KONSUMENT.AT - Coronavirus: Fakten statt Fakes - Vorsicht: unsinnige Infos machen die Runde

Coronavirus: Fakten statt Fakes

Dichtung und Wahrheit

Seite 1 von 3

Nächsten Inhalt anzeigen
KONSUMENT 5/2020 veröffentlicht: 19.03.2020, aktualisiert: 25.06.2020

Inhalt

Rund um das Coronavirus treiben Falschmeldungen ihre Blüten - vor allem in den sogenannten Sozialen Medien. Verschwörungstheorien und Märchen gehen um. Was hat es mit den unsinnigen Tipps und Empfehlungen auf sich?

Wochenlange posaunte der amerikanische Präsident Donald Trump zu Corona in die Welt hinaus: Er habe die Situation im Griff. Schon bald werde es keine Infizierten mehr geben und ein Impfstoff sei ohnehin so gut wie fertig. Nichts davon ist wahr. Der US-Präsident handelte auf einer Ebene mit Trollen, die in den sogenannten Sozialen Netzwerken ihr Unwesen treiben.

Verschwörungstheorien und Märchen

Zahllose unhaltbare Behauptungen, die bestenfalls auf Halbwahrheiten basieren, kursieren im Netz. Sie werden leider von vielen geglaubt. Los ging es mit der Entstehungsgeschichte von SARS-CoV-2, auch als Coronavirus bekannt. Von einer angeblichen chinesischen Biowaffenproduktion, die aus dem Ruder gelaufen sei, war die Rede. Verschwörungstheorien und Märchen zum Coronavirus schießen seither ins Kraut. Sie verunsichern Menschen und sorgen für Panik.
In Acht nehmen sollten Sie sich auch vor den zahllosen unsinnigen Tipps und Empfehlungen, wie man sich vermeintlich gegen SARS-CoV-2 schützen oder wie man sich selbst testen und behandeln kann.

Antibiotika
Die Meinung, Antibiotika hülfen gegen Viren, hält sich hartnäckig. Sie ist gefährlich. Antibiotika nützen bei einer Virenerkrankung nichts, auch nicht gegen SARS-CoV-2. Antibiotika sind bei der Behandlung von bakteriellen Infektionen lebenswichtig und von unschätzbarem Wert. Je mehr Ärzte Antibiotika verschreiben, desto höher ist das Risiko, dass Bakterien sie überleben (Resistenz). In den letzten Jahren sind zunehmend multiresistente Keime entstanden. Sie können nicht mehr mit Antibiotika bekämpft werden. Ärzte sollen Antibiotika nur verschreiben, wenn eine bakterielle Infektion vorliegt.

Haustiere übertragen das Virus
Derzeit gibt es keinerlei Hinweise darauf. Sie sollten aber grundsätzlich nach Kontakt mit Haustieren auf Hygiene achten. Waschen Sie sich die Hände. Sie könnten sonst verschiedene Bakterien wie Salmonellen oder E-coli übertragen.

Homöopathie
Laut Medienberichten raten in Österreich manche Apothekerinnen und Apotheker ihrer Kundschaft zu homöopathischen Globuli. Sie sollen Schutz vor dem neuartigen Coronavirus bieten. Eine wissenschaftliche Basis haben Angebote wie diese nicht. Unsere Partner von medizin-transparent.at haben nach Studien zu Homöopathie gegen Coronaviren gesucht. Es gibt keine. Ob Globuli gegen das neue Coronavirus SARS-CoV-2 etwas ausrichten können, ist wissenschaftlich nicht überprüft worden.

Ibuprofen
Am 14. März verbreitete sich über WhatsApp eine Nachricht, in der „die Mama vom Poldi“ vor der Einnahme von Ibuprofen warnt. Angeblich hätten Wissenschaftler der MedUni Wien herausgefunden, dass der schmerz- und fiebersenkende Wirkstoff Ibuprofen die Vermehrung des Coronavirus fördere bzw. die Krankheitssymptome verschlimmere. Derartige Meldungen sind Humbug. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte noch vor Kurzem Patienten, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben könnten, geraten, Ibuprofen erst nach Rücksprache mit ihrem Arzt einzunehmen bzw. lieber auf den Wirkstoff Paracetamol zurückzugreifen. Dabei handelte es sich allerdings um eine reine Vorsichtsmaßnahme, die nicht wissenschaftlich abgesichert war. Mittlerweile hat die WHO diese Einschätzung auf Basis von vorliegenden Studien und der Meinung von Ärzten korrigiert. Die WHO ist zu dem Schluss gekommen, dass es über die bereits bekannten möglichen unerwünschten Wirkungen hinaus, die Ibuprofen haben kann, keine Hinweise auf negative Konsequenzen für COVID-19-Patienten gibt. Die Weltgesundheitsbehörde rät deshalb nicht mehr von der Einahme von Ibuprofen ab.

Junge Menschen können sich nicht infizieren
Auch diese verbreitete Meinung ist falsch. Jüngere sind vom Coronavirus lediglich weniger stark betroffen, viele zeigen überhaupt keine oder nur schwache Symptome. Doch auch, wenn sie keine Beschwerden haben, sind Infizierte Überträger des Virus. Deshalb sind sogenannte Corona-Partys unverantwortlich und fahrlässig. Das gilt auch für Masern-Partys.

Inhalt

Bewertung

Wertung: 4 von 5 Sternen
43 Stimmen
Weiterlesen

Kommentare

  • @Dunkelsteinerwald
    von Mnemosyne am 03.05.2020 um 11:08
    Das Argument "wer heilt, hat recht" hier anzuwenden, ist ebenso gefährlich. Man kann selbst in einer solchen Krisensituation den Placebo-Effekt nicht über medizinische Erkenntnisse erheben.

    Selbst der Verschwörungstheoretiker Alex Jones bietet völlig wirkungslose "Anti-Corona" Präparate an. Jemand, der sich ein solches überteuertes Präparat kauft und vielleicht durch den reinen Glauben an eine Heilung seinen Stress auf diese Weise abbaut, verursacht indirekt trotzdem einen Kollateralschaden. Nämlich indem er oder sie zwilichtige Hersteller und Nutznießer aus der Krise finanziell unterstützt. In der Folge werden die Präparate weiterempfohlen, noch mehr eingekauft und werden völlig zu unrecht einer breiten Öffentlichkeit angeboten.

    Medizinisch wirksame Präparate sind in der Herstellung mit hohen Kosten, teuren Prüfungen und Studien verbunden. Durch die wissenschaftliche Methode ist ihre Wirkung allerding geprüft und nachweisbar. Für nachweislich wirkungslose Präparate, die sich den Mantel der Medizin nur zur Täuschung anlegen – beispielsweise indem sie behaupten, nach den selben Hygienestandards und Vorschriften für Medizinprodukte hergestellt zu werden – verlassen sich einzig und allein auf den Placebo-Effekt und machen typischerweise den Patienten (!) verantwortlich, wenn keine Besserung eintritt.

    Den Verkauf solcher Produkte kann man durchaus als tief unmoralisch sehen.

    Was psychologisch hilft, das wurde in den vergangenen Wochen bereits mehrfach empfohlen: Setzen Sie sich nicht stundenlang täglich mit der Gefahr durch den Virus auseinander. Genießen Sie die Natur. Halten Sie sich an die Empfehlungen für die erhöhten Hygienemaßnahmen. Sprechen Sie mit Ihrer Familie und Ihren Verwandten.

    Wer sich an alle Ratschläge hält, wird bald das gewünschte Sicherheitsgefühl selbst erleben.

    Hingegen ist es ebenso schädlich und irreführend, wenn man nach Empfehlung irgendwelcher Scharlatane überteuerte Zuckerkügelchen kauft oder mit allerhand Fingerakrobatik die "Meridiane" im Körper stimuliert, sich danach in falsche Sicherheit wiegt und auf die tatsächlich wirkungsvollen Tipps vergisst.
  • Psychische Schädlichkeit völliger Ohnmachtsgefühle
    von Dunkelsteinerwald am 27.03.2020 um 20:12
    Die schädlichen Auswirkungen des Virus der damit entstehenden Begleitumstände ist äußerst komplex.

    Auf eine Problematik haben zahlreiche Psychiater und Psychotherapeuten hingewiesen : auf das Gefühl der völligen Ohnmacht. Das kann zu psychischen Schädigungen zu führen.

    Insoferne ist das Drehen der Gebetsmühle, dass gegen das Virus nichts hilft in sich selbst gesundheitsgefährdend.

    Auch wenn jemand glaubt, dass ihn ein Marienbildchen vor einer Ansteckug bzw. einem schweren Verlauf schützt, ist dies anzuerkennen und nicht lächerlich zu machen. Länger andauernde Angst und Ohnmachtsgefühle sind gesundheitsschädlich.

    Es ist gut und wichtig, auf die Notwendigkeit der Einhaltungen der Vorschriften hinzuweisen und vor dubiosen und teuren Mittelchen zu warnen.

    Die Ohnmachtsgefühle zu verstärken, ist genauso verantwortungslos. (Ich vermute, dass es in der Konsument-Redaktion niemanden gibt, der medizinisch/psychotherapeutisch ausgebildet ist, und deswegen solche Artikel "passieren".)
  • Homöopathie
    von Stephan Pesendorfer am 27.03.2020 um 14:31
    Liebe Redaktion,
    bitte könnten sie mir erklären, wie das funktionieren soll, die Wirksamkeit von Globuli bei welcher Krankheit auch immer zu belegen, wenn in den Globuli selbst gar keine Wirkstoffe nachweisbar sind. Das ist ja völliger Unsinn. Etwas was es gar nicht gibt (nämlich Wirkstoffe in Globuli), kann definitionsgemäß keine Wirkung erzeugen.
    Völlig unabhängig davon ist die Frage von Placebo-Effekten zu bewerten. Placebo-Effekte sind wissenschaftlich ganz gut belegt (zB: https://www.economist.com/science-and-technology/2011/05/19/think-yourself-better ). Aber noch einmal: der Placebo-Effekt ist unabhängig von der Einnahme von Globuli. Oft genügt schon eine verbale oder non-verbale Zuwendung um diesen Effekt zu erzeugen. Es gibt da ein altes Sprichwort: Das erste Heilmittel war das Wort. Beste Grüße Stephan Pesendorfer
  • Ausweichende Antwort
    von Dunkelsteinerwald am 24.03.2020 um 19:18
    Sie weichen meinen Beiträgen aus. Es gibt keine Studien, die belegen, dass Homöopathie, KLnoblauch oder Vitamin C beim Virus nicht hilfreich sind. Insoferne ist es wissenschaftlich unredlich, eine Unwirksamkeit zu behaupten, wie Sie es im Artikel tun.

    Den Hinweis auf einen möglichen Placeboeffekt (der übrigens auch in der Schulmeizin bei anderen Erkrnkungen bewusst angewendet wird !) ignorieren Sie völlig.

    ---

    Völlig richtig ist natürlich, dass man sich durch die Anwendung der erwähnten Möglichkeit nicht in falscher Sicherheit wiegen darf und sich selbstverständlich an die allgemeingültigen Vorsichtsregeln zu halten hat. (Dieses Argument unterschlagen Sie in diesem Artikel !)

    Wenn man sich an die diesbezüglichen Regelungen hält, ist gegen Homöopathie, Knoblauch oder Vitamin C nichts einzuwenden. Oder kennen Sie seriöse Studien, dass diese Mittel gesundheitlich schaden ?
  • Knoblauch hat keinen Effekt/Vitamin C/Homöopathie
    von REDAKTION am 24.03.2020 um 18:03
    Die in diesem Beitrag veröffentlichten Behauptungen kursieren im Netz und werden von teils obskuren Websites verbreitet, beispielsweise die Meldung, Homöopathie wäre im Kampf gegen eine COVID-19-Erkrankung hilfreich. Fakt ist, dass es keine Belege dafür gibt. Das wurde nie untersucht. Auch Studien zu anderen virusbedingten Erkrankungen, wie etwa Schnupfen, konnten eine Wirksamkeit von Homöopathie nicht belegen. Es gibt ebenfalls keine Studien, die eine Wirksamkeit von Knoblauch oder Vitamin C bei der Behandlung von COVID-19 zeigen. Redlich ist es, zu behaupten, dass eine Behandlungsmethode wirksam ist, wenn dies durch Studien belegt ist. Ein TV-Bericht ist leider keine seriöse Quelle. Es wäre gefährlich, wenn COVID-19-Patienten sich selbst mit Homöopathie, Knoblauch und Vitamin C behandeln, und glauben, sie wären gesund und könnten die Quarantäne verlassen.