Wirtschaftsbegriffe: Versicherungen

Maßgeschneidert

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KONSUMENT 12/2016 veröffentlicht: 24.11.2016

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Versicherungen basieren auf dem Gleichheits- und Solidaritätsprinzip: Einer für alle, alle für einen. Der Trend geht allerdings weg von der Masse, hin zu personalisierten Angeboten.

Das Versicherungsprinzip ist einfach und altbewährt. Schon im Codex Hammurabi von ca. 1750 vor Christus finden sich die Grund­lagen für die erste Reiseversicherung: "Wird eine Karawane überfallen, so ist der Schaden von allen an der Reise Beteiligten zu tragen."

Die alten Römer und Griechen verfeinerten das Prinzip, etwa in Form von Begräbnis­vereinen oder einer Art von staatlich organisierter Krankenversicherung. Und selbst im fälschlich als dunkel bezeichneten Mittel­alter finden sich über Gilden und Zünfte ­gemeinschaftlich organisierte Risikoabsicherungen und Leistungsversprechen, unter ­anderem im Brandfall, bei Unfall, Krankheit oder Tod.

Durchversichertes Leben

Mittlerweile hat sich das bis vor wenigen ­Jahren für den durchschnittlichen Kunden noch recht überschaubare Polizzenangebot stark gewandelt. Versicherungsprodukte kommen heute aus den unterschiedlichsten Ecken, ­etwa beim Kauf eines Handys, einer Waschmaschine oder einer Sportaus­rüstung; sie können online verglichen und ohne ­Mittelsmann abgeschlossen werden; und sie gehen oft mit einer Reihe von Extras einher, die ­einen Zusatznutzen versprechen – von der Event- und Wetter-App bei Kurzzeit-­Ski­unfallversicherungen bis hin zum Unfall­melde­stecker fürs Auto.

Modulangebote

Neben dem Hang zu Vielfalt und Breite wird gleichzeitig immer mehr auf Modulangebote und Bausteine gesetzt: Jeder kann sich aus einem umfassenden Angebot das heraus­picken, was ihm am meisten entspricht. Im Bereich des Rechtsschutzes ist diese Vorgangsweise bereits seit Jahren etabliert, denn nicht jeder braucht das gesamte, allumfassende Versicherungspaket.

Ein kinderloser Single etwa, dessen sonstige Ange­hörige bereits verstorben sind, wird mit ­ dem Baustein "Familien- und Erbrecht" wenig an­fangen können. Ein Großstädter ohne ­Auto ­wiederum würde nur ungern den Baustein "Kfz-Rechtsschutz" mitfinanzieren.

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Kommentare

  • Scheibchenweise Hausversicherung
    von Dunkelsteinerwald am 20.12.2016 um 00:12
    Eine neue "auszahlungsschonende" Idee ist es, ein Haus nicht mehr als Ganzes zu versichern, sondern jede Etage (von Keller bis Dachboden) einzeln. Während bei Ganzhausversicherungen im Schadensfall immer die ganze Versicherungssumme gilt (auch wenn nur ein Stockwerk betroffen ist), gilt jetzt nur die Etagenversicherungssumme. Zusätzlich entsteht Rechtsunsicherheit : was ist, wenn es nur im Erdgeschoß gebrannt hat und die darüberliegenden Stockwerke unversehrt geblieben sind - wegen der Instabilität des Erdgeschoßes aber das ganze Haus abgerissen werden muss ? Aus meiner Sicht : eine neue Falle, wie im Schadensfall nicht das gesamte Schadensausmaß ausbezahlt werden muss.
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