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Milch in Glasflaschen

Danebengegangen

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KONSUMENT 9/2018 veröffentlicht: 30.08.2018

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Auch bei den großen Handelsketten steht mittlerweile Flaschenmilch in den Kühlregalen. Die Idee ist ausgezeichnet – die Umsetzung leider miserabel.

In den Bio-Läden gibt es sie schon lange zu kaufen: Trinkmilch in Glasflaschen. Nun haben endlich die großen Lebensmittelhändler nachgezogen. Seit Sommerbeginn ist Flaschenmilch auch bei Billa & Co und sogar beim Paradediskonter Hofer zu haben. Schon auf den ersten Blick ist klar: Die in den Supermärkten angebotene Glasflasche sieht nicht so aus wie ihr Vorgängermodell von anno dazumal.

Große Lebensmittelhändler verkaufen jetzt Milch in Glasflaschen. Wie nachhaltig ist die Umsetzung? (Bild: VKI)

Frische Milch braucht Lichtschutz

Als es noch keine Kartonverpackungen gab, füllte jede Molkerei ihre Trinkmilch in eine dunkelbraune Glasflasche, die den Inhalt optimal schützte. Und die Flasche konnte, weil einheitliche Verpackungsgröße und genormtes Gebinde, in jedem Geschäft problemlos zurückgegeben werden.

Weiß statt braun

Die derzeit verkauften Milchflaschen sind durchsichtig. Zugegeben, sie sehen gut aus, aber: Damals wie heute ist Milch noch immer ein heikles Produkt, das Lichtschutz braucht, damit es zu keinen Qualitätseinbußen kommt – Stichwort „Lichtgeschmack“. Hat das hier verwendete Glas einen Lichtschutz eingebaut? Oder steckt in den Flaschen ein Produkt, das keinen braucht? Wer sich aus den neuen Milchflaschen ein großes Glas einschenkt, stellt umgehend fest: Die Milch riecht anders, als man es von Frischmilch gewohnt ist. Und sie schmeckt auch anders, nämlich eindeutig nach gekochter Milch.

Länger haltbare Milch

Tatsächlich enthalten die Flaschen aus den Kühlregalen der Handelsketten keine Frischmilch, sondern eine ESL-Milch, also eine länger haltbare Milch, die laut Kennzeichnung hocherhitzt wurde. Für so ein Produkt hätte es nicht unbedingt eine Glasflasche gebraucht, finden wir. ESL-(Extended Shelf Life-) Milch wird von den Kunden mittlerweile am meisten gekauft. Vielleicht hat das auch mit der Sortimentspolitik der Lebensmittelhändler zu tun. Kunden, die kurz vor Geschäftsschluss noch Frischmilch kaufen möchten, stehen regelmäßig vor ausgeräumten Regalen. Ihnen bleibt dann nichts anderes übrig als der Griff zu länger haltbarer Milch, die zu jeder Tageszeit in Massen angeboten wird.

Eine für alle

Welche Molkereien liefern derzeit Flaschenmilch an die großen Lebensmittelhändler? Im Moment füllt nur ein einziger Betrieb Milch in Glasflaschen ab, und zwar die Tirol Milch in Wörgl. Sie gehört zum Imperium der Berglandmilch, Österreichs mit Abstand größter Molkerei.

Egal ob Konsumenten sich für eine Bio-Flaschenmilch von Ja! Natürlich (Billa, Merkur), Zurück zum Ursprung (Hofer) bzw. Spar Natur pur (Spar, Interspar) oder eine konventionell erzeugte Berghof Bergbauernmilch von Schärdinger bzw. die Bergbauernmilch von Tirol Milch entscheiden: Auf allen Flaschen findet sich dasselbe ovale Identitätszeichen mit der Buchstaben-Ziffern- Kombination AT 70149 EG, dem Kürzel für die Molkerei in Wörgl. Wer Flaschenmilch haben will, bezahlt dafür 1,39 bis 1,49 Euro pro Liter.

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