KONSUMENT.AT - Air up Trinkflaschensystem - Wirklich nachhaltiger?

Air up Trinkflaschensystem

Beduftetes Wasser

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veröffentlicht: 09.07.2020

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Was Konsumenten alles versprochen und dann nicht gehalten wird. Diesmal im Lebensmittel-Check: ein Trinkflaschensystem, das Wasser durch Duft Geschmack gibt. 

Das steht drauf: air up

Gekauft bei: bei Bipa und online erhältlich

Das ist das Problem

Air up präsentiert sein Trinkflaschensystem als weltweit einzigartig und preist das Starterset im Internet folgendermaßen an: "Geschmack nur durch Duft! – Das einzigartige air up-Trinkflaschensystem kann Wasser nur durch Duft Geschmack verleihen. Beim Trinken aus der air up-Flasche wird dem eingefüllten Wasser beduftete Luft beigemischt. Im Rachenraum steigt diese Duft-Luft zum Riechzentrum auf und wird von unserem Gehirn als Geschmack wahrgenommen. Ohne Zucker, ohne Kalorien, ohne Zusatzstoffe! – Mit dem air up Starter-Set erhältst du alle Bestandteile, die du brauchst, um dein Trinkverhalten auf gesund und nachhaltig umzustellen!"
Eine Konsumentin sah das anders. Sie meldete uns das Produkt mit den Worten "Wieder so was Unnötiges UND Plastik!"

Auch Umgebung beduftet

Das air-up-Starterset besteht aus einer Trinkflasche mit 650 ml Fassungsvermögen, Trinkhalm, Kopfteil und fünf Duft-Pods in unterschiedlichen "Geschmacksrichtungen".

Die Duft-Pods enthalten natürliches Aroma. Sie werden wie ein Ring auf den Saugverschluss der Trinkflasche gesteckt und durch ein Stecksystem "aktiviert". Ein Duft-Pod „beduftet“ mindestens fünf Liter Wasser.
Wir kauften ein Starterset (es kostet knapp 30 €), um es zu testen.

Das Ergebnis: Das System an sich funktioniert tatsächlich. Ein Duft-Pod sorgt noch nach fünf Litern Wasser für leichten Geschmack. Für unsere Testperson rochen bzw. schmeckten die Aromen der Duft-Pods sehr künstlich. 
Die Pods gaben die Aromen aber auch an die Luft ab und wurden daher von anderen Leuten im Raum ebenfalls wahrgenommen. In unserem Testszenario störte das so manchen.

Wasser läuft aus

Unsere Testperson nahm weiters selbst dann noch den Geruch des Pods wahr, als er nicht mehr auf der Flasche aufgesteckt war. Womöglich bleiben die Aromen im Silikon des Saugverschlusses "hängen"? 
Ebenfalls problematisch: Laut Produktbeschreibung sollte die Flasche mit aufgestecktem Duft-Pod dicht sein. Im Test zeigte sich aber, dass die Flasche mit Duft-Pod (egal ob aktiviert oder deaktiviert) ausläuft und sich Wasser im Deckel sammelt (sofern er aufgeschraubt ist).

Plastikmüll

Die Nachfüllpods sind relativ teuer, 3 Duft-Pods (also mindestens 15 Liter beduftetes Wasser) kosten ca. 6 €. Durch die Pods und ihre Verpackung sammelt sich obendrein ein ziemlicher Müllberg an.

Das Material, aus dem die Trinkflasche gefertigt wurde, ist laut unserer Chemikerin in Ordnung. Unser kürzlich durchgeführter Trinkflaschen-Test 4/2020 zeigte, dass Silikonbestandteile Siloxane enthalten können, die von der EU als "besonders besorgniserregend" eingestuft werden (D4, D5 und D6). Für Hersteller besteht eine Auskunftspflicht, sofern eine SVHC-Chemikalie (Substances of Very High Concern) in einer Konzentration von über 0,1 % in ihrem Produkt enthalten ist. 
Wir fragten daher beim Hersteller nach, ob air up SVHC-Chemikalien enthält.

"Wir können bestätigen, dass in unserer Trinkflasche keine SVHC-Chemikalien in einer Konzentration von über 0,1 % enthalten sind", erklärte die air up GmbH per Stellungnahme.

Umweltfreundlichere Lösung in Arbeit

Laut Hersteller sind die Duft-Pods zudem voll recycelbar, die Aromen natürlichen Ursprungs. Das Unternehmen ist aber mit der Nachhaltigkeit der Trinkflasche und der dazugehörigen Duft-Pods noch nicht vollends zufrieden und arbeitet an umweltfreundlicheren Lösungen. Im Vergleich zu Near-Water-Produkten, die regulär in PET-Flaschen angeboten werden, ist das air-up-System laut Hersteller aber schon jetzt deutlich nachhaltiger. (Als Near-Water-Produkte werden Getränke auf Wasserbasis bezeichnet, die mit Frucht- oder Kräuterzusätzen leicht aromatisiert sind).

Unser Fazit: Als "Gag" könnte dieses Produkt bei "trinkfaulen" Personen gut ankommen. Wenn das air-up-System längerfristig statt Near-Water-Produkten verwendet wird, könnte auch die Rechnung mit der Nachhaltigkeit aufgehen. Um einen genauen Vergleich der Nachhaltigkeit ziehen zu können, müsste beim air-up-System u.a. auch die Herstellung der Flaschen und Duft-Pods, die regelmäßige Reinigung der Mehrwegflasche etc. in die Berechnung miteinbezogen werden.

Für jene, die diese Flasche im Starterset erwerben, aber anschließend keine Duftpods nachkaufen, ist die Trinkflasche in unseren Augen wenig sinnvoll und das Produkt somit auch nicht nachhaltig.

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