Kundenkarten

Daten am laufenden Band

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KONSUMENT 6/2017 veröffentlicht: 27.04.2017

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An der Supermarktkassa bezahlen wir oft nicht nur mit Geld, sondern auch mit unseren Daten. - Ein "Aufgespießt" von Chefredakteur Gerhard Früholz.

KONSUMENT-Chefredakteur Gerhard Früholz (Bild: U. Romstorfer/VKI)
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Gerhard Früholz

Probieren Sie es doch einmal an der Supermarktkassa aus: Was haben die Kunden vor Ihnen so alles auf das Band gelegt? Welche Produkte? In welcher Menge? Eher günstige? Eher teure Marken? Und beobachten Sie, was das eigentlich alles über diese Person verrät. Ein einziger Einkauf erzählt eine kleine Geschichte, mehrere erzählen ganze Bände.

Keine Anonymität

Wer mit Kundenkarte einkauft, liefert einen unermesslichen Datenschatz ab. Denn üblicherweise ist man damit nicht mehr anonym. In ihrer Gesamtheit hinterlassen Sie mit Ihren Einkäufen kostbare Spuren. „Na und?“, mögen da viele einwenden. Mir doch egal, ob Billa weiß, dass ich nur „Bio“- Ware kaufe, gerne zu Nivea-Produkten greife, eine Katze zu Hause habe, bevorzugt Lindt- Schokolade esse und Fan von Schwedenbomben bin? Was kümmert mich, wenn Merkur weiß, dass ich viel Römerquelle trinke, Klopapier feucht verwende und ein Faible für ungarische Salami habe?

Maßgeschneiderte Werbung

Das mag auf den ersten Blick so sein. Aber letztlich liefert Ihr Einkaufsverhalten einen Schlüssel dafür, Sie ganz gezielt anzusprechen. Ganz so, als würden Sie einen Code für Ihre persönlichen Vorlieben preisgeben. Selbst das mag man noch abtun: Was ist dabei, wenn ich für mich maßgeschneiderte Werbung bekomme? Konsequente Billigkäufer werden mit dem „Schnäppchen“-Schmäh angesprochen; wer nicht so aufs Geld schaut, dem wird teurer Schnickschnack angeboten.

Nichts geschenkt

Noch ein paar Beispiele: Möchten Sie wirklich, dass Bipa weiß, wie Sie verhüten? Wollen Frauen, dass aus ihrem Einkauf von Monatshygiene- Artikeln ihre Tage zu verfolgen sind? Und nicht alle Daten sind so harmlos, wie es scheint. Jemand kauft Wodka am Morgen – was kann man da hineininterpretieren? Sie kaufen regelmäßig Fertigpizzen, Chips und Cola – was sagt das über die Ernährungsgewohnheiten aus? Erlaubt es Rückschlüsse auf Ihr Gesundheitsbewusstsein? All das sollte man wissen, ehe man sich über jene Rabatte freut, die man mit seinen Daten bezahlt. Fazit: Geschenkt wird einem nichts – auch nicht mit Kundenkarten.


Lesen Sie auch unseren Report Kundenkarten 6/2017.

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