KONSUMENT.AT - Vegane Burger - Umweltschutz: vegane Burger im Vorteil

Vegane Burger

Gesünder als aus Fleisch?

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KONSUMENT 12/2020 veröffentlicht: 16.11.2020

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Gentechnik

Ein immer wiederkehrender Aufreger ist das mögliche Vorhandensein von gentechnisch veränderten Zutaten in Lebensmitteln. Hier ist vor allem Soja zu nennen, das in fünf Produkten enthalten ist. Unsere Unter­suchung ergab, dass die beiden Produkte von Veggie Life und Next Level Meat kein gentechnisch verändertes Soja enthalten. Im Sensational Burger von Garden Gourmet sowie im Burger von Rügenwalder Mühle konnten wir gentechnisch verändertes Monsanto-Soja in geringen und nicht kennzeichnungspflichtigen Mengen nachweisen. Der Befund zum Veganen Burger von Garden Gourmet war nicht eindeutig. Hier fanden wir zwar DNA-Sequenzen, die auf gentechnisch verändertes Material hinweisen, allerdings konnten wir die Spuren keiner bestimmten Pflanze zuordnen.

Kennzeichnung

Mit zwei Ausnahmen erfüllten alle Proben, was die Kennzeichnung anbelangt, die gesetzlichen Anforderungen. Beim Fan Burger von Veggie Life war die vorgeschriebene Mindestschriftgröße etwas zu gering. Beim Sensational Burger von Garden Gourmet wich der analysierte Wert an gesättigten Fettsäuren stark vom auf der Verpackung deklarierten Wert ab. Diese Probe entspricht damit nicht der Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV).

Bezeichnungen "Burger" oder "Wurst"nur für Fleischprodukte?

Die Kennzeichnung von veganem Fleisch- ersatz ist allerdings noch in anderer Hinsicht umstritten. Agrarverbände und Fleisch­industrie betreiben auf EU-Ebene und auf nationaler Ebene starkes Lobbying, um Bezeichnungen wie „Burger“ oder „Wurst“ ausschließlich für Fleischprodukte zu reservieren. In einer Presseaussendung der österreichischen Wirtschaftskammer war sogar davon die Rede, dass die Freigabe von Wurst- und Fleischbezeichnungen für vegetarische Imitate Österreichs strengen Lebensmittel-Codex aushebeln würde. Die Konsumenten sehen dies offenbar anders.

Keine Fantasienamen

Umfragen des Europäischen Verbraucherverbandes (BEUC) in mehreren EU-Mitgliedstaaten wie auch eine sehr umfangreiche Erhebung der deutschen Verbraucherzen­trale zeigten, dass Verbraucher sich durch die Verwendung der Bezeichnungen „Burger“ oder „Wurst“ für vegetarische Produkte nicht getäuscht fühlen. Darüber ­hinaus lehnen sie Fantasienamen für derartige Produkte ab. Das EU-Parlament zog am 23. Oktober diesen Jahres einen vorläufigen Schlussstrich und sprach sich gegen ein Verbot der Vermarktung von Fleisch­ersatzprodukten unter Begriffen wie „Veggie- Burger“ oder „vegane Wurst“ aus.

Nachhaltigkeit

Was den Umweltschutz angeht, sind die veganen Burger gegenüber den Fleischprodukten allerdings klar im Vorteil. Während bei der Produktion von 100 Gramm texturiertem Soja nur 0,17 Kilogramm CO2-Äquivalente anfallen, sind es laut der Zeitschrift ÖKO-TEST bei 100 Gramm Rindfleisch 1,23 Kilogramm CO2-Äquivalente, also fast das Zehnfache. Das gilt aber nur für Soja, das in Europa angebaut wird und nicht auf gerodeten Regenwaldflächen. Das „Burger- Soja“ stammt in der Regel aus Europa. Regen­wald-Soja landet in Österreich dagegen ­typischerweise im Tierfutter.

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Kommentare

  • Der Geschmack ist nach wie vor das Wichtigste
    von Mag Zirnig am 23.12.2020 um 22:30
    Die einheitliche Geschmackseinstufung der Fachverkoster als "sehr gut" und die Beschaffenheitsbeschreibung als "in Ordnung" ist gleich "sehr gut" orientiert sich offenbar an der Bezeichnung "Burger" und dem damit verbundenen Mindeststandard für Fast Food, das mit viel Ketchup und Mayonnaise gegessen wird. Ich habe beim Durchkosten ein saftiges faschiertes Laibchen als Vergleichsmaßstab herangezogen, das ohne geschmacksverändernde Sauce gegessen wird, und deutliche Unterschiede in Geschmack und Konsistenz festgestellt. Während die Iglu Burger-Laibchen und die Veggie Life Bratlinge (nicht im Test) sehr nahe an die Fleischvorlage herankommen, ist z.B. der Garden Gourmet Sensational Burger weit davon entfernt und hat eine dichte, zähe Konsistenz, die beim Kauen eher an flachsiges Fleisch erinnert. Warum keine zeitlich gestaffelte Laienverkostung unter Einhaltung von Covid-19-Regeln organisiert werden konnte, ist mir nicht klar. Nach der Beschreibung der Miniverkostung zu urteilen, wäre das Ergebnis bestimmt aussagekräftiger gewesen als die Experteneinstufung. Ich hoffe auf einen Folgetest, z.B. von vegetarischen Bällchen, mit differenzierter Geschmacksbewertung und vielleicht auch Aussagen zur Haltbarkeit und der Qualität dieser Produkte gegen Ende der Haltbarkeitsfrist.
  • Verpackung der Burger
    von klaushengster am 19.11.2020 um 15:05
    Wie sieht es mit der Verpackung der Burger aus? Wurden die verschiedenen Folien und Schalen auf Weichmacher odgl. Schadstoffe auch getestet? So kleine Mengen stellen doch ein grosses Abfallproblem dar.Am besten selbst kochen - da weiss man, was drin ist und vermeidet viele Schadstoffe.