Kundendaten und Kaufverhalten

Vermessen

Seite 1 von 2

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 8/2018 veröffentlicht: 26.07.2018

Inhalt

Das Kaufverhalten wird nicht nur beim Online-Shopping mitprotokolliert. Mit neuen Tracking-Techniken analysiert der Handel seine Kunden auch in den Geschäften.

„Den Kunden verstehen. Die Wünsche des Konsumenten kennen. Wissen, was er will, bevor er es selbst weiß.“ Es ist eine altbekanntes Credo der Werbebranche, dass die Marketing- und Umsatzmaschinerie umso geschmierter läuft, je mehr Ahnung man von seiner Klientel hat. Die Möglichkeiten, solches Wissen über die Kunden anzuhäufen und zu verwerten, sind in Zeiten von Big Data gewaltig gestiegen. Immer mehr stationäre Händler versuchen derlei Tracking-Verfahren (Tracking, engl. für Verfolgung) auch in die analoge Welt zu übertragen.

O2O-Measurement

O2O-Measurement, Online-zu-Offline-Messung, nennt sich der neue IT-Trend. So bietet beispielsweise Google den Händlern eine Reihe von Möglichkeiten, ihre Kunden zu vermessen. Bei einer Studienpräsentation erklärte ein Vertreter von Google Österreich, dass 47 Prozent der befragten Händler messen, ob eine Person, der online Werbung für ihr Unternehmen gezeigt wurde, dann auch eine ihrer Filialen besucht hat.

28 Prozent der Händler messen sogar, ob jemand, der mit Online-Werbung für sie in Kontakt gekommen ist, dann einen Kauf in einer ihrer Filialen getätigt hat. Tendenz stark steigend, zumal die Methode hierzulande erst seit knapp zwei Jahren im Einsatz ist. Wohlgemerkt: Die Umfrage wurde nicht in den USA, sondern unter den größten heimischen Handelskonzernen durchgeführt.

Google Maps genügt

Die Voraussetzungen dafür, dass eine derartige Schnüffelei überhaupt möglich ist, sind denkbar einfach: Der Einzelne muss ein Smartphone mit sich herumtragen, darauf Google Maps installiert und dort den Standortverlauf aktiviert haben. Noch weit mehr lässt sich messen, wenn sich der Nutzer auf einem Online-Auftritt eines Händlers einloggt oder seine App installiert.

Es kann dem Händler noch viel exaktere Standortdaten übermitteln, als dies über GPS möglich ist. Vor welchem Regal steht die Person und wie lange? Entscheiden die Algorithmen der Marketingsoftware, dass die Person eine kleine Motivation zum Kauf braucht, dann schicken sie ihr einen Rabattcoupon aufs Handy. Willkommen in der Welt der individualisierten Werbung!


Lesen Sie auch unseren Cartoon: Datenhandel 8/2018 zu diesem Thema.

Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
9 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Selber Schuld!
    von Mystery-Guest am 18.08.2018 um 12:03
    Ich habe auf meinem Smartphone NIEMALS die Standortbestimmung eingeschaltet. Als Browser verwende ich Firefox (= diesbezüglich keine Schleichwerbung), denn da kann ich die Sicherheit so einstellen, dass beim Ausloggen sämtliche Cookies gelöscht werden.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo