Wirtschaftsbegriffe: Bruttoinlandsprodukt

Ein Wohlstandsmesser?

Seite 1 von 8

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 7/2017 veröffentlicht: 29.06.2017

Inhalt

In Politik und Wirtschaft ist das BIP ein wichtiger Richtwert. Für den Einzelnen sagt es wenig über seinen tatsächlichen Wohlstand aus.

"Ja, jetzt wird wieder in die Hände gespuckt, wir steigern das Bruttosozialprodukt", hieß es in einem populären Lied, das die deutsche Gruppe "Geier Sturzflug" in den 1980er-Jahren an die Spitze sämtlicher deutschsprachigen Hitparaden katapultierte.

Gesamtwert aller inländischen ...

Der Nummer-1-Hit setzte damit einen Begriff in den Köpfen der Bevölkerung fest, der bis dahin nur Fachleuten leicht über die Lippen gekommen war. Das Lied wird mitunter auch heute noch angestimmt, das Bruttosozialprodukt hingegen wurde als wirtschaftliche Messgröße weitgehend vom Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, verdrängt. Darunter wird sehr vereinfacht die Summe aller im Inland produzierten Waren und Dienstleistungen zusammengefasst.

... Waren und Dienstleistungen

Das BIP ist eine Kennzahl der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, die den Gesamtwert aller Waren und Dienstleistungen misst, die in einem bestimmten Zeitraum (meist in einem Jahr) innerhalb einer Volkswirtschaft hergestellt wurden, wobei Vorleistungen wie Bauteile, Rohstoffe oder Dienstleistungen, die bereits in ein ausländisches oder das heimische BIP eingeflossen sind, abgezogen werden. Jede Wertschöpfung, also Schaffung oder Steigerung eines Wertes, soll somit nur einmal im BIP eines Landes erfasst werden.

Grafik: BIP – Beitrag einer Wertschöpfungskette.

 

Fotos: Number1411, alphaspirit, punghi, Ljupco Smokovski, 279photo Studio Dmitry Kalinovsky / Shutterstock.com

(Klick für Großdarstellung)

Der Energieerzeuger importiert Rohöl aus dem Ausland im Wert von 25 €; die sind bereits in das BIP des exportierenden Landes eingeflossen und daher von dem Wertschöpfungsbeitrag des Energieerzeugers (100 €) abzuziehen. Aber auch die inländischen Wertschöpf­ungen dürfen jeweils nur einmal gezählt werden: Von 100 € aus der Milch­produktion eines Landwirts werden 50 € Vorleistung (Energie) abgezogen; bei 200 € aus der Joghurtproduktion werden an Vorleis­tungen 50 € Energie und 100 € Milch abgezogen – in Summe erhöht sich das BIP im Inland um 175 €.

Bewertung

Wertung: 5 von 5 Sternen
3 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • Trotz steigendem BIP haben 80% der Menschen in den letzten 20 Jahren Wohlstand eingebüßt
    von good vibrations am 06.07.2017 um 09:54
    ... das untere Drittel sogarmassiv! Nur eine reiche Oberschicht hat massiv dazugewonnen. Man kann sagen, wir können uns die arbeitsfrei Reichen wie Investoren, Anleger und Kapitalisten nicht mehr leisten. Auch der mittelständische Unternehmer leidet unter der Kreditklemme, da die Banken das Geld lieber im WertpapierCasino investieren und da aber leider vielfach auch verbrennen. Und somit ist dieser Kapitalismus ein großes Innovationshemmnis. Andererseits werden die Produkte selbst nicht billiger aber sie leben immer kürzer: früher lebte ein Rasierer 20 Jahre, heute ca. 2,5 Jahre, was den Konzernen entsprechend höheren Umsatz und Gewinn bereitet, den Menschen aber mehr an Lebenszeit kostet ... gut dargelegt von Sahra Wagenknecht im Buch "Kapitalismus oder Freiheit"
KONSUMENT-Probe-Abo