Lederschuhe: 20 Cent pro Paar

Ausbeutung, Umweltverschmutzung

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KONSUMENT 2/2016 veröffentlicht: 28.01.2016, aktualisiert: 30.05.2016

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Ethik-Report: Ausbeutung, Gesundheitsgefährdung und Umweltverschmutzung sind bei der ­Schuhproduktion an der Tagesordnung. Doch es gibt Alternativen.

14 Milliarden Paar Lederschuhe werden im Jahr produziert, allein in Österreich werden rund 50 Millionen Paar verkauft, das sind sechs pro Kopf. Die Schuhindustrie ist weltweit der größte Verarbeiter von Leder. Der Großteil der Schuhe wird in asiatischen ­Fabriken hergestellt, China nimmt mit 8 Milliarden Paar den Spitzenplatz unter den Produzenten ein.

Zu wenig zum Leben

Eines der größten Probleme in schuhproduzierenden Ländern sind die niedrigen Löhne. Selbst wenn Arbeiter den gesetzlichen Mindest­lohn bezahlt bekommen, können sie davon oft nicht leben. In China beispiels­weise beträgt der Mindestlohn nur die Hälfte von dem, was für ein menschenwürdiges ­Leben nötig wäre, in Bangladesch nur ein Fünftel.

Im Süden von Indien sind es vor­wiegend Frauen, aber auch ganze Familien, die daheim die Schuhe zusammennähen. Pro gefertigtes Paar Schuhe werden maximal 20 Cent bezahlt, pro Tag schafft eine Näherin rund zehn Paar.

Heimarbeit statt Unternehmensverantwortung

Heimarbeit ist für Arbeitgeber eine Möglichkeit, Kosten einzusparen: Die Löhne sind niedrig, die Arbeitgeber zahlen keine Sozialbeiträge, die Heimarbeiter müssen selbst für Miete, Strom und Maschinen aufkommen. Sie haben keinerlei Beschäftigungsgarantie. Auch in den Schuhfabriken ist die Lage nicht viel besser: Hier wird sechs Tage die Wochen zu je acht Stunden gearbeitet, für einen Monatslohn von maximal 70 Euro. Noch viel ärgere Missstände herrschen auf Rinderfarmen in Brasilien, wo Arbeiter in sklavenähnlichen Arbeitsbeziehungen gehalten werden.

Chrom zur Gerbung des Leders

In 85 Prozent der Fälle wird zur Gerbung des Leders Chrom verwendet. Die Gerbung mit Chrom-III-Salzen ist weltweit die gängigste Methode, obwohl sie Risiken für Umwelt und Gesundheit birgt. Dabei kann es zur Bildung von Chrom-VI-Verbindungen kommen. Das sechswertige Chrom ist hochgiftig und krebserregend und kann leicht in die Haut eindringen.

Vergiftung von Mensch und Umwelt

Bei der Produktion von 500 Kilogramm Leder fallen im Schnitt bis zu 250 Kilo­gramm Chemikalien an, so das deutsche Umweltbundesamt. Besonders schlimm sind die Bedingungen für Arbeiter in Indien, Bangladesch und Nepal.

40 Prozent der Gerberei­arbeiter leiden unter Hautkrank­heiten, Asthma oder anderen Beeinträchtigungen. Im Endprodukt, den Schuhen, befindet sich ebenfalls Chrom in teilweise hohen Konzentrationen, neben Arsen, Blei und Quecksilber. Das Blacksmith Institute hat die Vergiftung der Umwelt durch Chrom-Gerbereien als eines der zehn größten Probleme weltweiter Umweltverschmutzung genannt.

Auch der Abbau von Chrom ist problematisch, da großflächige Bergbauprojekte massive ökologische und soziale Probleme verursachen, darunter die Zerstörung ganzer Landstriche, Enteignung und Vertreibung der ansässigen Bevölkerung sowie miserable Arbeitsbedingungen in den Minen. Die Hauptlagerstätten von Chrom befinden sich in Südafrika (38 %), Indien (20 %) und Kasachstan (15 %).

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Kommentare

  • vulkanisierte Sohlen
    von 0809brigitte am 26.09.2016 um 08:21
    Bei vielen meiner liebsten Schuhe von namhaften Marken wie Gabor, Högl, Rieker und Co. sind die Sohlen inzwischen "aufvulkanisiert", was den Schustern leider einen Tausch oder Reparatur wenn überhaupt nur noch sehr schwer ermöglicht. Das finde ich außerordentlich schade!
  • Reparierbare Schuhe
    von REDAKTION am 02.02.2016 um 16:29
    Die Reparierbarkeit ist natürlich ein wesentlicher Aspekt, auf den wir bewusst aufmerksam gemacht haben, auch wenn es gar nicht das eigentliche Thema des Artikels war. Think-Schuhe sind sehr wohl reparierbar, wie uns versichert wird. Die Sohle kann im Ganzen getauscht werden. Ersatzsohlen können von Think bezogen werden, den Tausch kann jeder Schuster durchführen, er kann aber auch bei einem Händler in Auftrag gegeben werden. Ihr Konsument-Team
  • Reparierbar
    von kessler.georg am 30.01.2016 um 19:17
    Ich finde die Überlegung der Reparierbarkeit auch sehr wichtig! Das war mir gar nicht so bewusst. Da muss ich sagen finde ich die Waldviertler gut, weil die sogar ein Service für die Schuhe anbieten.
  • Reparierbare Schuhe?
    von multitude am 30.01.2016 um 15:13
    Sie schreiben "Lieber einmal ein Paar hochwertige ­Schuhe ­kaufen, die auch reparierbar sind, als mehrere Billigprodukte." Im ganzen Artikel kommt aber der Aspekt der Reparierbarkeit gar nicht vor. M. E. ist das ein sehr wesentliches Kriterium aus KonsumentInnensicht. Leider sind z. B. die Schuhe, die ich von think gekauft habe, insoferne nicht reparierbar, dass sie Sohle und Absatz in einem haben - aufgeklebt auf das Oberteil. D. h. nicht, dass geklebte Sohlen bzw. Absätze nicht reparierbar wären, aber nicht wenn sie in einem Stück sind. Auch die meisten Schuhe von "camper" sind so angefertigt, ebenso von etlichen anderen angeblich "nachhaltig" Produzierenden. Das spielt insoferen eine Rolle, als ja Absätze sich zuallererst abnützen. Bei den erwähnten Schuhen ist das dann ein Fall für die Entsorgung, auch wenn das Oberteil noch intakt wäre. Nachhaltig ist das nicht. M. E. sollten gerade KonsumentenschützerInnen darauf achten, das Nachhaltigkeit im Sinne von Reparierbarkeit gegeben ist und auch bei den ProduzentInnen darauf entsprechend hinweisen.
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