Kaffeeanbieter

Das ist bitter!

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KONSUMENT 7/2014 veröffentlicht: 25.06.2014, aktualisiert: 03.07.2014

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Espresso oder Cappuccino – für uns ein selbstverständlicher Genuss, für Millionen Kleinbauern und Plantagenarbeiter bedeutet er harte Arbeit und kargen Lohn – bis hin zu modernen Formen der Sklaverei.

Diese Kaffeeanbieter haben wir einem Ethik-Test unterzogen:

  • DE Master Blenders (Senseo)
  • Illy
  • Lavazza
  • Mondelez (Jacobs, Tassimo, ...)
  • Nestlé
  • Segafredo
  • Starbucks
  • Tchibo

Die Testtabelle enthält folgende Beurteilungskriterien und Werte: Sozialpolitik, Umweltpolitik, Praxis im Unternehmen, Lieferanten (Anforderungen, Monitoring), Dialogbereitschaft, Unterstützung des Gemeinwesens, Beantwortung des Fragebogens, öffentliches Berichtswesen


Hier der Testbericht: Die Region Kaffa im Südwesten Äthiopiens gilt als Ursprungsland des Kaffees. Die ­Legende besagt, dass im 9. Jahrhundert ein Hirte namens Kaldi im Kata Muduga-Gebirge eines Tages beobachtet hatte, dass eine seiner Ziegen, die von einem Strauch mit weißen Blüten und roten Früchten gefressen hatte, bis in die Nacht hinein munter umhersprang, während die anderen Tiere schliefen.

Als Kaldi selbst die Früchte des Kaffeestrauchs, die im rohen Zustand ungenießbar sind, kostete, hätte er sie angewidert ins Feuer gespuckt, woraufhin wohlriechende Düfte freigesetzt worden seien – die Idee des Röstens war geboren.

Zwischenhändler und Markenfirmen sahnen ab

Kaldi war offenkundig ein schlechter Geschäftsmann, ebenso wie seine Nachfahren. Heute produzieren vier Millionen Klein­bauern in Äthiopien Kaffee, sie können sich damit kaum über Wasser halten, während Zwischenhändler und Markenfirmen den Großteil der Wertschöpfung absahnen.

Fast der gesamte äthiopische Kaffee muss an der Warenbörse in der Hauptstadt Addis Abeba gehandelt werden. Damit soll sichergestellt werden, dass die aktuelle Markt­situation in Echtzeit überall im Land zur Verfügung steht. Doch die miserable Infrastruktur macht dem einen Strich durch die Rechnung. Viele Gebiete sind nicht mit Strom versorgt und so werden die Klein­bauern zu leichten Opfern der Zwischenhändler.

Daniel Godebo, 57-jähriger Kaffeebauer aus Äthiopien, hofft, dass es seinen acht Kindern dank Schulausbildung einmal besser geht: „Als Kaffeebauer gibt es keine Zukunft.“ (Bild: ICRT)
Daniel Godebo
57jähriger Kaffeebauer
aus Äthiopien, hofft,
dass es seinen Kindern
dank Schulausbildung einmal
besser geht: "Als Kaffeebauer
gibt es keine Zukunft."

Kleinbauern müssen sofort verkaufen

"Ich verkaufte meinen Kaffee voriges Jahr um 66 Cent per Kilo, später erfuhr ich, dass mein Nachbar 1,10 Euro bekommen hat," erzählt der 57-jährige Kleinbauer Daniel Godebo. Doch selbst wenn die Bauern über den wahren Wert ihrer Produkte Bescheid wüssten, hätten sie keine Wahl.

Sie müssten in der Regel so schnell wie möglich verkaufen, da sie Rechnungen und Steuern zu zahlen hätten und über keinerlei Ersparnisse verfügten. Der unmittelbare Bedarf an Bargeld bringt sie in eine denkbar schlechte Verhandlungsposition.

"Warten Sie auf einen besseren Preis"

Beschwerden helfen da wenig, wie der 30-jährige Biya Kamal ­erfahren musste. Die Behörden hätten ihn mit den Worten abgewimmelt: "Das ist ein freier Markt, verkaufen Sie doch Ihre Ziegen und warten Sie auf einen besseren Preis." Doch Biya Kamals Familie hat keine Ziegen, sie besitzt zwei Kühe und ein paar Hühner; die benötigt sie, um ein kleines Neben­einkommen zu erwirtschaften, denn von Kaffee alleine könnte sie nicht leben.

Genossenschaften als Lösung

Experten sehen die einzige Lösung für dieses Dilemma darin, dass die Bauern sich in ­Genossenschaften organisieren, die ihnen Darlehen und einen direkten Zugang zur Kaffeebörse verschaffen kann. Durch Ausschaltung der Zwischenhändler könnten die Kaffeebauern einen dreimal so hohen Preis erzielen, so Tadesse Meskele, Gründer einer großen Dachgenossenschaft. Doch bis heute seien nur 20 Prozent der Bauern Genossenschaften beigetreten.

In der Tabelle finden Sie:

Marke, Type, Produkte, Dienstleistungen
Illy Illy, Nestle Nescafe, Nespresso, Tchibo Tchibo, Eduscho, Starbucks Starbucks, DE Master Blenders Senseo, Mondelez Jacobs, Tassimo, Café Hag, Lavazza Lavazza, Segafredo Segafredo

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Wertung: 4 von 5 Sternen
14 Stimmen

Kommentare

  • Segafredo
    von pblazek am 04.11.2014 um 12:27
    Wenn eine Zertifizierung nur zu PR-Zwecken dient, was ist dann erst von einer Selbstdarstellung zu halten, die von keiner Seite bestätigt werden kann? Eine Zertifizierung durch eine unabhängige Organisation sollte heute selbstverständlich sein. Wer glaubt, ohne eine solche auszukommen, muss auf andere Weise belegen, dass er soziale und ökologische Mindeststandards einhält. Über Segafredo sind keine diesbezüglichen Informationen verfügbar. Ihr Konsument-Team
  • Kommentar von Segafredo
    von Thallingerm am 03.11.2014 um 22:43
    Guten Tag, vielen Dank für Ihr Mail, wir sind für alle Anregungen und Fragen unserer Kunden dankbar. Zu unserem Bedauern war der Artikel im Konsument nicht genau recherchiert. Segafredo Zanetti bzw. unsere Muttergesellschaft die Massimo Zanetti Beverage Group ist der einzige Kaffeeanbieter, der über eigene Anbauflächen verfügt. Wir besitzen eine Plantage in Brasilien, die „Nossa Senhora da Guia“, zudem Anbauflächen in Costa Rica (http://www.mzb-group.com/en/activities/roasted-coffee-roasting-plants/dettaglio/cafe-montana), Honduras und Hawaii (http://www.mzb-group.com/en/activities/roasted-coffee-roasting-plants/dettaglio/kauai-coffee ). Auf diesen Plantagen verfolgt Massimo Zanetti, unser Eigner, seine eigene Nachhaltigkeitspolitik. Die Arbeiter sind fix ganzjährig angestellt, verdienen sehr gut, für Unterbringung, Kost und Arbeitskleidung ist gesorgt. Es gibt eine medizinische Versorgung sowie eine Schultransport für die Kinder der Plantagenmitarbeiter. Dieses Engagement ist ein persönliches Anliegen unseres Eigentümers, der sich den Arbeitern auf unseren Anbauflächen verpflichtet fühlt. Daher wird es auch keine kostenintensive, aber lediglich zu PR-Zwecken dienende Zertifizierung unserer Plantagen geben. Um sein soziales Engagement noch besser koordinieren zu können, hat Herr Zanetti die Fondazione Zanetti Onlus gegründet (http://www.fondazionezanetti-onlus.org/en/), die humanitäre Projekte in Südamerika und Afrika fördert.
  • Meinl
    von REDAKTION am 30.06.2014 um 14:57

    Es handelt sich um einen internationalen Gemeinschaftstest, nationale Kaffeeanbieter konnten nur zum Teil berücksichtigt werden. Aus Kostengründen haben wir uns entschlossen, nur die bedeutendsten Anbieter auf dem heimischen Markt mittesten zu lassen. Wir bitten um Verständnis.

    Ihr Konsument-Team

  • kaffeetest
    von DorisG am 28.06.2014 um 10:20
    frage: wieso wurde meinl kaffee nicht erwähnt????
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