Datenhandel: Die Super-Schnüffler

Geschäfte mit Social Media und Kundenprofilen

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KONSUMENT 2/2018 veröffentlicht: 24.01.2018

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In der Öffentlichkeit kennt man sie kaum, doch sie kennen uns. Die echten Profis im Datenhandel lassen Facebook, Google & Co wie Waisenknaben dastehen.

Die Tatsache, dass Google, Facebook oder Amazon eine Menge Daten über uns sammeln, ist allgemein bekannt. Dabei sind ihre Machenschaften nur ein kleiner Teil dessen, was in der Welt der digitalen Datengeschäfte tatsächlich passiert. Im Hintergrund arbeitet eine Unzahl an relativ unbekannten Firmen daran, unser Leben zu protokollieren und uns bis in die intimsten Winkel unserer Persönlichkeit zu durchleuchten. Oder haben Sie schon einmal von Acxiom, Cambridge Analytica oder Imagini gehört?

Unterschiedlich behandelt

Sie sind Spezialisten darin, Branchen wie den Marketingsektor, den Handel, Versicherungen, das Finanz- und in manchen Teilen der Welt sogar das Gesundheitswesen mit Daten zu versorgen. Mit Infos, die ausgewertet werden und dazu führen, dass Menschen unterschiedlich behandelt werden – je nachdem, in welche Kategorie sie fallen.

Drei Milliarden Datensätze

Die Firma Oracle beispielsweise ist vielen zumindest vom Namen her ein Begriff. Sie verfügt über Datendossiers von über drei Milliarden Menschen, mit denen sie mit 430.000 Unternehmen in 175 Ländern Handel treibt, sprich: Bis auf 20 Staaten ist ­Oracle überall auf dem Erdball präsent. Die Informationen holt sich der Konzern von Millionen von Webseiten, von Facebook, von Tausenden Handelskonzernen, von Kredit­auskunfteien und anderen Datenhändlern.

Das Unternehmen wirbt damit, "komplettestmögliche Kundenprofile" anbieten zu können, "die umfangreichste Einsicht auf den Konsumenten" zu haben, basierend auf Daten darüber, "was sie (die Konsumenten, Anm.) machen, was sie sagen und was sie kaufen".

700 Millionen Social-Media-Einträge pro Tag

Dafür wertet Oracle allein aus den Social-Media-Kanälen 700 Millionen Einträge aus – an einem Tag! Mithilfe einer Software ist das Unternehmen in der Lage, einer bestimmten Person jedes von ihr verwendete Gerät (Handy, PC, Tablet) zuzuordnen. Jede Mail-Adresse, jede von Cookies im Netz gesammelte Info, Tweets, Posts, Bilder, Videos, die Postadresse und andere Offline-Daten: Alles fließt auf den Servern dieser Firma zusammen.

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Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
7 Stimmen

Kommentare

  • Threema
    von theltalpha am 21.02.2018 um 19:43
    Sehr geehrte Redaktion! Hier scheint wohl ein grundlegendes Verständnisproblem vorzuliegen: Dass externe Prüfungen und Tests die Seriosität von Threema bestätigten ist zwar ein nettes Gimmick, aber: Wie kann man sicherstellen, dass der zur externen Prüfung vorgelegte Softwarecode identisch ist mit demjenigen, der als kompiliertes ausführbares Programm vom Benutzer heruntergeladen werden kann? Antwort: Gar nicht. Ich will dem Hersteller gar nichts unterstellen und es gibt meines Wissens auch keine Anzeichen, die dessen Seriosität in Frage stellen würden, aber hier geht es, wie gesagt, um DAS Grundprinzip in Sachen Privatsphäre und Sicherheit. Zur Frage nach Alternativen bin ich - nachdem mir das Thema irgendwie bekannt vorgekommen ist - auf ein Kommentar von mir selbst gestoßen, das ich zu diesem Thema einmal geschrieben habe, es wurde zu diesem Artikel verfasst: https://www.konsument.at/geld-recht/datenschutz-whatsapp?pn=1. Schade, dass meine Anmerkungen von damals für diesen Artikel nicht berücksichtigt wurden. TextSecure nennt sich mittlerweile Signal, SMSSecure nennt sich Silence. Die erwähnte Secure Messaging Scorecard der Electronic Frontier Foundation findet sich mittlerweile als Archivversion unter https://www.eff.org/node/82654, sollte aber laut https://www.eff.org/secure-messaging-scorecard, auf der eine neue Version der Scorecard beziehungsweise ein Secure Messaging Guide angekündigt wird, nicht mehr herangezogen werden.
  • Threema
    von REDAKTION am 19.02.2018 um 08:02
    Die Tatsache, dass Threema nicht quelloffen ist, war bereits von Beginn an ein Kritikpunkt. Nichtsdestotrotz haben diverse Tests und externe Prüfungen immer wieder die Sicherheit und Seriosität von Threema bestätigt. Auch hat das Unternehmen und seine Server den Sitz in der Schweiz. Es geht schon immer auch um die allgemeine Vertrauenswürdigkeit. Ansonsten könnte man noch Signal empfehlen, quelloffen und hinsichtlich der Speicherung von Nutzerinformationen ein Minimalist. Allerdings ist auch der Funktionsumfang relativ gering und das Unternehmen sitzt in den USA. Haben Sie noch andere Empfehlungen, theltalpha? Ihr KONSUMENT-Team
  • Threema?
    von theltalpha am 16.02.2018 um 22:54
    Es wundert mich, dass hier Threema positiv hervorgehoben wird. Threema ist nicht quelloffen. Quelloffenheit, also die Möglichkeit, den Softwarecode anzusehen und das Programm selbst zu kompilieren, ist aber die wichtigste Voraussetzung für Privatsphäre und Sicherheit, da man sonst keine Möglichkeit hat, festzustellen, was das Programm wirklich macht, an wen es Daten versendet usw.
  • Tracking
    von REDAKTION am 29.01.2018 um 10:59

    Danke für Ihren Hinweis. Das, was Sie da gefunden haben, ist bei genauerem Hinsehen ok.

    Wir müssen wissen, welche unserer Artikel Interesse finden und welche nicht. Vor Jahren wurde uns empfohlen zur Webanalyse Google Analytics zu verwenden. Das Programm wäre sehr leistungsfähig und kostenlos (wichtig für eine Organisation, die nicht in Geld schwimmt). Nachteil: Google würde damit viel über unsere User auf konsument.at erfahren. Nein, haben wir gesagt, machen wir nicht.

    Stattdessen verwenden wir zur Webanalyse Webtrekk; Webtrekk kostet einiges an Geld, aber als kritische Konsumentenorganisation können wir nicht einfach Daten unserer User an Google weiterreichen. Das Element cdn.wbtrk.net brauchen wir zur Webanalyse mit Webtrekk. Der Google Tag-Manager ist ein Instrument von Google, mit dem man die Analyse einer Website technisch besser verwaltet (siehe: http://www.netzstrategen.com/sagen/webwissen-google-tag-manager/ ) Der Google Tag-Manager liefert aber keine User-Daten an Google.

    Ihr KONSUMENT-Team

  • Und was schreibt KONSUMENT mit?
    von DIPol am 28.01.2018 um 10:53
    Noscript zeigt mir an, dass, während ich den KONSUMENT-Beitrag über Datenhandel lese, googletagmanager.com und cdn.wbtrk.net aktiv sind. Im Auftrag von KONSUMENT oder unabhängig davon?
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo