, um End­kunden klimaneutrales Gas anbieten zu können?

Im Grunde: ja. Und das ist mehr als fragwürdig. Denn der Zuschlag zum Bau des Kraftwerks erfolgte schon 2008. Also zu ­einem Zeitpunkt, wo vom "klimaneutralen" Verbund-Gas noch lange keine Rede war. Die Optik ist auch deshalb schief, weil dieses Projekt schon seit Einführung des Produktes "klimaneutrales Gas“ im Jahr 2014 als Kompensationsprojekt herhalten muss. So eine lange Bewerbung entspricht nicht den gängigen Reportinganforderungen bei der Finanzierung von grünen ­Projekten.

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