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Klimawandel: "Wir müssen Druck auf die Politik machen"

Nachhaltiges Interview

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KONSUMENT 11/2019 veröffentlicht: 24.10.2019

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Vom Konsumenten zum mündigen Bürger

Der mündige Konsument, der mit seinen Kaufentscheidungen das Zünglein an der Waage ist, ist also eine Mär?

Blazek. Der mündige Konsument … Der muss immer als Ausrede herhalten: „Was sollen wir machen? Die Konsumenten spielen halt nicht mit.“ Aber es kommt nicht auf den Konsumenten an. Wir leben in einer Wirtschaft, die von den Unternehmen diktiert wird.
Wolf. Es geht darum, dass wir wieder mündige Bürger werden sollten – und nicht nur Konsumenten sind.

Es ist also nicht verlogen, für den Klimaschutz zu demonstrieren, wenn man regelmäßig in ein Flugzeug steigt? Oder konventionelles Fleisch zu essen und trotzdem mehr Tierwohl einzufordern?

Wolf. Doch, das finde ich schon etwas verlogen.
(Peter Blazek lächelt nicht ganz zustimmend.)

Aber alles mit schlechtem Gewissen zu machen – Fliegen, Autofahren, Fleischessen – kann auch nicht die Lösung sein, oder?

Wolf. Nein, natürlich nicht. Ein schlechtes Gewissen bringt uns auch nicht weiter. Oder aufeinander loszugehen, mit dem Finger auf andere zu zeigen, wie das in Social Media oftmals der Fall ist.

Wie muss sich unser Wirtschaftssystem ändern, damit es enkeltauglich wird?

Wolf. Wir müssen weg vom Wachstumsdenken.
Blazek. Dieser Wachstumsfetischismus ist wirklich so etwas von überholt und jenseitig. Und Politiker und Sozialpartner, wenn man denen teilweise bei Reden zuhört, die argumentieren wie in den 1950er-Jahren. Da muss ein Umdenken her!

Die Gelbwestenproteste in Frankreich haben gezeigt, wie schnell politisch recht ambitionierte „grüne“ Weichenstellungen zum Rohrkrepierer werden können – wenn sie von der Bevölkerung nicht mitgetragen werden. Wie kann man Menschen für den Klimaund Umweltschutz sensibilisieren? Es hat den Anschein, dass viele zwar das Problem erkennen und wissen, was zu tun ist. Den Anfang bei sich selbst zu machen, fällt aber vielen schwer.

Wolf. Ich denke, da sind auch die Medien in der Pflicht, entsprechend konstruktiv zu berichten und über die Zusammenhänge aufzuklären. Dass die Klima- und Umweltkrise, in der wir uns befinden, letztlich untrennbar mit unserem Konsum zusammenhängt.
Blazek. Die jungen Leute holen sich die Informationen aber ohnedies woanders. Heutzutage gibt es so viele andere Informationsquellen. Auch wenn in den klassischen Medien etwas anderes stehen würde, die Jugend lässt sich nicht mehr so leicht manipulieren.
Wolf. Jeder sollte einmal in sich gehen und sich fragen: Was will ich eigentlich und was brauche ich? Ich bin überzeugt, nur wenn es einem selbst gut geht, kann man Teil des Wandels werden, nur dann kann man etwas beitragen zu einer besseren Welt. Zum Beispiel: Ich wollte schon immer einmal nach Australien. Aber was passiert, wenn ich’s nicht mache? Bricht dann meine Welt zusammen? Wohl kaum. Ich bin schon seit einem Jahr nicht mehr geflogen – und es geht mir gut dabei. Zum Glück fahre ich auch sehr gerne mit der Bahn.
Blazek. Man muss doch nicht jedes Jahr für einen Strandurlaub in die Karibik fliegen. Bei Fernreisen geht es wenn dann doch darum, dass man neue Ländern kennenlernt. Aber nur, damit man 14 Tage im Sand liegt? Das kann man auch an der Adria haben.

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