Lebensmittel-Checks 2018: dreiste Schmähs

Bilanz des Ärgers: unsere LeserInnen haben gewählt!

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KONSUMENT 2/2019 veröffentlicht: 31.01.2019

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Mehr Luft als Inhalt, irreführende Verpackungsangaben, versteckte Preiserhöhungen. Wir präsentieren die größten Ärgernisse des vergangenen Jahres.

Tarnen und täuschen: Was auf einer Verpackung steht, sollte auch drin sind, finden wir. Hier die größten Ärgernisse des vergangenen Jahres. (Bild: VKI)

Wenn Sie sich über die Packungsaufmachung, die Kennzeichnung oder die Art der Bewerbung eines Lebensmittels ärgern, dann können Sie uns das Produkt über ein Formular auf www.lebensmittel-check.at melden. Vielleicht haben Sie ohnehin bereits von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht? Dank der Mithilfe unserer Leserinnen und Leser konnten wir auch im Vorjahr wieder mehr als 100 Lebensmittel-Checks veröffentlichen – zwei Mal wöchentlich online und auf Facebook sowie ein Mal im Monat in KONSUMENT.

Jede Meldung wird von unserer Fachabteilung bewertet, das betreffende Produkt wird eingekauft und der angegebene Mangel unter die Lupe genommen. Anschließend fordern wir vom Hersteller oder Vertreiber eine Stellungnahme zum Produkt und zu der bei uns eingelangten Konsumentenbeschwerde an. Erreicht uns innerhalb  einer Woche keine Antwort, fragen wir nach. Erfolgt abermals keine Reaktion, wird der Lebensmittel-Check dann eben ohne Stellungnahme veröffentlicht.

Luftpackungen: Ressourcenverschwendung

Die Nummer eins unter den Ärgernissen sind eindeutig überdimensionierte Verpackungen. Sie erwecken den Eindruck, dass mehr vom Produkt drin ist als tatsächlich vorhanden. Darüber hinaus sind sie alles andere als umweltfreundlich – Stichwort Ressourcenverschwendung. Auf unsere Kritik wegen zu groß bemessener Verpackungen kontern Hersteller immer wieder, dass es aus technischen Gründen nicht möglich sei, die Packung ganz zu befüllen.

Zusätzlich argumentieren sie oft, auf der Packung sei ohnehin der Hinweis „Füllhöhe technisch bedingt“ aufgedruckt. Dieser Hinweis ist für Kunden allerdings wenig hilfreich. Meistens wird er schlichtweg übersehen. Und selbst wenn er entdeckt wird, so wissen viele Kunden nicht, was er bedeutet. Ab wann gilt eine Packung nun als Mogelpackung?

Häufiges Händlerargument: Verpackungserfordernisse

In Deutschland ist immerhin in einer Leitlinie festgelegt, dass das Luftvolumen in Verpackungen maximal 30 Prozent des Gesamtvolumens ausmachen darf. Dann gilt die Vermutung, dass es sich um eine Mogelpackung handelt, wobei der Händler immer noch mit Verpackungserfordernissen argumentieren kann. Bei uns gibt es bisher keine vergleichbaren Vorgaben. Aber man kann nach dem Gesetz gegen unlauteren Wettbewerb gegen Luftpackungen vorgehen.

Klage gegen Starbucks gewonnen

Wir brachten vor einigen Monaten die amerikanische Kette Starbucks wegen einer unserer Ansicht nach dreisten Mogelpackung vor Gericht: Starbucks hatte Tee in halb leeren Schachteln verkauft. Im Karton waren 12 Teebeutel. Erst nach dem Öffnen der Schachtel war zu erkennen, dass die 12 Beutel die Packung nicht einmal zur Hälfte ausfüllten.

Verpackungsärger: Mogelpackung Teavana-Teebeutel von Starbucks (Foto: VKI)

Wir klagten Starbucks wegen des Vertriebs irreführender Teeverpackungen und bekamen vor dem Handelsgericht Wien recht. Die Firma muss es nun in Österreich unterlassen, von ihr vertriebene Tees in Verpackungen anzubieten, die erheblich größer sind, als es die Menge des darin enthaltenen Tees erfordert.

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Kommentare

  • Überregeliert?
    von dlder am 22.02.2019 um 07:47
    Man möchte meinen, dass Österreich und die EU von Gesetzen überschwemmt und überreguliert sei.
    Wenn man aber bedenkt wie man als Kunde belogen wird (nicht nur bei Lebensmittel), so muss selbst ich zugeben, dass ein mehr an Regeln/Gesetzen und strengeres vorgehen der Behörden zumindest im "lebenswichtigem" Lebensmittel-Bereich stark zu begrüßen wäre!
  • Trauriger Trend
    von santodomingo am 15.02.2019 um 19:47
    Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Konzerne mittlerweile mehr Geld ausgeben, um den Kunden in die Irre zu führen und die Zutatenliste so klein wie möglich auf den Produkten zu platzieren, als für das Produkt selbst. Ein trauriger Trend, denn man fühlt sich irgendwie immer belogen und getäuscht. Warum nicht ehrlich und gut lesbar draufschreiben, was drin ist? Mittlerweile sollten die Hersteller auch draufgekommen sein, dass die Kunden kritischer werden und sich nicht mehr für dumm verkaufen lassen.
    Ohne Brille kann ich gar nicht mehr einkaufen gehen...............
  • Marlenka Honigtorten-Kugeln
    von 0809brigitte am 06.02.2019 um 09:50
    Ich liebe seit Jahren tschechische Honigtorte, die vom Hersteller Marlenka inzwischen als rechteckige Torte z.B. bei Merkur, und seit Kurzem auch als Kugeln (z.B. bei Billa) erhältlich sind.
    Bei den Kugeln erlebte ich eine ärgerliche Überraschung: in einer großen Kartonverpackung, die mindestens 20 Stück, möglicherweise auch eine "2. Lage", vermuten lässt, sind lediglich 12 Stück enthalten. Diese sind noch umständlich auf einem Plastiktray mit Plastikdeckel angeordnet, und trotz Karton-Abstandhalter ist immer noch ein Teil der Verpackung leer. Wird wieder Zeit für ein Schreiben an den Hersteller...
  • Downsizing
    von ling am 01.02.2019 um 10:20
    Milka-Schokoladen (früher 300 g) sind mittlerweile nur mehr 270 g schwer, kosten aber nach wie vor soviel wie die ehemaligen 300-Gramm-Tafeln. Das Gewicht ist in sehr kleiner Schrift aufgedruckt und optisch ist der Unterschied natürlich nicht zu erkennen. Anfangs waren es nur einige Sorten und es gab auch welche mit 280 g, mittlerweile dürfte man jedoch generell nach unten "vereinheitlicht" haben.
    In solchen Fällen fragt sich der mündige Konsument natürlich: Wo bleibt hier die EU-Kommission mit ihrem Verordnungs- und Regulierungswahn? Bei diesen Produkten hätte es wenigstens einen Sinn!
    Böse Zungen werden vielleicht meinen, dass es sowieso gesünder sei, statt 300 g nur mehr 270 g zu essen. Das ist schon in Ordnung, doch dann möchte ich auch nur 270 g bezahlen.
Bild: Das KONSUMENT-Geschenk-Abo