Wirtschaftsbegriffe: Geldschöpfung

Wie aus dem Nichts

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KONSUMENT 8/2016 veröffentlicht: 28.07.2016

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Die Zentralbanken drucken Scheine und prägen Münzen, aber für das beständige Wachsen der Geldmenge sorgen hauptsächlich Banken und Kreditinstitute.

In den vergangenen Jahren, speziell seit Beginn der Finanzkrise, wurden und werden von vielen Seiten Vorschläge eingebracht und Maßnahmen diskutiert, wie die Wirtschaft hierzulande, aber auch in der EU und in vielen außereuropäischen Ländern wieder auf Wachstumskurs gebracht werden kann.

Dabei ist häufig auch von der Geldschöpfung die Rede, also der Vermehrung der im Umlauf befindlichen Geldmenge durch neues Geld. Doch was genau ist damit gemeint? Wer darf überhaupt neues Geld schaffen und wie?

Nationalbanken versorgen Geschäftsbanken

Das Herstellen von Bargeld – also Münzen und Scheinen – ist streng reglementiert und nur den Nationalbanken gestattet. Sie liefern es an die Geschäftsbanken und kontrollieren die im Umlauf befindliche Menge an Bargeld. Daneben versorgen sie Geschäftsbanken aber in Form von Krediten auch mit sogenanntem Giral- oder Buchgeld, also Geldbeträgen, die nur durch elektronische Buchungen auf Konten existieren.

Geldschöpfung durch Kreditvergabe

Die Banken wiederum können ihrerseits Buchgeld in Form von Krediten an Unternehmen oder Private vergeben. Natürlich nicht gänzlich nach Lust und Laune: Der gesamte Kreditvergabeprozess unterliegt gesetzlichen Rahmenbedingungen wie Eigenkapitalvorschriften und Kreditvergaberichtlinien.

An geldwerten Voraussetzungen muss das Kreditinstitut aber lediglich 1 Prozent des Betrages (die sogenannte Mindestreserve) als Sicherheit bei der Nationalbank hinterlegen. Bei einer Kreditsumme von 10.000 Euro liegt die Mindestreserve also bei 100 Euro, dem Kreditnehmer können aber trotzdem 10.000 Euro auf sein Konto gutgeschrieben werden. ­Diese hat er – mit Zinsen – im Lauf der vereinbarten Kreditperiode wieder auf das Konto der Bank zu überweisen.

Starke Divergenz zwischen Bargeld- und Kreditmenge

Bis hierher wechselte keine Münze und kein Schein den Besitzer, die Transaktionen fanden rein auf Papier statt. Trotzdem hat sich volkswirtschaftlich gesehen die Geldmenge nun erhöht, da ein um ein Vielfaches höherer Betrag in den Wirtschaftskreislauf eingebracht wurde, als die Bank an "echtem" Geld hat. Tatsächlich liegen die auf dem Papier festgehaltenen Buchgeldmengen heute um das Zigfache über den gesamten Bargeldbeständen.

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