KONSUMENT.AT - Babywasser - In Studien nicht untersucht

Babywasser

Besser als Leitungswasser?

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KONSUMENT 6/2020 veröffentlicht: 28.05.2020

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Ist spezielles Babywasser für Säuglinge besser geeignet als Leitungswasser?

Beweislage: unzureichend. Ob Babywasser für Säuglinge gesünder ist als Leitungswasser, das wurde in Studien nicht untersucht. Leitungswasser von öffentlichen Versorgern in Österreich ist für Säuglinge geeignet, ein Abkochen ist meist nicht notwendig. KONSUMENT Faktencheck-Medizin: Beweislage unzureichend

 

Viele Hersteller von Baby-Lebensmitteln haben stilles Mineralwasser im Angebot, das wenig Natrium und Nitrat enthält und speziell als für Säuglinge geeignet beworben wird. Eltern könnten damit Milchersatz oder Brei zubereiten, ohne das Wasser vorher abkochen zu müssen, betonen die Anbieter.

Positiver Effekt von Babywasser?

Unsere Partner von www.medizin-transparent.at haben nach Studien gesucht, die einen positiven Effekt von Babywasser für die Gesundheit der Kleinsten belegen. Derartige Studien gibt es nicht. Es existieren lediglich Arbeiten aus Ländern, deren hygienischen Bedingungen und Standards nicht mit jenen in Österreich vergleichbar sind. Doch was hat es mit den Behauptungen der Hersteller auf sich, dass natrium- und nitratarmes Babywasser besser für Babys sei und dass Leitungswasser abgekocht werden müsse?

Laut den Produktinformationen liegt der Natriumgehalt von Babywasser etwa zwischen 9 und 14 Milligramm pro Liter. Wiener Leitungswasser ist mit höchstens 2,6 Milligramm pro Liter deutlich natriumärmer. Auch das Leitungswasser in Graz und im Waldviertel etwa enthält mit rund 7 bzw. 11 Milligramm pro Liter weniger Natrium als manches Babywässerchen.

Babywasser soll außerdem besonders wenig Nitrat enthalten. Bei Produkten, auf denen der Nitratgehalt angegeben ist, beträgt dieser nicht mehr als 0,5 Milligramm pro Liter. Abgefülltes Mineralwasser, das ausdrücklich für Säuglinge empfohlen wird, darf in Österreich laut Gesetz pro Liter höchstens 10 Milligramm Nitrat enthalten. Leitungswasser liegt teilweise unter dieser Grenze. In Wien zum Beispiel enthält ein Liter Wasser etwa 3 bis 6 Milligramm Nitrat.

Leitungswasser abkochen?

Die Behauptung, Leitungswasser müsse abgekocht werden, bevor es Babys gegeben wird, ist falsch. In Österreich muss Leitungswasser für Säuglinge nicht zwingend abgekocht werden. Laut der österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) ist abgepacktes Wasser für Babys nur dann sinnvoll, wenn das Leitungswasser nicht der Trinkwasserverordnung entspricht. Das kann im Ausland der Fall sein oder wenn das Leitungswasser am Wohnort von schlechter Qualität ist (siehe trinkwasserinfo.at ).

Eine Untersuchung des VKI zeigte, dass sich auch erhebliche Mengen an Blei und Nickel aus Armaturen lösen können, wenn diese länger nicht aufgedreht wurden (siehe Küchenarmaturen 9/2011 ). Deshalb sollte man das Wasser zuerst einige Zeit laufen lassen. Das gilt auch am Morgen.

Uran in Babywässern

Dass auch Babywasser keine hundertprozentige Garantie für Reinheit bietet, zeigte ebenfalls ein VKI-Test (siehe Uran in Babywässern 4/2007 ). Wir fanden damals in drei Babywässern Belastungen mit dem schwach radioaktiv strahlenden Schwermetall Uran, die über dem in Deutschland gültigen Grenzwert von 0,002 Milligramm Uran pro Liter Mineralwasser lagen. Nicht zuletzt ist Babywasser eine kostspielige Sache, ein Liter kostet durchschnittlich 90 Cent.

Lesen Sie mehr unter Medizin-transparent: Babywasser: fragwürdiges Produkt für die Kleinsten

Stimmt das, was die berichten?

Beinahe täglich berichten Medien von Behandlungsmethoden, diagnostischen Tests und Studien. Wie aber steht es mit den Fakten hinter diesen Meldungen? Können wir glauben, was wir lesen? In unserer Rubrik "Fakten-Check Medizin " finden Sie Informationen, ob es für Medienberichte zu medizinischen Themen echte wissenschaftliche Beweise gibt. "Faktencheck Medizin" ist eine Kooperation von KONSUMENT mit Cochrane-Österreich. Cochrane-Österreich ist werbefrei, unabhängig und wird durch die Bundesgesundheits-Agentur gefördert.

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