Wirtschaftsbegriffe: Zinseszins

Kleine Zahlen mit großer  Wirkung

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KONSUMENT 9/2016 veröffentlicht: 25.08.2016

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Zinsen und Zinseszinsen wirken nicht nur auf Sparbücher und Kredite, sie spielen auch bei Löhnen und Gehältern eine wichtige Rolle.

Zinsen gehen jeden an: Den einen, weil er zu viel Geld hat, den anderen, weil er zu wenig hat. Will sich Letzterer Geld ausborgen, fährt er besonders gut, wenn die "Leihgebühr", also der Kreditzins, niedrig ist und es auch langfristig bleibt, denn dann muss er nur ­unwesentlich mehr als den geborgten Betrag zurückzahlen.

Rendite für Risiko und Veranlagungsdauer

Wer hingegen mehr Kapital hat, als er im Moment für das tägliche Leben, für Kleidung, Urlaub oder Extras braucht, will damit üblicherweise eine möglichst hohe Rendite erwirtschaften, um der kontinuierlichen Geldentwertung entgegenzuwirken und sein Vermögen zu mehren. Bei vielen ­An­lage­formen – vor allem Sparprodukten, aber auch Anleihen – wird diese Rendite in Form von Zinsen lukriert, also einem je nach Risiko und Veranlagungsdauer vereinbarten Prozentsatz, der für die Überlassung von ­Kapital bezahlt wird.

Zinsen auf die Zinsen

Diese Zinsen werden üblicherweise bei länger­fristigen Anlagen am Jahresende gutgeschrieben, also zu neuem Kapital des Anlegers gemacht ("kapitalisiert"). Falls man sich die Zinsen nicht sofort auszahlen lässt, werden sie im nächsten Jahr mitverzinst. Man erhält somit Zinsen für das investierte Kapital und für den Zinsgewinn aus dem ­vorangegangenen Jahr, den sogenannten Zinses­zins. Und dieser Zinseszins-Rucksack wird Jahr für Jahr größer, je länger die ­Ver­zinsung andauert. Eine feine Sache für Sparer; ein Drama für Kreditnehmer, wenn sie zahlungs­un­fähig werden, denn dann wächst der Schuldbetrag rasch an.

Zwang zum Wachstum

Auch wenn es für die einzelnen Anleger ­einen Unterschied macht, ob sie (oft fix vereinbarte) Zinsen oder (je nach Unter­nehmensgewinn schwankende) Dividenden erzielen, eines bleibt gleich: Sie alle erwarten sich für ihr angelegtes Geld gewissermaßen einen Zinseszinseffekt, also ein stetig steigendes Kapitalvermögen. Damit das funktioniert, muss – aus der gesamtwirtschaft­lichen Sicht eines Landes – das gesamte Volkseinkommen, das in diesem Land erwirtschaftet wird, beständig wachsen.

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Bild: VKI