KONSUMENT.AT - ÖBB-Cards: Verwirrspiel für Senioren - Jährliche Preiserhöhung

ÖBB-Cards: Verwirrspiel für Senioren

Teure Zwangsbeglückung

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KONSUMENT 5/2019 veröffentlicht: 28.04.2019

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Ein seltsames Verwirrspiel treiben die ÖBB mit Stammkunden, die sich eine Österreichcard leisten oder in das Reich der Seniorenermäßigung (derzeit 63 Jahre) eintreten.

Die Österreichcard der ÖBB, die Jahreskarte für ÖBB-Züge und einige Privatbahnen (ausgenommen Westbahn), könnte für Bahnfahrer das sein, was für viele das eigene Auto vor der Haustür ist: ein niedrigschwelliger Mobilitätszugang; einfach einsteigen und losfahren, ohne jedes Mal zuerst die nötige Fahrkarte besorgen zu müssen. Doch die ÖBB geben ihren Stammkunden, die auf eine Österreichcard setzen, preislich – und auch leistungsmäßig – seit Jahren kalt-warm. 

Im Juli 2012 überraschten sie positiv, indem sie die Preise für dieses Produkt um rund 8 Prozent senkten. Die Preissenkung schien durchaus logisch und gerechtfertigt, war ja der Leistungsumfang der Österreichcard über die Jahre deutlich geschrumpft – etwa durch die Einstellung zahlreicher Bahnlinien und den Wegfall vieler zuvor inkludierter Leistungen (z.B. Zutritt zu den ÖBB-Lounges für Inhaber von Österreichcards 2. Klasse oder kostenlose Radmitnahme-Tageskarten). Doch diese Preis-Leistungs-Anpassung schien die ÖBB bald wieder zu reuen. 

Österreichcard: Jährliche Preiserhöhung 

Seither wurden die Preise nun fast jährlich deutlich hochgefahren: 2015 und 2017 waren es jeweils plus 2,5 Prozent (2. Klasse) bzw. plus 5 Prozent (1. Klasse), 2018 plus 4 bzw. plus 8 Prozent. 2019 wurden nochmals 3 bzw. 6 Prozent aufgeschlagen. Der Preis für die Österreichcard ist heute mit 1.889 Euro (ÖC Classic 2. Klasse) und 2.839 Euro (ÖC Classic 1. Klasse) bereits um 15 Prozent (2. Klasse) bzw. gar um 29,6 Prozent (1. Klasse) höher als vor sieben Jahren. 

Die ÖBB rechtfertigen diese Preiserhöhungen mit dem Hinweis, dass die Österreichcards deutlich billiger seien als Vergleichsangebote in der Schweiz (Generalabonnement Erwachsene, 2. Klasse, 3.392 Euro) und in Deutschland (BahnCard 100, 2. Klasse, 4.270 Euro). Das lässt für die Zukunft Teures befürchten. Dabei ist der Vergleich schlicht falsch, denn das SBBGeneralabo umfasst neben den Zügen auch die Nutzung der Buslinien, Stadtverkehre, Schiffe und Seilbahnen in der Schweiz. Und das in Deutschland mit der BahnCard 100 nutzbare Schienennetz ist mehr als sechsmal so lang wie die mit der Österreichcard befahrbare Strecke (rund 5.200 km) und es kann auch der Nahverkehr in über 120 Städten genutzt werden.

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Kommentare

  • Seniorentarife: Einseitiges Geraunze ohne Ende
    von Tarifdschungler am 02.07.2019 um 15:33
    Die Redaktion beschränkt sich gezielt auf einseitige negative Leserrückmeldungen und die daraus fabrizierten Halbwahrheiten - ärgerlich! (Unkenntnis kann es nicht sein, da bereits in der Vergangenheit Gegenbeispiele vorgebracht wurden.) Vom VKI werden nur Beispiele gebracht, wo der Verbund-Seniorentarif teurer ist als der ÖBB-Vorteilstickettarif. Und unerwähnt gelassen wird immer, dass bei einem VOR-Seniorenticket mit Wien in Wien sämtliche Verkehrsmittel (U-Bahn, Bim, Bus) benützt werden können, während ÖBB-Tickets VC Classic/66 nur auf Bahnstrecken in Wien gelten, und dass sich für Senioren (und nur für diese) eine Jahreskarte für Wien immer mit 1,50 preismindernd auswirkt.

    Es gibt durchaus auch Strecken, wo das VOR-Seniorenticket generell günstiger ist, z.B.:
    o Gmünd (NÖ) - Wien mit VC Senior 16,70 (inkl. Kernzone!) und 15,20 für Inhaber einer Senioren-Jahreskarte für Wien, mit VC Classic hingegen 17,10 (nur Bahn) bzw. 19,50 (inkl. Kernzone)
    o Wien Hbf - Eisenstadt via Neusiedl ist um 1,60 billiger als mit VC Classic und gilt auch auf Buslinien (mit VC Classic um 4,70 teurer!).
    Aber das wird nicht erwähnt, sondern einfach ignoriert. (Preise nach VOR-Tariferhöhung 1.7.2019)

    Ich bin jedenfalls seit nicht allzu langer Zeit ein zufriedener Inhaber einer VC Senior und genieße die Vorteile - auch wenn die eine oder andere Strecke mit der VC Classic/66 billiger käme.

    Dass eine VC Senior notwendige Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Verbund-Seniorentarifen sein muss, ist allerdings eine Ausrede der Verkehrsverbünde, denn jeder VC-Inhaber muss einen Lichtbildausweis dabei haben, da die Vorteilscards mittlerweile ohne Lichtbild ausgestellt werden. Da darin auch das Geburtsdatum vermerkt ist, würde er genügen. In Wien und Innsbruck genügt ein Altersnachweis.

    Eine VC Classic/66 kann jede/r unabhängig vom Alter erwerben. Der Automatismus betrifft nur Abonnenten. Doch der VKI wird zum blindwütigen Sprachrohr der Raunzergemeinde und zieht einen an sich positiven Service ins Lächerliche. Aber wehe, es wäre umgekehrt: Wenn das Alter nicht automatisch berücksichtigt werden würde, dann würde der VKI das genauso kritisieren.
    --
    Nicht das Trachten nach einer seriösen Ges
  • Vorteilscard Classic vs. Senior
    von SirDi am 28.04.2019 um 01:30
    Irgendwie kam mir das Preisbeispiel nicht ganz nachvollziehbar vor, habe daher nachrecherchiert - und es wird noch viel absurder.

    Gänserndorf - Wien-Landstraße mit VK Classic: € 2,70.
    Gänserndorf - Wien-Landstraße mit VK Senior: € 4,30.

    Und damit es nicht so einfach ist:
    Gänserndorf - Wien-Süßenbrunn (also Stadtgrenze) mit VK Classic: € 2,70.
    Gänserndorf - Wien-Süßenbrunn (also Stadtgrenze) mit VK Senior: € 2,80.
    Eine interne Logik hat das schon:
    VK Senior: Gänserndorf - Süßenbrunn (€ 2,80) + Süßenbrunn - Landstraße (€ 1,50 Seniorenticket WStW) = € 4,30.

    Natürlich erklärt das nicht, warum die VK Classic die wieninterne Strecke beinhaltet, die VK Senior aber nicht. (Und auch die zusätzlichen € 0,10 bleiben ein Geheimnis.)

    Jetzt wurde ich neugierig und "spielte" weiter:

    Wien-Süßenbrunn - Wien-Landstraße (S-Bahn) mit VK Classic: € 1,20
    Wien-Süßenbrunn - Wien-Landstraße (S-Bahn) mit VK Senior: € 2,40
    = keine Ermäßigung durch VK Senior innerhalb Wiens.

    Salzburg - Wien Meidling mit VK Classic: € 27,80
    Salzburg - Wien Meidling mit VK Senior: € 27,80
    = kein Unterschied zwischen den beiden VKs

    Und es gibt auch Vorteile für VK Senior:
    Salzburg - St. Gilgen (Bus) mit VK Classic: € 6,90 (= keine Ermäßigung)
    Salzburg - St. Gilgen (Bus) mit VK Senior: € 5,50

    Ausgespielt ;-) ... Bei all den Absurditäten genieße ich die Kombination aus ÖBB VK-Senior und Wiener Senioren-Jahreskarte.

    LG DO
  • ÖBB Vorteilscard Senior
    von Bauer Ingrid am 25.04.2019 um 17:51
    Ihr Artikel hätte ausführlicher ausfallen müssen. Ich fahre seit Jahren mit obiger Karte und fühle mich dadurch gut bedient. Wenn ich nach Wien fahre und gleich mit Öffis weiter, zahle ich 4,30. Nehme ich eine Tageskarte kann ich in Wien kreuz und quer mit Öffis fahren und wieder heim und zahle 10,60. Die Classic-Card kostet 99,00 - so oft fahre ich nicht, dass sich das auszahlt und wie ich hörte muss man dann für den Stadtverkehr in Wien extra die Tickets kaufen.
    Interessant ist ein neues Angebot der ÖBB, das Sie nicht erwähnen: die günstige Vorteilscard 66 (unabhängig vom Alter), die kann aber nur über Internet gebucht werden. I. Bauer, Bad Vöslau